Gerhard Fassnacht (Mitte) mit den beiden Geehrten Reinhold Wehle (links) und Friedrich Hirschfeld Foto: Monika Schwarz

Kritische Töne dominierten die Winterversammlung des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz in Glatten.

Gerhard Fassnacht, Vorsitzender des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz, zeigte sich nach der Winterversammlung im Waldhorn in Glatten äußerst zufrieden. Ein Grund dafür könnte der Besuch des neuen Landrats, Andreas Junt, gewesen sein. Und die Aussicht, ihm wichtige Anliegen auch mitzugeben.

 

Horbs neuer OB und Nebenerwerbslandwirt, Michael Keßler, bisher in leitender Position beim Landwirtschaftsamt Horb tätig, war ebenfalls anwesend. Für ihn wird im Vorstand des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) aktuell ein Nachfolger gesucht.

„Uns freut, dass wir mit ihm Fachwissen und Pragmatismus in die Verwaltung hineinbekommen haben und Herr Junt, das traue ich auch ihnen zu“, begrüßte Fassnacht beide. Dabei machte er kein Geheimnis daraus, dass der Bauernverband „nicht immer und jeden Tag“ mit der Arbeit des LEV zufrieden ist.

Kritik an Gülleverordnung wird laut

Junt seien besonders pragmatische Lösungen wichtig – auch wenn die aufgrund der vorgegebenen Gesetze und Verordnungen innerhalb bestimmter Leitplanken stattfinden müssten. „Der Landrat ist nicht der Alleinherrscher.“

Bedauerlich ist aus Junts Sicht, dass der Naturschutz und die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren immer weiter auseinandergedriftet sind. Ihm sei an einem Miteinander und guten Lösungen für beide Seiten gelegen.

In der anschließenden Diskussion wurde zunächst vor allem Kritik an der Umsetzung der Gülleverordnung, besonders im Landkreis Freudenstadt, laut. Die gehe an der Praxis vorbei, so der Tenor.

Landwirte würden nicht gegen die Natur arbeiten

Auch die Kosten für die Bescheide seien zu hoch. Das Landwirtschaftsamt in Horb sei in manchen Dingen „spitziger“ unterwegs als die Ämter andernorts, befand Fassnacht.

Außerdem müsse den Menschen wieder stärker bewusst werden, dass Landwirte mit und nicht gegen die Natur arbeiteten, brachte Martin Marohn aus 24-Höfe in die Diskussion ein.

Gegen den Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen würden auch Gesetze zur Wiederherstellung der Natur nichts helfen. Marohn kritisierte auch die zunehmende Verteufelung der Viehhaltung, die man zum Überleben aber brauche.

Michael Keßler erwähnte die überbordende Bürokratie. Viele Vorgaben kämen vom Land, weshalb sich die Kritik auch daran richten sollte.

Kritische Töne gab es auch gegen die Ausrichtung des LEV, der nach Auffassung der Landwirte zu naturschutzlastig und zu wenig praxisbezogen agiere. Die Landwirte wünschten sich dort mehr Personal und Entscheidungsträger mit Praxisbezug aus den eigenen Reihen.

OB Keßler nimmt LEV in Schutz

Der Verband sei angehalten, Landesprogramme umzusetzen, erklärte Keßler. „Was der LEV umsetzt ist nicht auf seiner Miste gewachsen, sondern von der Landespolitik vorgegeben“, stellte Keßler klar.

Über die Notwendigkeit des Konstruktes könne man aber diskutieren. Das Format, Landwirtschaft und Naturschutz zusammen zu bringen, sei grundsätzlich nicht verkehrt.

Abschließend lud Fassnacht Keßler und Junt zu einer Felderrundfahrt mit Abschluss auf einem Bauernhof ein. Die angesprochenen Themen würden dann klarer vor Augen geführt. Fassnacht informierte auch über die neue Beitragsordnung des Landesbauernverbandes und die damit einher gehende Erhöhung Beitrage. Gestiegene Kosten und Flächenbeiträge seien dafür verantwortlich.

Ehrungen für langjähriges Engagement

Zum Abschluss des Abends wurden wurden Reinhold Wehle aus Göttelfingen (25 Jahre) und Friedrich Hirschfeld aus Edelweiler (30 Jahre) für ihr langjähriges Engagement als Ortsobmänner im Verband geehrt.