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Wintersport Im Sprint auf Medaillen-Jagd

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Viel vorgenommen haben sich die blinde Läuferin Vivian Hösch und Guide Florian Schillinger für die Heim-WM im Februar. Foto: dbs

Zwei Tage hatte er über die Feiertage Weihnachtsurlaub mit der jungen Familie in seiner Heimatgemeinde Glatten, doch nur kurz kann der Biathlet Florian Schillinger in diesen eigentlich ruhigen Tagen richtig durchatmen. Große Ziele gilt es für den 31-Jährigen in naher Zukunft zu realisieren.

Vor Jahren galt der seit zwölf Jahren in Freiburg lebende Florian Schillinger zunächst als eines der großen deutschen Talente in der mittlerweile zu einer Vorzeige-Sportart gewordenen Nordischen Kombination. 2002 wurde er mit gerade einmal 17 Jahren in Schonach Mannschafts-Goldmedaillengewinner bei der Junioren-Weltmeisterschaft; holte zwei Jahre später in Stryn Team-Silber und 2005 in Rovaniemi nochmals den WM-Titel mit der Mannschaft und Silber im Einzel-Sprint.

Sprung in Weltcup-Team nicht gelungen

Die Erfolgen im Juniorenbereich ließen auf eine große Karriere auf der ganz großen Bühne bis hin zu Olympischen Spielen hoffen, doch nach dem Wechsel zu den Aktiven blieb der erhoffte Sprung in das Weltcup-Team von Bundestrainer Hermann Weinbuch aus. Über gelegentliche Einsätze kam der vor allem im Springen starke Glattener nicht hinaus, auch wenn er sich mehrfach in den Punkterängen platzieren konnte. Nicht entscheidend verbessern konnte er seine Schwäche im Langlauf, so dass er schließlich nur noch ohne Kaderzugehörigkeit unterwegs war und nach der Saison 2007/ 2008 aus der Kombinierer-Szene ausstieg.

Damit verlor er zugleich seine Stelle bei der Bundeswehr in der Sportförderkompanie Todtnau-Fahl; die weitere sportliche Zukunft neben einigen Einsätzen als Vorspringer bei den Spezialisten war damit unklar. "Auf einer Party", so erinnert sich Florian Schillinger, sei er dann in dieser Zeit von dem ihm aus dem Skiinternat Furtwangen bekannten Norman Schlee auf ein mögliches neues sportliches Betätigungsfeld angesprochen worden: als Begleitläufer im deutschen nordischen Para-Skiteam. "Das hat gepasst, denn der Bundestrainer Ralf Rombach war früher schon mein Landestrainer bei den Kombinierern", erinnert sich der Nordschwarzwälder an die Anfänge im Behindertensport, bei denen er auch als Techniker zum Einsatz kam. Die erste große Bewährungsprobe bei der Präparation der Ski für die besten deutschen nordischen Behinderten-Skiläufer sollte bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi folgen. Und sie sollten auch eine weitere Wende bringen. War er zuvor hauptsächlich beim Heimtraining von Athleten in Freiburg, wie dem früheren mehrfachen Weltmeister und Paralympicsieger Willi Brem, als Begleitläufer nur eingesprungen, konzentrierte er sich ab diesem Zeitpunkt nach Abschluss seines Masterstudiengangs der Sportwissenschaft ganz auf diese Aufgabe.

Dabei kam ihm gelegen, dass die 2011 eingeführte, und für einen Begleitläufer aus dem Bereich des Behindertensports reservierte Bundeswehrstelle in Todtnau-Fahl nach dem Karriereende von Norman Schlee frei wurde. "Ich wusste beruflich nicht ganz genau, wie es mit mir weiter geht; da war das für mich eine gute Alternative", so Florian Schillinger, der damit wieder zum Sportsoldaten wurde. Mit besten Voraussetzungen zum Training mit seiner blinden Läuferin Vivian Hösch, die er seitdem bei der Vorbereitung und in allen Wettkämpfen begleitet.

Acht bis zehn Einheiten sind das wöchentliche Pensum des Duos, wobei Vivian Hösch als Angestellte der Stadt Freiburg vor allem seit diesem Jahr durch erweitere Freistellungen ebenfalls eine großzügige Unterstützung genießt. Wichtig ist für beide auch der Olympiastützpunkt Freiburg mit seinen Einrichtungen. Dabei ist vor allem das seit eineinhalb Jahren zur Verfügung stehende Ski-Laufband für das Techniktrainin von sehbehinderten oder blinden Läufern beinahe unersetzlich, so Schillinger, der deshalb auf eine weitere Förderung des Stützpunkts im neuen Leistungssportkonzept des Deutschen Olympischen Sportbundes hofft.

