Für 2025 wünschen sich die Winzer eine stressfreie und gute Weinlese, um den großen Ausfall aus 2024 etwas ausgleichen zu können. Das vergangene Jahr kostete das Doppelte an Arbeit, brachte aber so wenig Einkünfte wie noch nie in der Geschichte der Friesenheimer Winzergenossenschaft.
Das Weinjahr 2024 war ernüchternd: Viel zu viel Regen, Frostschäden und die veränderten Klimabedingungen führten zu einem Verlust von 50 Prozent im Weinberg. 2024 wurden 960 000 Kilo Trauben eingefahren. In einem herkömmlichen Jahr verzeichnen die Winzern eine Erntemenge von knapp zwei Millionen Kilo. Knapp die Hälfte der erwarteten Menge wurde abgeliefert und das Doppelte an Einsatz und Arbeitskraft war im Weinberg gefordert. Glücklich waren jene Winzer, die noch die ein oder andere Menge retten konnte. „Es war der größte Frostschaden, den die WG Friesenheim seit Bestehen zu verschmerzen hatte“, so der Vorsitzende Richard Kopf. An einigen Rebanlagen kam es gar zu 90 bis 100 Prozent Ausfällen. Noch nie mussten die Winzer so intensiv Pflanzenschutz betreiben und noch nie hatten sie nach solch einem Ernteschaden so wenig Einkünfte in der Tasche.
Zurückzuführen seien diese hohen Schäden in der Hauptsache auf die allgemeine Klimaveränderung, so Kopf. Minustemperaturen haben am 23. April zum Schadensaufkommen geführt. Tiefe Lagen und jene mit einer gewissen Taubildung waren am stärksten betroffen, schilderte Kopf. Bis im Jahr 2017 waren Frostschäden eher unbekannt in Friesenheim. „Noch nie hatten wir so wenig geerntet und noch nie so wenig Einnahmen“, fasst Kopf das Jahr 2024 zusammen.
Mittels Pflanzenschutz versuchten Winzer zu retten, was ging
Anfang Mai 2024 trieben an den Frost geschädigten Reben die so genannten Beiaugen oder Geiztriebe wieder aus. Die Triebe bescherten jedoch nicht den erhofften Traubenansatz, sie sicherten lediglich das Überleben des Rebstocks. „Für den Winzer bedeutete dies eine enorme Mehrarbeit“, so Kopf. Viele neue Triebe kamen nach und verdichteten die Laubwand. Bereits Mitte Mai war vom ersten Peronosperabefall die Rede. Bedingt durch das feuchte Wetter hatte der falsche Mehltau die Winzer fest im Griff. Mittels Pflanzenschutz versuchten die Winzer zu retten, was ging. 200 Liter pro Quadratmeter im Zeitfenster vom 15. bis 31. Mai war eindeutig zu viel des Guten.
Nach der Blüte zeigten viele frostgeschädigten Reben starke Verrieselungen, so Kopf. Den Pilzbefall dokumentierten die Winzer in den Rebanlagen sehr unterschiedlich. Er reichte von ein paar Flecken bis zu einem totalen Ausfall, so Kopf. Frost, Regen und falscher Mehltau führten zum schlechtesten Weinjahr der WG überhaupt. „Mengenmäßig gab es weniger, als alle sich erhofft hatten“, erklärt Kopf.
Wein hat gute Qualität
Lediglich der Kellermeister zeigte sich zufrieden. „Die Lese 2024 bescherte uns leichte, fruchtige Weine, da der Regen viele Mineralstoffe in den Trauben einlagerte“, resümierte Kopf und betonte: „Unser Kellermeister Herbert Agradetti ist begeistert von diesem Wein.“ Damit erweise sich der Friesenheimer Wein zumindest in guter Qualität. Aber nicht nur er: Neben den Weinen bieten die Winzer auch ihre Spezialität den Weißburgunder-Sekt an, der sich größter Beliebtheit erfreut und wieder neu zum Verkauf steht.
Bürgermeister Erik Weide dankte den Winzern für ihr Wirken im Weinberg und ihre Beteiligung an den Festen wie Nova und Bürgerfest. Im Anschluss an die Sitzung referierte Max Siebachmeyer zum Thema Pflanzenschutz und brachte die Winzer auf den aktuellen Stand.
WG in Zahlen
Die WG Friesenheim zählt 90 Winzer. Aktuell bewirtschaften 50 aktive Winzer knapp 140 Hektar Reben. Im Gründungsjahr der WG Friesenheim von 1971 gehörten der WG noch 192 Mitglieder an. Von den 140 Hektar Rebfläche bewirtschaften allein sechs Großwinzer 115 Hektar. Von 1971 bis 1998 lieferte die WG Friesenheim ihr Traubengut an den Badischen Winzerkeller. Seit 1998 stehen die Winzer unter Vertrag mit der Ortenauer Weinkellerei (OWK) und zählen zur größten WG, die die OWK beliefert