Mussten in Ichenheim Füchse leiden? Ja, sagt die »Peta«, nein, sagt Horst Driemel, der ehemalige Betreiber der Schliefenanlage in Ichenheim, den die Tierschutzorganisation nun angezeigt hat. Foto: Symbolfoto: Lawless

Tierschutzorganisation vermutet Quälerei von Füchsen bei stillgelegter Hundetrainingsanlage

Ichenheim - Die Tierschutzorganisation "Peta" hat Strafanzeige gegen den Betreiber einer Schliefenanlage in Ichenheim gestellt, in der Füchse zu Trainingszwecken von Hunden gejagt werden. Kurios: Der Betreiber hat die Anlage bereits Anfang 2020 abgemeldet.

Eine "klar tierquälerische Ausrichtung" wirft die Tierschutzorganisation "Peta" den Betreibern von sogenannten Schliefenanlagen vor, da dort "Füchse um ihr Leben fürchten müssen". In Schliefenanlagen werden Jagdhunde trainiert. In einem künstlich angelegten Tunnelsystem sollen die Hunde dort lernen, sich im Dunkeln zurechtzufinden und Füchse aufzuspüren. Dazu werden zahme Füchse eingesetzt. Die Hunde und die Füchse kommen sich durch Maßnahmen wie Gitterstäbe dabei jedoch nie in die Quere.

Anlage ist schon seit Anfang 2020 nicht mehr in Betrieb

Die "Peta" geht dennoch gegen die Schliefenanlagen vor. Gegen 20 Betreiber bundesweit habe sie Strafanzeige gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. "Füchse haben wie Menschen und alle anderen Tiere ein Leben in Freiheit verdient, statt eingesperrt und zur Jagdhundeausbildung missbraucht zu werden. Schliefenanlagen sind an Tierschutzwidrigkeit und Grausamkeit kaum zu überbieten", wird Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei der "Peta", in der Mitteilung zitiert.

Was der "Peta" offenbar jedoch entgangen ist: Die Anlage in Ichenheim ist gar nicht mehr in Betrieb. Schon Anfang 2020 gab der frühere Betreiber Horst Driemel das Training von Jagdhunden auf seinem Grundstück auf, wie er im Gespräch mit der Lahrer Zeitung erklärt. Sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch aufgrund von Differenzen innerhalb des Zuchtvereins habe er die Schliefenanlage nicht länger betreiben wollen. "Ich habe die drei Füchse in die Freiheit entlassen und die Anlage beim Veterinäramt abgemeldet", so der 74-Jährige.

Nicht der erste Vorwurf

Dass Tierschützer gegen die Schliefenanlagen vorgehen, ist für den passionierten Jäger indes nichts Neues. Schon im Jahr 2011 musste er sich mit dem Vorwurf, seinen Füchsen unzumutbare Quälereien zuzufügen, auseinandersetzen. Wie schon damals versichert Driemel auch heute, dass es seinen Füchsen stets gut gegangen sei und diese immer entspannt im Gehege gelegen haben. Als er seine Tiere an eine andere Schliefenanlage verliehen habe, hätten einige seiner Kollegen ihm gesagt, dass sie "noch nie so gepflegte Füchse" gesehen hätte. Driemels Anlage habe stets nicht nur den Vorschriften entsprochen, sondern er habe noch mehr für den Schutz der Füchse getan. Statt der vorgeschriebenen zehn Quadratmeter Platz hätten seine drei Füchse 70 Quadratmeter Platz gehabt. Zehn seien in seinen Augen nämlich deutlich zu wenig.

Auf Anfrage der Lahrer Zeitung erklärt Edmund Haferbeck, Manager der Rechts- und Wissenschaftsabteilung von "Peta", dass die Organisation seit mehreren Jahren Informationen über Schliefen­anlagen sammele. Die Betreiber seien nur "sehr schwer herauszufinden", so Haferbeck. Dass eine Anlage zum Zeitpunkt der Anzeige nicht mehr in Betrieb ist, sei kein Einzelfall. Am Tag der Anzeige sei dies bereits bei einer weiteren Anlage herausgekommen. Da die Informationen so lange schon gesammelt würden, könne dies passieren.

Dennoch seien auch stillgelegte Anlagen der "Peta" weiterhin ein Dorn im Auge. Die Strafanzeige beziehe sich auf die Zeit vor der Stilllegung bis Anfang 2020, da die Verjährungszeit für Tierschutzdelikte drei Jahre betrage. "Also geht die Anzeige bis Mitte 2018 zurück", erklärt Haferbeck, der auch befürchtet, dass stillgelgte Anlagen, solange sie noch existieren, wieder in Betrieb gehen können.

Video in Lemgo als Auslöser

Ein Präzedenzfall in Lemgo war für die "Peta" der entscheidende Schritt, nun weitere Anzeigen zu erstatten, erklärt Edmund Haferbeck für die Tierschutzorganisation. Ein "Undercover-Video", das verängstigte Füchse zeigen soll, habe dort die Staatsanwaltschaft dazu bewogen, gegen den Betreiber Anklage zu erheben. Die "Peta" schätzt, dass es rund 100 Schliefenanlagen in Deutschland gibt. 20 davon habe sie ausfindig machen können und nun angezeigt. Auf die Anlage in Ichenheim ist die "Peta" über den 2011 erschienenen Zeitungsartikel gestoßen, wie aus der Anzeige hervorgeht, die Haferbeck der LZ zur Verfügung gestellt hat.