Wichtige Anbindung an Olympiastützpunkt

Obwohl in den vergagenen Jahren die jeweilige Saisonvorbereitung auf den Winter verletzungs- und krankheitsbedingt nicht störungsfrei verlaufen ist, sind die ersten Erfolge des Duos Hösch/Schillinger nicht ausgeblieben. Bei der Weltmeisterschaft 2015 in Cable (USA) überraschten beide mit der Bronze-Medaille im Biathlon-Sprint; "unserer besten Disziplin", so der mittlerweile schon erfahrene Guide. Die Messlatte liegt also hoch, wenn vom 11. bis 20. Februar in Finsterau (Bayrischer Wald) zum ersten Mal nach den Titelkämpfen 2003 in Mitteltal-Obertal die Weltmeisterschaften Ski nordisch wieder in Deutschland ausgetragen werden. "Ein Platz auf dem Siegerpodest soll es schon sein", so der 31-Jährige, und das gelte auch für die nachfolgenden Winter-Paralympics 2018 in Pyeongchang.

Noch sucht das Duo Hösch/Schillinger im WM-Winter seine Topform, was zwei fünfte Plätze bei den ersten Weltcup-Rennen im Tiefkühlschrank von Vuokatti bei Temperaturen um die minus 15 Grad unterstrichen. "Die Vorbereitung ist in diesem Jahr reibungslos verlaufen und unser Formaufbau ganz auf die WM ausgerichtet", so Florian Schillinger hoffnungsvoll. Deshalb wird es auch nur eine ganz kurze Trainingspause um Weihnachten geben, steht am 8. und 9. Januar am Notschrei doch schon die deutsche Meisterschaft auf dem Programm. Allerdings ist derzeit wegen der schlechten Schneesituation das erhoffte "Heimspiel für die beiden Freiburger noch mit einem Fragezeichen versehen. Keine Probleme sollte es anschließend mit der Durchführung der erstmals im Western Centre nahe Lwiw (Ukraine) ausgetragenen Rennen bei der zweiten Weltcup-Station 2016/17 geben. Eventuell wird das deutsche Team um Ralf Rombach diese Wettkämpfe eher als WM-Vorbereitung betrachten, denn aus finanziellen Gründen ist noch unklar, ob ein eigener WM-Lehrgang angesetzt werden kann. Gespart muss dabei auch wegen der Teilnahme an den mit großen Kosten verbundenen Pre-Paralympics in Südkorea und anschließenden Weltcup-Rennen in Japan im März werden; "aber dort sollten wir schon dabei sein", so Florian Schillinger.

Nicht im Weltcup antreten können dagegen die nach ihrem Ausschluss von den Sommer-Paralympics in Rio auch im Winter vom Internationalen paralympischen Komitee noch gesperrten russischen Skilangläufer und -läuferinnen. Der Dopingskandal von Sotschi, in den nach dem McLaren-Report auch viele Behindertensportler verwickelt sein sollen, "ist bei uns in der Mannschaft natürlich ein Thema und gibt uns schwer zu denken", so Florian Schillinger. Dass die seit Jahren den Skilanglauf dominierenden Russen derzeit fehlen, sei zum einen sportlich bedauerlich, "denn es fehlt uns derzeit der Maßstab, an dem wir uns alle messen können."

Russische Mannschaft weiter suspendiert

Betroffen dürfte auch die WM in Finsterau sein, vermutet der Glattener, denn nach derzeitigem Stand seien die Russen auch für diese Titelkämpfe suspendiert, mit den entsprechenden organisatorischen Auswirkungen auf den Veranstalter ("da fallen viele Hotelbuchungen weg") und sportlichen Folgen für die nicht mehr ganz so hochkarätig besetzten Wettkämpfe. Die Frage stehe auch im Raum, was im Hinblick auf die Paralympics 2018 in Pyeongchang passieren werde.

Generell aber steht Florian Schillinger hinter dem Vorgehen des IPC: "Auch wenn ich gegen einen Generalverdacht gegenüber allen Athleten bin und an das Gute im Menschen glaube, ist der Schritt der Richtige, wenn tatsächlich und nachweislich systematisch betrogen worden ist".

 
 

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