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Wird Aufzugssparte verkauft? Thyssenkrupp fliegt aus dem Dax

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Thyssenkrupp prüft einen möglichen Verkauf seiner profitablen Aufzugssparte, unter die auch der Rottweiler Testturm fällt. Foto: dpa

Essen/Frankfurt/Rottweil - Mit Thyssenkrupp steigt ein Dax-Gründungsmitglied aus der Topliga der deutschen Börsenunternehmen ab. Der mit dem Stahl groß gewordene Traditionskonzern wird durch den Triebwerksbauer MTU ersetzt. Der hat deutlich bessere Geschäfte gemacht.

Thyssenkrupp prüft zudem auch einen möglichen Verkauf seiner profitablen Aufzugssparte, unter die auch der Rottweiler Testturm fällt. Das Unternehmen habe "einen strukturierten Prozess für die Bewertung von Angeboten von strategischen Investoren und Finanzinvestoren eingeleitet", teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtet, das Management um Vorstandschef Guido Kerkhoff habe in den vergangenen Tagen Briefe an potenzielle Interessenten geschrieben, in denen diese zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert worden seien. Ein konkretes Angebot liege dem Vernehmen nach bislang nicht auf dem Tisch.

Der Börsengang der Aufzugssparte werde weiter vorbereitet, hieß es bei Thyssenkrupp. Mit der Prüfung von Kaufangeboten wolle man sicherstellen, dass die Entscheidung über Börsengang oder Verkauf für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Kunden "nachhaltig und die beste ist". Interesse an einem Kauf der Aufzugssparte haben laut Kerkhoff eine Reihe von Investoren signalisiert. Auch der finnische Aufzugbauer Kone soll Medienberichten zufolge seine Fühler ausgestreckt haben.

Thyssenkrupp braucht Geld für den nach der abgesagten Stahlfusion mit Tata Steel geplanten Konzernumbau. Die nötigen Mittel sollen aus dem Börsengang oder dem Verkauf der Aufzugssparte kommen. Sie gilt als Ertragsperle und wird deutlich höher bewertet als der Gesamtkonzern.

Für Thyssenkrupp kommt Triebwerksbauer MTU in den Dax

Deutschlands Börsen-Leitindex Dax bekommt ein neues Mitglied. Der Münchner Triebwerksbauer MTU Aero Engines löst den Stahl-und Industriegüterkonzern Thyssenkrupp in der Topliga der 30 wertvollsten Börsenunternehmen ab, wie die Deutsche Börse am Mittwochabend in Frankfurt mitteilte. Vollzogen wird der Wechsel von Thyssenkrupp zu MTU zum 23. September.

Abstieg ist ein Prestigeverlust

Der Abstieg aus der Topliga der Börsenwerte ist für den mehr als 200 Jahre alten Industrieriesen aus dem Ruhrgebiet ein Prestigeverlust. "Dass uns der Abstieg aus dem Dax enttäuscht, steht außer Frage. Als Gründungsmitglied wären wir dem Leitindex gern erhalten geblieben", kommentierte Thyssenkrupp-Vorstandschef Guido Kerkhoff das Ausscheiden. "Man muss aber auch ehrlich sein: Unsere Performance war zu schwach, daher ist der Gang in den MDax die logische Konsequenz."

Dax-Aufsteiger MTU hatte in den vergangenen Jahren einen Rekordlauf hingelegt. Das Münchner Unternehmen mit gut 10 000 Mitarbeitern und 4,6 Milliarden Euro Jahresumsatz profitiert vom Wachstum der Luftfahrt. Da immer mehr Menschen weltweit fliegen, sind Triebwerke gefragt. Übertroffene Jahresziele und brummende Geschäfte haben die Aktie binnen eines Jahres um 32 Prozent hoch getrieben. Über zehn Jahre steht ein sagenhaftes Plus von 750 Prozent.

MTU baut Triebwerke nicht nur, sondern wartet sie auch: Bei der Instandhaltung und Reparatur des V2500 etwa, dem Antrieb der Airbus-A320-Familie, ist MTU nach eigenen Angaben weltweit führend. Auch im Militärgeschäft ist MTU eine Branchengröße, so als Partner bei der Wartung für fast alle Luftfahrtantriebe der Bundeswehr. In Erding bei München arbeiten Bundeswehr- und MTU-Beschäftigte Hand in Hand. Zudem baut der Konzern Triebwerk-Module für den Eurofighter.

Seit Langem in der Krise

Thyssenkrupp steckt dagegen seit langem in der Krise. Die Finanzdecke ist dünn - auch eine Folge von milliardenschweren Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA. Die als Befreiungsschlag geplante Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata wurde von der EU untersagt. Vorstandschef Kerkhoff sagte daraufhin auch die Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Unternehmen ab.

Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, plant Kerkhoff den Börsengang oder einen Verlauf der profitablen Aufzugssparte. Ihr Wert wird von Analysten deutlich höher eingeschätzt als der des gesamten Konzerns mit seinen weltweit rund 160.000 Mitarbeitern. Für die Beschäftigten hat der Dax-Abstieg keine direkten Folgen. Sie sind von dem Konzernumbau betroffen, bei dem 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon 4000 in Deutschland.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETF). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann. Im MDax, der zweiten Börsenliga mit 60 Mitgliedern, gibt es nach Einschätzung von Experten aber auch Chancen zur Erholung. Dort dürften die Essener "ein sehr sichtbarer und dominanter Wert werden", meinte beispielsweise Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt.

Kerkhoff will die Chancen nutzen. "Wichtig ist, dass wir den Konzern jetzt neu und profitabler aufstellen, um so das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Darauf liegt unser Fokus, daran arbeiten wir mit aller Kraft", betonte er in seiner ersten Reaktion auf den Dax-Abstieg.

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