Philipp Hahn hat den Riesenschritt zur Innenstadtbelebung verkündet: Der Marktplatz wird Fußgängerzone – wer hätte das noch geglaubt?!
Es ist noch überhaupt nicht lange her, da hat ein Geschäftsinhaber wissen lassen, dass es auf gar keinen Fall ohne Autos gehen könne auf dem Marktplatz.
Die Mehrzahl seiner Kollegen aber scheint anderer Meinung zu sein.
Stadt und Gemeinderat haben die Gewerbetreibenden und Gebäudeeigentümer Ende November intern aufgeklärt über ihr Projekt „Aufwertung der historischen Altstadt“.
Wer hat noch daran geglaubt?
Der Abschied von den Autos in der guten Stube Hechingens kommt einer kommunalpolitischen Revolution gleich: Kein anderes Vorhaben ist so oft angegangen und dann wieder zurückgestellt worden. Das Thema ist ein Dauerbrenner gewesen, und eigentlich hat so gut wie niemand mehr geglaubt, dass die Entscheidungsträger noch den Mut aufbringen, um es durchzusetzen.
Hahn ist Anhänger der Fußgängerzone
Aber am Ende geht es doch: Bürgermeister Philipp Hahn hat sich in seiner Ansprache beim Neujahrsbürgertreff klar zum Anhänger der Fußgängerzone bekannt. Wenn er diesen Begriff auch so herrlich wie ideenreich umschreibt. Es müsse noch mehr geschehen als die bisherigen Investitionen, „um unseren Marktplatz langfristig für einen Aufenthalt attraktiv zu machen“, unterstreicht das Stadtoberhaupt. Als Ziele nennt Hahn, Frequenz für den Handel in die Innenstadt zu bringen, und das im Doppelpack mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Generationen.
Es soll schnell gehen
Lange zuwarten will man nicht. Im Gegenteil. Das Konzept, entstanden mithilfe des Arbeitskreises Innenstadt und professioneller Begleitung durch das Rottenburger Büro „freiraumconcept“, soll bereits am 3. Februar vom Gemeinderat beschlossen werden. Was alles geplant ist, das haben die Besucherinnen und Besucher des Neujahrsempfangs auf ihren Stühlen vorgefunden: Es gibt bereits eine Broschüre „Der Marktplatz wird zum Bürgerplatz“!
In seiner Ansprache hat sich Philipp Hahn dem Aus für die Autos behutsam genähert. Der Marktplatz werde überwiegend genutzt als Durchfahrtsstraße, und dies gern auch entgegen der Fahrtrichtung, sowie als Parkplatz beziehungsweise Dauerparkplatz. Ergebnis: Da will man sich nicht länger aufhalten. Weil die Autos dominieren, könne der Platz keine lebendige Stadtmitte sein. Dabei hätten Privatleute und die Stadt aktuell viel Geld in Um- und Neubauten investiert.
Steigerung der Aufenthaltsqualität
Das wird jetzt komplett anders. Arbeitskreis, Fachbüro, Stadt und Gemeinderat haben laut Philipp Hahn im Fokus: Steigerung der Aufenthaltsqualität, Verbesserung der Barrierefreiheit und stärkere Orientierung an den Bedürfnissen von Fußgängern und Radfahrern. Der bislang vom motorisierten Verkehr beherrschte Platz soll zu einem „lebendigen, multifunktionalen Stadtraum“ werden. Das will man hinbekommen mit Aufenthaltsbereichen mit „konsumfreien Zonen“ und Flächen für Außengastronomie.
Vorgesehen sind insbesondere Bäume und Pflanzen (das Mikroklima verbessern), Sitzgelegenheiten und gleichzeitig eine flexible Nutzung für Märkte, Veranstaltungen und besagte Außengastronomie. Der historische Bereich zwischen Rathaus, Stiftskirche und Altstadt soll sich wandeln „zu einem lebendigen, identitätsstiftenden und barrierefreien Zentrum, das zum Verweilen, Begegnen und Erleben einlädt“.
Nur fünf Stellplätze weniger
Aber bloß keine Ängste um die verbliebenen und neu entstandenen Geschäfte! Wenn die Autos weichen müssen, hat man sich sehr wohl Gedanken gemacht, wohin sie sollen, auch die abgestellten. Es gibt ein Verkehrs- und Parkierungskonzept für einen „weitgehend verkehrsfreien, fußgängerorientierten Stadtraum“. Das heißt, kein Durchgangsverkehr mehr, auch kein Parken. Für Lieferungen und Anlieger sollen Zeitfenster bleiben. Der Verkehr wird zu den Stellplätzen geführt über den Kirchplatz und die Schloßstraße sowie den Bierweg. Hehres Ziel: weniger Durchgangsverkehr, die Altstadt entlasten.
In Zahlen nicht so schlecht
In Zahlen sieht es so schlecht nicht aus – sollte man den Geschäftsleuten beibringen, die nichts mehr fürchten als die autofreie Zone. Bislang sind es auf dem Marktplatz 10 Stellplätze (1 Behindertenplatz inklusive), und beim Gemeindezentrum St. Jakobus sind es 6 Stellplätze (wieder 1 Behindertenplatz mitgezählt). Beim Marktplatz bleiben zwar 0 übrig – aber beim Gemeindehaus wird auf 11 Stellplätze erhöht (2 Behindertenplätze mitgezählt). Das ergibt unterm Strich „nur“ 5 Plätze weniger im Bereich zwischen Rathaus und Kirche.
Hinzu kommen in kurzer Entfernung in der Schulstraße insgesamt 13 Stellplätze. Frei werden die 18 Parkplätze beim Jugendzentrum. Das Hahn-Fazit: „Wir haben also eine deutlich positive Parkplatz-Bilanz in unmittelbarer Umgebung zum Marktplatz.“
Info: Im Haushaltsentwurf stehen unter „Marktplatz, Neugestaltung Platzausstattung“ geplante Ausgaben von 150.000 Euro.