Die Fahrpraxis ist durch den Simulator nicht zu ersetzen, finden Lörracher Fahrlehrer. Foto: Armin Weigel/dpa

Ein Führerschein ist teuer. Aus der Politik kommen Vorschläge, den „Lappen“ einfacher und bezahlbarer zu machen. Lörracher Fahrlehrer halten davon wenig. Warum?

„Wir haben hier in Deutschland weltweit mit die besten Fahrschulen und Fahrausbildungen. Und das soll auch so bleiben.“ Das findet Baki Tasci, der seit 36 Jahren im Geschäft ist und in Lörrach eine Fahrschule in der Wallbrunnstraße betreibt. Auf die schnelle Tour den Führerschein erwerben? Das sieht er kritisch. „Die jungen Leute werden sowieso immer sensibler“, erlebt er im Tagesgeschäft. Daher wären zusätzlicher Zeitdruck und Verunsicherung alles andere als wünschenswert.

 

Was der Verkehrsminister Patrick Schnieder plant

Darum hält er auch die in der Diskussion stehenden Vorschläge des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder für weitgehend abwegig. Dieser hatte vorgeschlagen, dass Fahrschüler weniger Sonderfahrten absolvieren müssen, mehr Fahrsimulatoren eingesetzt und die Präsenzpflicht in der Theorie aufgehoben werden soll. Ein weitere Vorschlag war, den Theorie-Fragenkatalog zu kürzen. Maßnahmen, die die Kosten für einen Führerschein senken sollen. Dieser kostet laut Tasci im Durchschnitt immerhin 3400 Euro.

Doch solche Änderungen hätten Folgen und würden zulasten der Qualität der Fahrausbildung gehen, unterstreicht der Fahrlehrer. „Der Mensch lernt nicht so schnell.“ Bestimmte Techniken und Fahrweisen müsse er den Schülern in Ruhe zeigen – mehrfach – und sie dann mit ihnen in der Umsetzung üben. „Im Straßenverkehr haben es die Fahrneulinge schließlich mit Menschen zu tun und nicht mit Gegenständen.“ Darum liegen ihm Übung und Verkehrstüchtigkeit sehr am Herzen. Sein Motto: Lieber ein paar Stunden mehr Fahrpraxis – und dafür mal am Urlaub sparen.

Auch in seiner Fahrschule hört er ein gewisses verunsichertes „Munkeln“, ob man mit dem Führerschein jetzt nicht lieber etwas warten sollte, bis der Erwerb günstiger werde.

Kein Aufschieben des Führerscheins

Alles Quatsch, so sein Fazit. Am Ende käme es nur wie nach der Corona-Zeit zu Terminstau und Engpässen.

Wird der Führerschein günstiger, fragen sich viele. Foto: Swen Pförtner/dpa

Etwas weniger Anmeldungen als üblich habe er schon, allerdings könne von einem Einbruch der Zahlen derzeit keine Rede sein. „Die Menschen müssen lernen, sicher von A nach B zu fahren. Ein paar Fahrstunden mehr dürfen es da aus Sicherheitsaspekten schon sein.“

Sarah Wagner sitzt quasi am Schalthebel der Fahrschule Holger Nähring. Sie steuert das Büro und die Anmeldungen. Auch sie wird immer wieder mit der Frage konfrontiert: Soll ich mit dem Führerschein lieber warten? „Ich weiß nicht, auf was du warten willst“, antworte sie dann stets. Prinzipiell sei es natürlich wünschenswert, dass der Führerschein günstiger werde. Allerdings würden da Vorschläge in den Raum geworfen, die wenig überzeugend seien. Stichwort: Fahrsimulator. Auch für sie steht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Fokus. Natürlich könne man mit Hilfe eines solchen Simulators bestimmte Grundfähigkeiten gut trainieren, zum Beispiel das Schalten oder den Schulterblick.

Wenn echte Menschen den Zebrastreifen passieren

„Das richtige Fahren aber lässt sich damit nicht vergleichen“, erzählt Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung. Da brauche es schon mehr. „Es ist eben ein Unterschied, ob ich virtuell durch den Verkehr fahre, oder ob dann echte Menschen über einen Zebrastreifen vor mir laufen“, nennt sie ein Beispiel. Zudem koste ein Fahrsimulator laut aktuellem Prospekt zwischen 30 und 40 000 Euro. „Wie bitte soll dann der Führerschein billiger werden?“

Den Fragebogen etwas entrümpeln

Den Fragenkatalog in der Theorieprüfung etwas zu entrümpeln, hält Sarah Wagner indes für nicht schlecht. „Das ist schon ganz schön viel.“ Allerdings: Reines online-Lernen in der Theorie findet sie fragwürdig. Da könne man in der Präsenz doch ganz anders agieren und auch kontrollieren.

In der Fahrpraxis indes hält sie weniger Fahrstunden für nicht angebracht. Im Gegenteil: „Der Verkehr nimmt immer mehr zu, die Anforderungen an die Autofahrer werden immer größer. Da braucht es eher mehr als weniger Übungsfahrten.“