Wenn der VfB – wie hier in Wolfsburg – in der Fußball-Bundesliga antritt, fiebern viele Fans in den Kneipen vor dem Fernseher mit. Doch die kämpfen gegen Preiserhöhungen des Senders Sky. Foto: dpa

Der Streit zwischen zahlreichen Kneipenwirten und Sky geht weiter. Nach den massiven Preiserhöhungen haben Verhandlungen zwischen dem Sender und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nichts gebracht. Jetzt will der Dehoga Wirte beim Gang vors Gericht unterstützen.

Stuttgart - Viele Gastwirte haben vor einiger Zeit unliebsame Post bekommen. Der Bezahlsender Sky ändert das Gebührensystem für Fußballübertragungen. Für viele Kneipen in der Region Stuttgart bedeutet das deutlich höhere Preise, wenn sie Bundesliga- oder Champions-League-Spiele zeigen wollen. Die Gaststätte Maulwurf in Vaihingen etwa sollte künftig 5500 Euro pro Saison auf den Tisch blättern – 68 Prozent mehr als bisher. Nach öffentlichem Protest und Kündigung des Vertrags hat Sky plötzlich ein verbessertes Angebot nachgeschoben, das die Betreiber nun zähneknirschend akzeptiert haben.

Selbst ein solches Nachbessern könnte Herbert Nowack wohl kaum zum Umdenken bewegen. Der Chef der traditionsreichen Kneipe Ackermanns im Stuttgarter Westen hat sich entschlossen, künftig nur noch Fußballspiele im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Seinen Sky-Vertrag hat er angesichts einer Preiserhöhung um satte 95 Prozent gekündigt. Dabei soll es auch bleiben, denn den verbesserten Angeboten des Bezahlsenders traut er nicht: „Manchmal bieten die zwei Gratismonate. Das ist aber ein weiterer Schlag ins Gesicht, denn die gelten oft für die Zeit, in der sowieso Fußballpause ist.“ An ihn sei bisher aber ohnehin noch ­niemand herangetreten. So wie er haben diverse Wirte in Stuttgart und Umgebung ihre Verträge gekündigt.

Manche haben daraufhin wie der Maulwurf verbesserte Angebote bekommen, andere nicht. Deshalb wird in einigen Kneipen die Mattscheibe künftig schwarz bleiben, wenn der Ball in der Bundesliga rollt. „Wir wissen nichts über die genaue Zahl der Betriebe, die Sky den Rücken kehren“, sagt Daniel Ohl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg. Derzeit rolle aber wieder eine Welle der Empörung durch die Gaststätten – weil jetzt die ersten Rechnungen für die Abos kommen. So manchem Gastronom wird erst damit so richtig klar, welche Summe er künftig wird bezahlen müssen.

Sky selbst hält das neue Preissystem nach wie vor für gerecht

Der Dehoga selbst hat versucht, das Schlimmste zu verhindern – allerdings ohne Erfolg. „Ein Gespräch zwischen Sky und unserem Bundesverband ist ohne Ergebnis geblieben“, weiß Ohl. Man sei sich nicht einig geworden, derzeit gebe es keine weiteren Gespräche. Stattdessen könnten die Gerichte sprechen. Der Dehoga unterstützt mehrere Wirte in ihren Widerspruchsverfahren. „Wir gehen davon aus, dass es über kurz oder lang irgendwo in Deutschland zu einer gerichtlichen Klärung kommen wird“, so Ohl.

Sky selbst hält das neue Preissystem nach wie vor für gerecht. Man habe sich zuvor nur an der Fläche der Gaststätte orientiert, sagt eine Sprecherin. Das sei aber ein zu starres Vorgehen gewesen. Stattdessen legt der Sender jetzt ein Schema an, das Bevölkerungsdichte, Kaufkraft und Sportaffinität der Region einbezieht. Im Klartext bedeutet das, dass etwa in Stuttgart und drum herum mit dem Bundesligisten VfB, der hohen Einwohnerzahl und der großen Kaufkraft die Preise deutlich steigen. Große Sprünge seien aber die Ausnahme, betont Sky. Der Dehoga dagegen spricht von einzelnen Kneipen mit Steigerungen von über hundert Prozent.

„Die Preiserhöhung bleibt unverschämt“

Viele Gastwirte können sich das nicht leisten. Einige müssen es aber. „Wir haben Fälle, in denen Leute sagen, das rechne sich für sie nicht, sie müssen die Spiele aber trotzdem zeigen, weil sie zu ihrem Profil als Fußballkneipe gehören“, sagt Ohl. Man bleibe auch bei der rechtlichen Kritik am neuen Gebührensystem: Der Sender habe seinen Partnern Änderungen in den Vertragsbestimmungen angekündigt, nicht aber, dass es dabei um Preiserhöhungen während der Vertragslaufzeit gehe. Zudem stimme die Begründung für die höheren Gebühren nicht mit der entsprechenden Klausel in den Verträgen überein. Dort würden Erhöhungen festgeschrieben, wenn sich die „externen Kosten für die Programmgestaltung“ änderten. All das halte man für „rechtlich fragwürdig“.

Insider gehen davon aus, dass Sky nun versucht, die unbequemsten Beschwerdeführer unter den Gastwirten mit verbesserten Angeboten zu beruhigen. Verschwinden wird das Thema deshalb trotzdem nicht. „Die Preiserhöhung bleibt unverschämt“, heißt es im Maulwurf. Und anderswo müssen Fußballfans einfach ganz auf die Übertragung von Bundesligaspielen verzichten.