Der Winzerkeller Auggener Schäf blickt auf ein bewegtes Geschäftsjahr zurück. Wie die Verantwortlichen der „deutschen Weinkrise“ begegnen.
„Die Krise hat letztendlich auch vor uns nicht halt gemacht“, stellte Vorstandsvorsitzender Jürgen Gugelmeier eingangs der außerordentlich gut besuchten Mitgliederversammlung fest. Lange habe der Winzerkeller, zu dem auch der „Laufener Altenberg“ gehört, nur wenig von der „deutschen Weinkrise“ gespürt.
Mit innovativen Produkten wie dem Mischgetränk „Wein & Tonic“ und einem engagierten Verkauf habe man einen größeren Einbruch allerdings weitgehend wettmachen können.
Der Herbst 2025 sei eine große Herausforderung gewesen, berichtete Kellermeister Andreas Philipp als erstes Fazit. In Rekordzeit sei die Traubenernte wegen des regnerischen Wetters während der Lese eingebracht worden. Die anfangs nur mit Komplikationen funktionierende neue EDV führte jedoch bei der Traubenannahme zu langen Wartezeiten.
„Das Traubengewicht blieb mit durchschnittlich 115 Kilogramm pro Hektar leider hinter den Erwartungen“, bedauerte der Kellermeister. Erstmals sei – und das gegen die Tradition des Auggener Winzerkellers – die Menge beim Weißburgunder höher als bei den Gutedelsorten insgesamt. Einen ordentlichen Ertrag lieferten laut Philipp insgesamt die Burgundersorten.
Zahlreiche Auszeichnungen
Für das Geschäftsjahr, das beim Winzerkeller traditionsgemäß vom 1. Juli bis zum 30. Juni dauert, wies das Zahlenwerk Umsatzerlöse in Höhe von knapp 11,9 Millionen Euro und eine Bilanzsumme von mehr als 15,8 Millionen Euro aus. In seinem Lagebericht verwies Geschäftsführer Jonas Lorscheid auf die im Vergleich zum Vorjahr gesunkene Traubenmenge hin – von 6,5 Millionen Kilogramm auf 5,8 Millionen Kilogramm.
Von den bewirtschafteten Flächen hat der Gutedel mit 203,2 Hektar nach wie vor den größten Anteil, gefolgt vom Spätburgunder (105,3 Hektar), Weißburgunder (59 Hektar) und Grauburgunder ( 47,5 Hektar). Dahinter folgen Müller-Thurgau, Chardonnay, Sauvignon Blanc und weitere Rebsorten.
Es wird weniger Wein getrunken
Lorscheid verwies auf zahlreiche Auszeichnungen, die die Auggener Weine abgeräumt haben – darunter drei Gold- und fünf Silbermedaillen bei der AWC Vienna, weitere Preise bei der Berlin Wine Trophy und der Frankfurt International Trophy, bei Gault & Millau wie auch Falstaff.
Besonders gefreut hat den Geschäftsführer, dass der „No.5 Grauburgunder“ weiterhin der Stammwein in der Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg geführt werde.
Unerfreulicher fiel allerdings der Blick auf die Marktentwicklung der deutschen Weine im Vergleich zu den ausländischen Produkten aus. „Wir erleben einen deutlichen Rückgang, weil immer weniger Wein getrunken wird und dabei aber öfters wieder zu ausländischen Produkten gegriffen wird“, sagte Lorscheid weiter.
Umsatz und Absatz im Handel gehen zurück
Entsprechend gingen Umsatz und Absatz im Bereich Lebensmittelhandel und im Fachhandel zurück, zuletzt mit deutlich zweistelligen Einbrüchen. Behauptet haben sich Absatz und Umsatz beim Endverbraucher, zweistellige Zugewinne erzielte man beim Großhandel, weitgehend stabil blieben laut Lorscheid Umsatz und Absatz im Gastronomiegewerbe. Im Oktober entwickelte sich im Vergleich zum Vorjahr der Absatz beim Export mit 33 Prozent positiv, der Umsatz selbst fiel mit acht Prozent aber deutlich niedriger aus.
Variante in Getränkebüchse
Zufrieden zeigte sich der Geschäftsführer mit der Entwicklung des hauseigenen Onlineshops, den er als „ganz passabel“ bezeichnete. Der durchschnittliche Warenkorb hatte einen Wert von 97,41 Euro, die Anzahl der Bestellungen stieg um 67 Prozent. Spitzenreiter war laut der Statistik Lorbachs der 2024er Gutedel trocken aus der Lage „Auggener Schäf“.
Weil das neue Produkt „Wein & Tonic“ eine „kleine Erfolgsgeschichte geschrieben“ habe, wolle man mit einer Variante in einer Getränkebüchse neue, vor allen Dingen jüngere Käuferschichten erschließen, kündigte Lorscheid an. Diese Hoffnung bestätigte auch Martin Schweizer, Geschäftsführer von Weinland Baden: „Mit der neuen Verpackung können wir Impulse setzen.“
Aus dem Vorstand verabschiedet wurde Martin Behringer, der 13 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender war und zuvor bereits 13 Jahre dem Aufsichtsrat angehörte. Er wurde mit der silbernen Ehrennadel des Genossenschaftsverbands, die Verbandsprüfer Karl Becker überreichte, ausgezeichnet.