Für Ski-Freestylerin Emma Weiß rückt der Saisonstart immer näher. Aktuell bereitet sie sich in Finnland auf die ersten Wettkämpfe vor. Im neuen Jahr stehen dann sechs Weltcups sowie die WM an. Mit einer neuen Absprungtechnik ist die 24-Jährige bestens gewappnet für die kommenden Herausforderungen.
Alle Jahre wieder: Während unsereins auf der Schwäbischen Alb so langsam zu Schneeschaufel und Streusalz greifen muss, zählt Emma Weiß die Tage bis zu ihrem großen Saisonstart. „Es war ein langer Sommer“, sagt die Ski-Freestylerin.
Zum Teil meint sie das wortwörtlich: Bis Anfang November verbrachte die 24-Jährige ihre Tage mit Coach Enver Ablaiev und ihren ukrainischen Teamkolleginnen in der Schweiz und feilte dort auf einer Wasserschanze an ihren Sprüngen. „Bis November war ich noch nie auf dem Wasser“, verrät die Aerials-Spezialistin aus Albstadt. Bei frischen acht Grad Außentemperatur erkältete sich Tag für Tag, eine nach der anderen, das gesamte Team – „nur mich hat es nicht erwischt“, erzählt Weiß lachend.
Vorbereitung in Finnland
Seit dieser Woche verweilt sie nun in Finnland, genauer gesagt in Ruka. Hier sind die Bedingungen für die letzte Phase der Saisonvorbereitung ideal – zumindest theoretisch. „Wir haben quasi gar keinen Schnee. Die Bedingungen sind also nicht so super“, berichtet Weiß. Dennoch will die 24-Jährige natürlich das beste daraus machen – schließlich steht eine wichtige Saison vor der Tür.
Die erste Wettkampf-Luft wird Emma Weiß Mitte Dezember bei zwei Europacups in Finnland schnuppern. Nach gut einem Monat im hohen Norden geht es dann ab dem 16. Dezember für eine Weile in die Heimat. „Wahrscheinlich gehen wir dann erst im neuen Jahr wieder auf die Schanze – entweder in der Schweiz oder wir fliegen in die USA“, freut sich Weiß auf die kommende Zeit im Kreise der Familie.
Weltcupstart im Januar
Der Startschuss für den Weltcup fällt dann am 18. Januar in Lake Placid im US-Bundesstaat New York. Knapp zwei Monate lang wird Emma Weiß einmal mehr mit den besten ihrer Zunft um Weltcup-Punkte kämpfen. Das Minimalziel ist ein achter oder zwei 15. Plätze – die Qualifizierungsnorm für die Mitte März stattfindenden Weltmeisterschaften in St. Moritz (Schweiz). Insgesamt hofft die Siebte des letztjährigen Gesamtweltcups natürlich auch möglichst viele gute Sprünge und Ergebnisse in Lake Placid, Lac-Beauport (Kanada), Deer Valley (USA), Beidahu (China), Almaty (Kasachstan) und Livigno (Italien).
Bei dem Erreichen dieses Ziels soll der 24-Jährigen unter anderem eine neue Absprungtechnik helfen. „Bislang haben sich meine Hände beim Absprung berührt, das ist jetzt nicht mehr so“, gibt Weiß Einblicke, woran sie über den Sommer gearbeitet hat. Die Umstellung soll ihr dabei helfen, besser in die folgenden Bewegungsabläufe des jeweiligen Sprungs zu kommen. Was sich für einen Laien vielleicht trivial anhört, war und ist für die Albstädterin eine große Herausforderung. „Manche Athletinnen, denen ich davon erzählt habe, meinten, sie könnten das nicht“, so Weiß.
Gegenseitiges Vertrauen
Der Anstoß zu diesem Schritt kam von ihrem Coach. „Enver war der Meinung, dass mein alter Absprung nicht so gut zu mir gepasst hat und wollte etwas Neues ausprobieren“, erinnert sich Weiß. Zunächst war sie skeptisch, „aber ich habe ihm vertraut – und bin sehr zufrieden mit der Entscheidung“, resümiert die 24-Jährige.
Beim letzten Gespräch mit unserer Zeitung sprach Weiß im Sommer von einer „Findungsphase“, in der sie sich mit ihrem neuen Coach befände. „Das ist schon auch weiterhin so“, gibt sie zu. „Ich denke, das ist völlig normal und braucht seine Zeit. Vielleicht ist das für Athletinnen, die alle zwei oder drei Jahre einen Trainerwechsel haben, etwas anderes. Aber ich hatte ja davor nur einen Trainer und ein ziemlich kleines Team. Die Umstellung war schon groß.“ Dennoch kann Emma Weiß nicht genug betonen: „Ich fühle mich sehr wohl und bei Enver gut aufgehoben.“
Einer erfolgreichen Saison für die Olympia-Teilnehmerin von 2022 steht also nichts mehr im Wege. Schritt für Schritt, Sprung für Sprung, Weltcup für Weltcup, wird sie auf das große Saisonziel – das Erreichen des Superfinales bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz – hinarbeiten.