Emma Weiß freut sich auf die Olympischen Spiele in Italien. Foto: Privat

Seit Dienstag ist es offiziell: Emma Weiß aus Albstadt gehört zu den 183 Athleten, die bei den Olympischen Winterspielen in Mailand-Cortina die deutschen Farben vertreten werden.

Die 25-jährige Ski-Akrobatin stand im Interview vor der Olympia-Einkleidung in München Rede und Antwort.

 

Hallo Frau Weiß, welchen Schub für Ihr Selbstvertrauen hat Ihnen der jüngste Aerials-Wettkampf in Kanada gegeben?

Emma Weiß: Es war auf jeden Fall sehr super, dass ich in Kanada den Sprung aufs Podium geschafft habe. Dass mir das in der olympischen Saison gelingt und das mit einem neuen Sprung, das war für mich schon sehr besonders. Die Schanze in Kanada liegt mir. Nur das Aufstehen um 5 Uhr morgens liegt mir nicht so. Das ist insgesamt nicht so meine Zeit (lacht).

Wie sind Sie insgesamt mit Ihrer Form in diesem Winter zufrieden, was lief besonders gut?

Ich bin mit meiner Form sehr zufrieden Wir arbeiten jetzt im Trainingscamp in Airolo weiter am Double-Full-Tuck und vielleicht auch am Double-Full-Full. Den ganzen Sommer über habe ich mit meinem Vater trainiert. Das beginnt, jetzt Früchte zu tragen.

Der erneute Traum von Olympia wird wahr. Was bedeutet die Teilnahme? Voraussichtlich sind Sie die einzige Teilnehmerin aus dem Zollernalbkreis.

Die Teilnahme bedeutet mir sehr viel. Es ist meine zweite Teilnahme, mein Papa war ja auch bei den Spielen. Irgendwie möchte ich da eine Familientradition fortführen, und das ist schön. Ich bin ja auch sehr gläubig und bin gespannt, wo Gott mich nach den Spielen hinführen wird. Ich bin der Heimat sehr verbunden. In frühen Jahren war ich viel unterwegs, und so schätze ich es immer wieder nach Hause zu kommen.

Bei Olympia der Hit

Ihre Sportart ist vielen recht unbekannt. Was macht Aerials aus, und wie und wo und mit welchen Trainern trainieren Sie?

Ich bin die einzige Deutsche, die den Sport macht seit vielen Jahren. International ist Aerials überhaupt nicht unbekannt, sondern im Gegenteil sehr beliebt. Bei den Olympischen Spielen ist es eine der beliebtesten Sportarten. Bei der Ski-Akrobatik muss man eine Liebe zum Detail haben. Aus Zuschauersicht ist es eine sehr ästhetische Sportart. Das Training spielt sich nur zu geringen Teilen tatsächlich an der Schanze ab. In diesem Jahr war ich mit dem tschechischen Team unterwegs. Bei den Spielen unterstützt mich nun mein Papa Armin.

Wie wichtig ist für Sie die familiäre Unterstützung? Was muss man in Ihrer Sportart alles investieren, um erfolgreich zu sein?

Elementar. Ohne die familiäre Unterstützung wäre ich gar nirgends, ich wäre ja nicht mal in den Sport gekommen. Ich finanziere mich komplett selber. Das ist alles manchmal ein bisschen herausfordernd. Um erfolgreich zu sein, muss ich alles investieren. So ist es im Leistungssport, es ist eine andere Art von Leben. Natürlich bleibt da auch mal was auf der Strecke. Ich wäre so was von einer anderen Person ohne den Sport. Ich bin total dankbar, dass ich den Sport machen darf, meine Familie es mir ermöglicht hat. Anfangs wusste ich ja auch nicht, dass ich irgendwann im Weltcup und bei Olympia landen werde.

Ein Licht für die Zuschauer

Nochmals zurück zum Thema Selbstvertrauen. Was motiviert Sie, mit welchen Erwartungen fahren Sie dann als Mitglied des deutschen Teams zu Olympia?

Gott motiviert mich. Er gibt mir die Kraft, die ich brauche. Nur so kann ich auch in jedem Training Vollgas geben und hundert Prozent da sein. Olympia ist eine Bühne, ich will ein Licht sein für die Zuschauer und die anderen Athleten. Durch mich soll seine Güte und Gnade schimmern. Das fasst es ganz gut zusammen.

„Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht“

Wie ist der zeitliche Ablauf bis zu Olympia?

Ich bin noch ein paar Tage daheim und habe Medientermine ohne Ende. Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht, es ist aber auch cool. Am Sonntag fahre ich nach Airolo und habe dort zwei Wochen Trainingslager vor mir. Am 6. Februar ist die Eröffnungszeremonie im San Siro Stadion in Mailand eingeplant. Am 11. Februar fahre ich dann nach Livigno, wo es am 14. Februar los geht und dann geht alles ganz schnell.

Haben Sie manchmal Angst bei den Sprüngen? Was ist für Sie der perfekte Sprung?

Ja, ich versuche es aber nicht bei der Angst zu lassen, sondern versuche, es in Respekt umzuwandeln. Dann kann man der Herausforderung entgegentreten. Es ist in unserem Sport ganz normal, dass auch mal das Herzchen schlägt, man ist zwischen zwölf bis 15 Metern in der Luft. Es gibt nicht wirklich irgendwelche Vorübungen. Es ist ein Risiko. Das Training ist darauf ausgerichtet, diesem Risiko entgegenstehen zu können. Das ist auch die Schönheit des Sports. Beim perfekten Sprung geht es darum, möglichst gestreckt zu sein und möglichst grazil in der Luft auszusehen. Bei der Landung geht es darum, möglichst leicht aufzukommen und möglichst schnell aufzustehen, sodass es aussieht, als wäre man von einem Velo runtergesprungen und nicht aus 14 Metern.