Bücher seien auch Lebensmittel, macht der Haslacher Buchladen deutlich. Foto: HGH

Einzelhändler machen auf existenzbedrohende Lage aufmerksam. Forderung nach Perspektiven.

Haslach - "Wir wollen wieder handeln": Das fordern die Haslacher Einzelhändler. Angesichts der neuerlichen Geschäftsschließungen im Zuge der Corona-Pandemie haben sie am Samstag auf ihre Lage aufmerksam gemacht.

Die Aktion wurde aus dem Haslacher Handels- und Gewerbeverein (HGH) heraus initiiert. Zahlreiche der Haslacher Händler gaben sich während des Wochenmarkts am Samstagvormittag kämpferisch.

Unter dem Motto "Wir wollen wieder handeln" stellten sie sich zusammen mit ihren Mitarbeitern pünktlich um 10.30 Uhr vor ihre Ladengeschäfte und machten deutlich, dass die erneuten de-facto-Schließungen die Existenz zahlreicher Betriebe gefährdeten.

Innerhalb kürzester Zeit sei man von "unter Auflagen geöffnet" über "Öffnen im Terminvergabemodus" wieder auf den "Abhol- und Lieferservice" zurückgefallen. Ob Versuche, durch Sortimentsumstellungen und -vertiefungen, die einige Händler vollzogen haben, Öffnungen dauerhaft zu ermöglichen, nicht wieder per Verordnung zunichte gemacht würden, sei darüber hinaus eine weitere Gefahr.

"Wirrwarr" um die Auflagen

Überhaupt sei dem Kunden der Wirrwarr mit geöffneten und teilgeöffneten Sortimenten und ständig wechselnden, verschärften Auflagen kaum noch zu vermitteln. Man bemühe sich zwar, allen Kunden das Einkaufen auch unter den erschwerten Bedingungen – pandemiegerecht sicher – zu ermöglichen, so die Vorsitzende des Gewerbevereins, Mechtild Bender. Sie selbst darf ihren Feinkostanteil im Geschäft komplett offen halten, kann indessen das gesamte Glas-, Porzellan- und Haushaltswarensortiment nur zur Abholung oder Lieferung anbieten. So sei der zum Überleben notwendige Umsatz letztlich nicht zu erzielen. "Die Sorgen nehmen überhand, gerade wir kleinen Einzelhändler sind massivst betroffen! Durch unseren gemeinsamen Protest wollen wir zeigen, dass es so nicht weitergehen kann", so die Vorsitzende. "Wir wollen wieder handeln dürfen", lautet deshalb ihr Appell an die Landes- und Bundespolitik.

Regelrechtes "Wirrwarr" um die Auflagen steht in der Kritik

Wer auf die Plakate oder die Protestaktion aufmerksam wurde, zeigte jedoch durchaus Verständnis für die Aktion. Der Einzelhandel brauche endlich Perspektiven, oder bald würden die Innenstädte anders aussehen, verlieh eine Wochenmarktbesucherin ihrer Sorge Ausdruck.

Im Ortenaukreis ist die Corona-Inzidenzzahl an mehr als drei Tagen in Folge auf mehr als 100 Fälle gestiegen. Den aktuellen Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschuldet, greifen damit wieder strengere Maßnahmen. Der Einzelhandel darf keinen Einkauf mit vorheriger Terminvereinbarung ("Click and Meet") mehr anbieten. "Click and Collect" ­ist jedoch immer noch möglich. In der Kritik steht, dass Kunden inzwischen den Überblick verlieren würden, was überhaupt noch möglich sei und was nicht. Händler fürchten inzwischen im Zuge der Schließungen um ihre Existenz.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: