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Wirbel auf Facebook Wurde Dalmatiner in Oberreichenbach vergiftet?

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Immer wieder wird vor Giftködern gewarnt. Im Fall von Oberreichenbach aber weiß die Polizei von nichts. (Symbolfoto) Foto: dpa

Ein geliebtes Tier zu verlieren ist schrecklich. Besonders dann, wenn das von einem Giftköder getötet oder schwer verletzt wird. In Oberreichenbach soll jetzt ein Hund vergiftet worden sein – doch weder Polizei noch Bürgermeister wissen davon. Was dahinter steckt, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Oberreichenbach - Ein Dalmatiner in Oberreichenbach spuckt eines Abends unvermittelt mindestens drei Liter Blut. So jedenfalls schildert ein Posting in der Facebook-Gruppe Blaulichtnews Kreis Calw das Schreckensszenario. Verbunden mit dem Aufruf "an alle Oberreichenbacher": "Es werden Hunde in Ihren eigenen Gärten vergiftetet. Der schreckliche Verdacht, den die Urheberin des Posts äußert ist klar: Hundehasser werfen vorab präparierte Giftköder gezielt in den Garten von Hundebesitzern, um die Vierbeiner qualvoll zur Strecke zu bringen. Wie gesagt, ein Verdacht.

Der letzte bestätigte Fall ist locker drei Jahre her

Denn auf Nachfrage weiß Bürgermeister Karlheinz Kistner nichts von einem solchen Vorfall. "Vor zwei bis drei Jahren gab es mal einen Fall, dass ein Hund einer Familie vergiftet wurde", erinnert er sich. Doch aktuell sei ihm nichts dergleichen bekannt, weiterhelfen könne er daher nicht, so der Bürgermeister. Helfen will aber mit aller Macht die Urheberin des Beitrags, die kurzerhand eine Spendenaktion zu Gunsten des Dalmatiners "Lasko" ins Leben gerufen hat. Denn der Hund liege wegen innerer Blutungen auf der Intensivstation, das verschlinge einiges an Geld, ist im Spendenaufruf weiter zu lesen. Außerdem steht dort aber auch: "Leider konnte man bis jetzt immer noch nicht feststellen woher diese Blutung kommt."

Dennoch scheut die Urheberin nicht davor zurück, die angebliche Ursache klar zu benennen: "Mittlerweile ist es schon fast klar, dass wieder einmal jemand im Ort Gift in die Gärten der Hundebesitzer wirft und wieder ein liebenswertes Familienmitglied auf vier Beinen in einer Tierklinik um sein Leben ringt." Die Formulierung "wieder einmal" suggeriert indes, dass quasi wöchentlich irgendwo in Oberreichenbach Hunde vergiftet werden. Dem sei nicht so, stellt Bürgermeister Kistner dar: "Definitiv nicht", legt er nach. Selbstverständlich gingen solche Vergiftungen gar nicht, zumal im Zweifel für das Fehlverhalten der Hunde eher der Besitzer Schuld trage als das Tier an sich. Unabhängig davon hätte er eine ganze Serie von Giftanschlägen auf Hunde sicher mitbekommen. Auch die Polizei hat aus den vergangenen Tagen keine Mitteilung über solch einen Vorfall erhalten.

Lange Suche bleibt ergebnislos

Beatrice Suppes sucht beim Polizeipräsidium Pforzheim eine ganze Weile, um dann nur folgendes zum Thema Hund zu finden: "Hund tötet Hase haben wir hier, aber mit Giftködern ist nichts bei uns eingegangen." Auch in den Teilorten Oberreichenbachs sei keine Meldung über Giftköder zu finden. Grundsätzlich sei das Auslegen von Giftködern natürlich strafbar – mit einer feinen Unterscheidung. "Es muss Vorsatz gegeben sein", erklärt Suppes. Also wenn beispielsweise eine Rattenplage mit Rattengift bekämpft wird und dann der Nachbarshund aus Versehen diesen zu sich nimmt und daran verstirbt, wird das von der Polizei verständlicherweise als Unfall gewertet. Klar ist der Fall, wenn wie jetzt wohl geschehen, Giftköder absichtlich präpariert und irgendwo deponiert werden. "Das ist dann ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz", stellt Suppes klar. Sie verweist hierzu auf Paragraf 17, Absatz zwei des Gesetzes. Hier heißt es: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt." Sollte ein Giftköder-Gauner also gefasst werden, drohen harte Strafen.

Kommentar: Falscher Weg

Keine Frage: Einen Hund per Giftköder zur Strecke zu bringen, ist verabscheuungswürdig und obendrein strafbar. Doch egal wie: Im deutschen Rechtsstaat übernimmt die Polizei die Strafverfolgung. Im Zweifel auch der Bürgermeister als Dienstherr des Ordnungsamtes. Auf keinen Fall aber ein soziales Netzwerk wie Facebook, in dem munter angebliche Fakten präsentiert werden, die dann viele glauben.

Die Empörung über solche Taten in den Kommentarspalten ist reflexartig riesig und durchaus berechtigt. Doch das hilft keinem – am wenigsten den Hunden. Der bessere Weg ist der Rechtsweg über Polizei und Ordnungsamt. Denn nur diese Institutionen können und dürfen vor allem mögliche Täter ermitteln. Meldet solche Vorfälle keiner, sondern entleert seine Wut darüber im Netz, braucht man sich nicht wundern, wenn es weiter solche Taten gibt. Denn, auch das oft der Fall im Rechtsstaat: Wo kein Kläger, da kein Richter.

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