Die besten Kombiniererinnen und Kombinierer der Welt machen in Schonach vom 26. bis 28. Januar 2024 Station. Doch sonst machen die Weltcups im kommenden Winter einen Bogen um den Schwarzwald. Foto: Eibner/Bürke

Wenn der Skiverband Schwarzwald am Samstag, 14. Oktober (13 Uhr), in Gutach zur Mitgliederversammlung bittet, dann geht es unter anderem darum, den SVS trotz Herausforderungen wie Nachwuchsmangel, Kostenexplosionen, Schneearmut oder dem „Bürokratie-Monster“ PotAS, so der sich wieder zur Wahl stellende Präsident Manfred Kuner, fit für die Zukunft zu machen.

Es tut sich was im Schwarzwald. Nicht nur die Erweiterung des Sportinternats in Freiburg ist nun vollzogen, sondern auch der Ausbau der Biathlon-Anlage auf dem Notschrei ist fix. Die Trainingsprobleme im Schanzenzentrum in Hinterzarten sollen zudem bald der Vergangenheit angehören. „Dort wäre es natürlich ein Glücksfall für uns, wenn der im Bau befindliche Windkanal bald betriebsbereit wäre“, verweist Manfred Kuner auf die Skisporthalle im thüringischen Oberhof. „Das ist einfach ein enormer Vorteil für eine Wintersportregion.“ Wir sprachen mit dem Triberger.

 

Herr Kuner, bevor Sie sich in Gutach wieder zur Wahl stellen, wird es einen Expertentalk zum Thema „Welche Zukunft haben Wintersportvereine?“ geben. Wie steht es um unsere Clubs im Schwarzwald?

Grundsätzlich – trotz großer Herausforderungen – gar nicht schlecht. Wir haben es geschafft, den coronabedingten Mitgliederrückgang zu stoppen, haben wieder den Vor-Corona-Stand erreicht. Das ist sehr erfreulich. Dies können nicht alle Landesskiverbände von sich behaupten. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Wie wurde dies geschafft?

Wir haben schon vor gut drei Jahren damit begonnen, aktiv auf die Vereine zuzugehen. Wir haben gefragt, wo besonders der Schuh drückt. Deshalb hatten wir auch zu mehreren Zukunftswerkstatt-Veranstaltungen eingeladen. Ein Hauptproblem sind natürlich die klimatischen Veränderungen.

Europäische Klimamodelle zeigen, dass wir in den Mittelgebirgen mittelfristig noch seltener schneereiche Winter haben werden. Aber es wird auch Winter geben, in denen es anders ist. Aktuell gehen die Wetterexperten zum Beispiel im kommenden Winter von 90 Schneetagen am Feldberg aus. Dies lässt hoffen. Tendenziell müssen wir uns aber auf zumindest schneeärmere Winter einstellen.

Welche Baustellen gibt es noch?

Da ist zu einem die Kostenexplosion in Sachen Personal zu nennen. Bundes- und Landestrainer – wie auch die hauptamtlichen Mitarbeiter – werden in Anlehnung an den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst entlohnt. Somit sind vor allem die nach dem letzten Tarifabschluss sehr stark gestiegenen Personalkosten zu stemmen. Außerdem wird es immer schwieriger, überhaupt noch geeignete Trainer und Trainerinnen zu finden. Aber die brauchen wir.

Auch in Sachen Weltcups stottert der Schwarzwald-Motor in diesem Winter. Nur in Schonach geht es Ende Januar für die Kombinierer und Kombiniererinnen um Punkte.

Ja, dafür liegt der Termin sehr günstig. Der Schwarzwald-Pokal wird ein echtes Highlight. In Sachen Skisprung ist eigentlich klar, dass Titisee-Neustadt im Zusammenspiel mit Klingenthal nur alle zwei Jahre auf einen Weltcup hoffen kann. Die Kommerzialisierung der Fis (Weltskiverband, Anm. d. Red.) verhindert mehr Termine in Deutschland – vor allem in Baden-Württemberg. Und in Sachen Snowboard- und Skicross ist am Feldberg ohne einen neuen Hauptsponsor derzeit nichts Neues in Sachen Weltcup absehbar. Dass es in diesem Jahr keinen Sommer-GP in Hinterzarten im Skispringen gab, lag auch an finanziellen Dingen.

In Sachen Aushängeschilder sieht es besser aus: Benedikt Doll, Roman Rees, Janina Hettich-Walz (alle Biathlon), Olympia-Bronzemedaillengewinnerin Daniela Maier (Skicross), Kombinationsüberfliegerin Nathalie Armbruster oder Snowboardcrosserin Jana Fischer mischen in der Weltspitze mit. Dazu kommen die Kombinationsrecken Fabian Rießle und Manuel Faißt. Aber was ist im Skisprung und im Langlauf los?

