Der Frost im April bescherte der Winzergenossenschaft Münchweier-Wallburg-Schmieheim das schlechteste Ernteergebnis seit ihrer Gründung. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Bei den Hauptversammlungen der Winzergenossenschaft Münchweier-Wallburg-Schmieheim und deren Vertriebsgenossenschaft herrschte nicht nur Freude. Zwar können sich die Vertriebszahlen 2024 sehen lassen, doch die Ausbeute war alles andere als gut.

Winzergenossenschaft-Vorstand Klaus Rösch nahm kein Blatt vor den Mund. Man habe voriges Jahr bei 78,2 Hektar Rebflächen mit knapp 287 000 Kilogramm die geringste Traubenanlieferung seit Gründung der WG 1971 zu beklagen gehabt. Vor zwei Jahren waren es noch knapp 816 000 Kilo gewesen, früher sogar mehr als eine Million Kilogramm.

 

April-Nachtfröste sorgen für große Schäden: Der Ertrag pro Hektar hatte sich 2024 um nahezu zwei Drittel von 106 auf nur noch 37 Kilo Trauben pro Ar reduziert. Der Grund: Starke April-Nachtfröste hatten für bis zu 100 Prozent Schäden gesorgt, nochmals verstärkt durch anschließende nasse Mai-Witterung. Trotz um des von 23 auf 80 Cent pro Kilo heraufgesetztem Traubengeld bei der Abnahme sank dessen Durchschnittsauszahlung pro Hektar von rund 6080 rapide auf 2970 Euro. Viele frostgeschädigte Winzer waren erst gar nicht mehr zur Lese der Reste ausgerückt, weil die erwarteten Erntekosten höher gewesen wären als das zu erwartende Traubengeld.

Winzer bauen den „Premiumbereich“ aus: Wie Rösch weiter berichtete, wird ein Großteil der WG-Rebflächen inzwischen im Premiumbereich ausgebaut, nämlich per „Jungwinzerprojekt“ (Lidl) oder der „Edition Fritz Keller“ (Aldi). Ab Juni soll mit den WG-Winzern – 35 aktive sind es noch unter den knapp 100 Mitgliedern – festgelegt werden, mit welchen Sorten künftig neue Sonderausbauten stattfinden sollen, entsprechend zusätzlicher Kilovergütung per „Lesezuschuss“. Rösch betont dazu: „Ein Superwein braucht mehr als nur Öchsle!“ Der WG-Medaillenregen früherer Jahre habe mit dem eingeführten eigenen Auslesesystem zu tun, samt vernünftigem Rebschnitt, Grünlese und längerer Reifezeit. Auch damit hoffe man, das Einkommen der noch verbliebenen eigenen Winzer auf die Dauer erhöhen zu können.

Wetterextreme machen den Winzern zu schaffen

16 000 Euro mussten aus den Rücklagen entnommen werden: Zum Ausgleich einer Unterdeckung mussten zum Bilanzausgleich 16 000 Euro aus den WG-Rücklagen entnommen werden, wie Vorstandsmitglied Leo Enderle in seinem Finanz-Jahresabschlussbericht erläuterte. Hingegen wurde in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung doch noch ein bescheidener Reingewinn von 472 Euro erwirtschaftet. Münchweiers Ortsvorsteherin Charlotte Götz bedankte sich bei dieser Gelegenheit nicht zuletzt auch dafür, den WG-Gebäude-Komplex samt Freiflächen am Dorfrand immer wieder für örtliche Vereins- und andere Feste nutzen zu können. Der Aufsichtsrat mit Chef Bernd Wangler hatte in seiner Kontrollfunktion an der Vorstandstätigkeit (dem neben Rösch und Enderle auch Heidi Ernst angehören) samt den vorliegenden Kassenzahlen nichts auszusetzen. Wetterextreme nähmen immer mehr zu, stellte Wangler fest: „Es gibt fast keine normalen Jahre mehr!“ Mit Sicherheit werde es dadurch einen weiteren Anbau-Flächenschwund geben, prognostizierte er.

2024 wurden knapp 34 000 Weinflaschen verkauft: Direkt vor der eigentlichen WG-Sitzung hatte gewohnt auch die „Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft Münchweier-Wallburg-Schmieheim“ – separat gegründet für den Weinverkauf – formal ihre eigene Generalversammlung. Heidi Ernst berichtete von erfreulichen Umsatzzahlen, die nun 2024 erneut übertroffen worden seien – nämlich mit umgesetzten rund 261 000 Euro bei akkurat 33 726 verkauften Weinflaschen. Knapp 155 600 Euro davon wurden im eigenen Weinhof samt dortigem Postbetrieb umgesetzt, knapp 32 400 Euro in der eigenen Winzerhaus-Weinprobierstube. Der Rest wurde maßgeblich über diverse teils auswärtige Veranstaltungen wie Jungweinprobe, Winzerhock, Weinmesse, Kaiserbergtour, Martiniabend oder Weihnachtsmarkt vertrieben. Auch diesbezüglich berichtete Leo Enderle von einer ausgeglichenen Bilanz im Bereich von rund 80 000 Euro auf beiden Seiten und einem trotz enorm gestiegener Stromkosten doch noch 536 Euro starken Jahresüberschuss.

Öchsle sorgen für Diskussionen

Öchsle-Regelung sorgt für Kritik am badischen Winzerkeller: Frank Wachenheim als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens vom Badischen Winzerkeller (BWK) hatte es nicht einfach. Schon während der Berichte hatte er deutliche Kritik am BWK vernommen, insbesondere zu dessen Neuregelung, abgelieferte Traubenmoste je nach ihren Öchslegraden (Zuckergehalt) in einem „Korridor“ mit empfindlichen Aufschlägen oder Abzügen zu vergüten. Dass da bei einem einzigen verfehlten Öchslegrad gleich bis zu 20 Prozent abgezogen worden seien, empfanden empörte Winzer als „pure Abstrafung“. Wachenheim argumentierte: Der Kellermeister gebe halt die Öchsle so vor, wie es der Weinmarkt wolle. Man käme man als Kellerei-Wirtschaftsunternehmen nicht weiter, „wenn man auf jeden Rücksicht nehmen will“. Man habe aber schon darüber nachgedacht, die Öchsle-Regelung nicht mehr so knallhart durchzuziehen. Dass die fortschreitende Auflösung von Winzergenossenschaften ebenfalls Probleme beim BWK bereitete, weil manche Winzer noch immer anteilspekulative Mitglieder seien, obwohl sie schon seit 20 Jahren keine Trauben mehr abliefern, wollte Wachenheim nicht bestreiten. Da habe man, wie auch viele WGs, tatsächlich bislang versäumt, rechtzeitig Krisenrücklagen zu bilden. Nun sei man dran, mit einer Auffanggenossenschaft von „Sommerwinzern“ und einem weiter in Diskussion befindlichen „Geschäftsmodell BWK 2.0“ gegenzusteuern.

Angebaute Sorten

Aktuell beträgt der Anteil sämtlicher Burgundersorten bei der Winzergenossenschaft Münchweier-Wallburg-Schmieheim knapp 68,9 Prozent der Gesamterntefläche, auf den Müller-Thurgau entfallen 23,7 Prozent, für restliche Sorten wie Riesling, Gewürztraminer und Auxerrois bleiben noch rund 7,5 Prozent.