Driftet die Gesellschaft immer weiter auseinander? Greift die Einsamkeit immer mehr um sich? In Ostelsheim jedenfalls gibt es jetzt einen Ort der Begegnung.
Ein Dorfgemeinschaftshaus gibt es jetzt in Ostelsheim. Betreiber ist der Verein „Wir Für Ostelsheim“. Er wurde erst im November gegründet.
Der Verein organisiert Kurse, Vorträge und Workshops. Auch geschlossene Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein Trauercafé, sind möglich. Der Verein will dazu beitragen, dass Menschen sich begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft erleben, ist in der Präambel der Satzung zu lesen.
Schlüsselübergabe Projektleiterin ist Lena Abdi. Für sie hat es jetzt einen freudigen Moment gegeben. Anton Gruber, Pfarrer der Katholischen Seelsorgeeinheit Mittleres Heckengäu mit den Kirchengemeinden St. Peter und Paul in Weil der Stadt und St. Leonhard in Dätzingen, Nils Harms, gewählter Vorsitzender des Katholischen Kirchengemeinderates in Dätzingen, und Martin Auer vom Katholischen Ortsausschuss in Ostelsheim überreichten Ostelsheims Bürgermeister Ryyan Alshebl und Lena Abdi symbolisch den Schlüssel für das Dorfgemeinschaftshaus.
Win-win-Situation Während die Gemeinde Ostelsheim und der Verein „Wir Für Ostelsheim“ als Betreiber ein Dorfgemeinschaftshaus suchten, müssen die Katholischen Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart aus Kostengründen Immobilien abstoßen. So kam eins zum andern.
Das katholische Gemeindehaus in Ostelsheim, gebaut im Jahre 2001, bot sich geradezu als Dorfgemeinschaftshaus an. Die bürgerliche Gemeinde erwarb das Gemeindehaus von der Kirche für 635 000 Euro. Im Rahmen der Städtebauförderung bekommt Ostelsheim 60 Prozent des Kaufpreises vom Land, was Rathauschef Alshebl besonders freut. Die restlichen 40 Prozent trägt die Gemeinde.
Die Einrichtung muss kaum verändert werden
Pfarrer Gruber sprach bei der symbolischen Schlüsselübergabe – es war noch der gleiche symbolische Schlüssel wie bei der Einweihung des Gebäudes im Jahre 2001 – von einer Win-win-Situation für beide Seiten. Die Einrichtung müsse kaum verändert werden. Abdi nannte es einen „unfassbaren Glücksfall“, dass dieses Haus in der Bergstraße in Ostelsheim zur Verfügung stand.
Kontakte hergestellt Auer stellte dabei die Kontakte zwischen beiden Seiten her, wie die Anwesenden bei der Schlüsselübergabe übereinstimmend lobten. Auer ist im Ort vielfältig vernetzt. Er ist nicht nur in der Katholischen Kirchengemeinde ehrenamtlich aktiv, sondern engagiert sich auch im Arbeitskreis Asyl in Ostelsheim.
Räume Das Dorfgemeinschaftshaus hat im oberen Erdgeschoss einen größeren Saal und einen kleineren Raum. Sie können durch einen beweglichen Teiler verbunden und getrennt werden. Den kleineren Raum bezeichnet Abdi gerne als „Dorfwohnzimmer“. Hinzu kommen eine Küche und ein Stuhlraum.
Im unteren Erdgeschoss gibt es zwei weitere Räume. Einer soll zum Aufenthaltsraum für Jugendliche werden. Im anderen ist eine Dorfwerkstatt vorgesehen.
Unterstützung Um das Projekt Dorfgemeinschaftshaus mit dem Trägerverein „Wir Für Ostelsheim“ zum Laufen zu bringen, stehen über einen Zeitraum von zwei Jahren 100 000 Euro zur Verfügung. Lena Abdi ist seit August 2024 die Projektleiterin. Alexander Hölsch vom Verein SPES moderierte und begleitete das Vorhaben.
Lebensqualität im ländlichen Raum sichern
SPES ist ein gemeinnütziger Verein. Dieser entwickelt laut eigenen Angaben auf seiner Homepage mit weiteren Partnern Modelle zur Sicherung der Lebensqualität im ländlichen Raum. Er begleitet bürgerschaftliche Initiativen und Gemeinden bei deren Umsetzung. Von den 100 000 Euro an Kosten übernimmt 80 Prozent das Land. Den Rest trägt die Gemeinde. Nach den zwei Jahren muss sich das Projekt selbst tragen.
Zukunft Abdi ist über die Zukunft nicht bange: „Wir sind zügig unterwegs.“ Das Leitungsgremium des Vereins „Wir Für Ostelsheim“ sei mit acht Mitgliedern breit aufgestellt, freute sich Abdi. Damit seien die Aufgaben für einzelne leichter zu bewältigen.
Passender Name gesucht Jetzt muss für die Heimstätte des Vereins nur noch ein passender Name gefunden werden. Mit dem Begriff Dorfgemeinschaftshaus ist Abdi nicht so recht zufrieden. Es sei auch mehr als ein Dorfcafé.