Ja, da sind wir derzeit mit Stephan Leyhe nur mit einem Wahl-Schwarzwälder vertreten. Wir hoffen aber, dass Luca Roth und Finn Braun der ganz große Durchbruch bald gelingt. Im Langlauf setzen wir vor allem auf Janosch Brugger und Annika Straub. Allgemein sieht es zudem in Sachen Nachwuchs im Biathlon und im Skisprung gut aus.

Dabei wird es auch darauf ankommen, dass im Schanzenzentrum Hinterzarten der Windkanal noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden kann und der Trainingsbetrieb ganzjährig möglich ist.

Dies soll auf der K-70-Schanze der Fall sein. Dies wäre sehr wichtig für den Skisprung im Schwarzwald. Es geht ja auch um Nachhaltigkeit. Die aktuell mit der Gemeinde und dem Skiclub vereinbarten Regelungen stimmen positiv, insbesondere die beiden Kinder- und Jugendschanzen sind ja für den Ganzjahresbetrieb gerüstet.

Die Zeiten, als Talente für einen Trainingstag nach Polen oder nach Slowenien gefahren sind, sollten der Vergangenheit angehören. Wir müssen hier im Schwarzwald trainieren. Hier gewinnen wir unseren Nachwuchs.

Wobei in der Coronaphase immer weniger Kinder den Weg zum Wintersport fanden.

Auch darum ging es in unseren Vereinsgesprächen. Wenn die Eltern keinen Skisport betreiben, haben die Vereine kaum eine Chance, die Kinder für den Wintersport zu begeistern. Wir müssen noch mehr an die Schulen, noch mehr an die Kindergärten. Dabei setzen wir auch auf das Ganztagesbetreuung-Modell, es gibt ja da künftig einen Rechtsanspruch. Wir wollen, dass in verschiedenen Regionen im Schwarzwald, der Raum Furtwangen/Triberg/Schonach/Schönwald wäre ein Beispiel, Möglichkeiten für den Wintersport geschaffen werden. Im Rahmen der Ganztagesbetreuung sollen künftig also auch Wintersportangebote offeriert werden. Es wird unglaublich wichtig sein, dass wir wieder mehr Kinder zum Schneesport bringen.

SVS-Präsident Manfred Kuner hofft nicht nur auf viel Schnee im Winter. Foto: Marc Eich

Von den Kids zu den Leistungssportlern. Das Potenzialanalysesystem (PotAS) des Deutschen Olympischen Sportbunds wurde zuletzt nicht nur von Ingo Weiss, Präsident der Weltmeister-Basketballer, kritisiert.

Ich kann die Kritik absolut nachvollziehen. PotAS war eine gute Idee, hat sich aber zwischenzeitlich zu einem echten Bürokratiemonster entwickelt. Die Aussagekraft der Potenzialanalysen ist dagegen nur bedingt vorhanden. Letztendlich geht es ja um die Höhe der Fördergelder für Sportarten und Disziplinen. Das Analysesystem gehört zumindest modifiziert. So macht es allerdings keinen Sinn, führt am Ziel, das ich weiter unterstütze, vorbei.

In Gutach stehen auch Wahlen an. Werden Sie sich wieder aufstellen lassen, sind größere personelle Veränderungen vorgesehen?

Ich werde kandidieren. Ich freue mich sehr, dass dies auch bei den meisten meiner Vorstandskollegen der Fall ist. Da ist etwas zusammengewachsen, der Teamspirit ist groß. Neu ist, dass es einen Vize-Präsidenten „Nachhaltigkeit“ geben wird. Dies ist aber in der heutigen Zeit notwendig, für uns ist die Nachhaltigkeit ein sehr wichtiges Thema. Hubert Baur, unser Vizepräsident Alpin, wird sich leider nicht mehr zur Wahl stellen. Wir sind sehr glücklich, dass sich dafür Alpin-Sportwart Rolf Hartmann für diesen Posten zur Verfügung stellt.

Wird auf der Versammlung auch eine Junioren-Weltmeisterschaft im Biathlon auf dem Notschrei ein Thema sein?

Ich kann zunächst berichten, dass wir dort nun kurzfristig vier Millionen Euro in die Ertüchtigung der Anlage investieren dürfen. Es wird danach 30 Schießstände geben, die Strecken werden verbreitert und erweitert. Dies ist übrigens auch für unsere extrem erfolgreichen Para-Biathleten sehr wichtig. Und ja, wir wollen mittelfristig auf dem Notschrei nach der Beendigung der Baumaßnahmen eine Nachwuchs-Weltmeisterschaft und auch IBU-Cup-Rennen veranstalten.