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Wintersport 14-Jährige auf dem Weg nach ganz weit oben

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Auf der Piste fährt Leonie Keller am liebsten um die Slalomstangen. Foto: Privat

Diesen Namen sollten sich Fans des alpinen Wintersports schon einmal vormerken: Leonie Keller. Die 14-Jährige aus Würzbach zählt zu den größten Talenten, die Deutschland zu bieten hat.

Man kann nicht gerade sagen, dass im Oberreichenbacher Ortsteil Würzbach viel geboten ist. Salopp ausgedrückt, ohne jemandem nahetreten zu wollen, gibt es dort nicht sehr viel, nicht einmal Handyempfang. Dort lebt Familie Keller, deren 14-jährige Tochter vielleicht einmal das berühmteste Kind der Gemeinde werden könnte.

Die Gedichtsinterpretation

Es ist nicht gerade das Paradies für eine 14-Jährige im Jahr 2019. Im Haus von Familie Keller gibt es neben Mobilfunknetz nämlich auch keinen Breitbandanschluss. Am besten erreicht man sie über den Festnetzanschluss, wie früher, erzählt Mutter Heike. Sie sitzt gemeinsam mit Leonie am Esstisch. Sie hat "kein Bock" auf Schule, sagt sie. Am nächsten Tag steht eine Deutscharbeit an. Gedichtsinterpretation. Auf den ersten Blick ist sie ein ganz gewöhnlicher Teenager. Ist sie aber nicht. Leonie Keller ist ein Riesentalent im Skisport.

Ständig unterwegs

Dass sie einmal für mehr als ein paar Tage zuhause ist, kommt selten vor. Vor allem im Winter. Da stehen in nahezu in jeder Woche Trainingslehrgänge auf den Skihängen in ganz Europa an. Vor ein paar Tagen hat sie ein Internat für Nachwuchsleistungssportler in Bayern besichtigt, auf das sie gerne gehen würde. Ein paar Tage später hatte sie eine Untersuchung bei einem Facharzt, Leistungscheck. Das klingt schon nicht mehr nach dem Alltag einer gewöhnlichen 14-Jährigen.

Eine erfolgreiche Saison

In der zurückliegenden Saison wurde sie als Mädchen des jüngeren Jahrgangs 2004 Neunte in der DSV-Gesamtwertung der U16 und Dritte in ihrem Jahrgang. In der Gesamtwertung des deutschen Schülercups wird sie auf Rang sieben geführt, Zweitbeste ihres Jahrgangs. Damit gehört Leonie Keller ab sofort zu einem elitären Kreis im Deutschen Skiverband (DSV) und darf an den Zentrallehrgängen teilnehmen, zu denen nur die vier besten Mädchen und Jungen eines Jahrgangs eingeladen werden. Sie ist damit ab sofort auch bei internationalen Rennen dabei, den Weltcups für Schüler sozusagen. Darauf freut sie sich besonders. "Da sind die Besten dabei", sagt sie. Ein Grinsen huscht über ihr Gesicht. Mit denen will sie sich messen, schon immer. Wie der Weg aussehen soll, hat sie sich schon längst ausgemalt.

Lieblingsdisziplin Slalom

In Gedanken sieht sie sich am Start bei den ganz großen Rennen, den Weltcups, den Weltmeisterschaften. Es ist alles andere als der unerreichbare Kindheitstraum eines Mädchens. Wenn sie das sagt, klingt es selbstbewusst und sie weiß es, realistisch einzuschätzen. Ihre Lieblingsdisziplin ist Slalom. "Da bin ich am besten", betont sie stolz. Die Ordner mit Urkunden und Ergebnislisten von Leonie Kellers Erfolgen liegen ausgebreitet auf dem Tisch. Es sind viele und die sind dick. Beim diesjährigen Finale des Deutschen Schülercups fuhr sie auf den dritten Platz, war Beste ihres Jahrgangs. Ebenfalls auf dem Treppchen stand sie beim Rennen am Feldberg. Sie selbst sieht den fünften Platz beim Rennen in Trentino (Italien; 2018) als ihren bisher größten Erfolg. "Das war richtig krass. Da waren so gute Leute aus so vielen Ländern dabei. Da war ich richtig aufgeregt – und danach richtig glücklich." Es war der Children Cup des internationalen Weltverbands FIS, der als inoffizielle Weltmeisterschaft bei den U14 gilt.

Schule muss sein

Alpine Skisportler aus Baden-Württemberg sind im Spitzensport eine Seltenheit. Der Großteil kommt aus Bayern. Wenn man einen Blick auf die Ergebnislisten der Rennen, an denen auch Leonie Keller teilnimmt, wirft, ist die Verteilung da ganz ähnlich. Der Grund ist recht einfach. In Baden-Württemberg sind die Trainingsmöglichkeiten nicht gerade üppig. Deshalb wird die 14-Jährige nicht drumherum kommen, nach Bayern zu gehen, wenn sie es in die nationale Spitze schaffen will. "Wenn man hier wohnt, hat man wenig Chancen", weiß sie. "Ich hätte schon Lust auf so ein Internat zu gehen", sagt sie. Das Problem ist die Schule. Leonie Keller besucht das Enztal-Gymnasium in Bad Wildbad, macht dort ein neunjähriges Abitur (G9), auf der Internatsschule in Bayern wäre es der G8-Zyklus. Die Umstellung wäre nicht problemlos möglich. Sie würde im Lernstoff stark zurückfallen. Dabei hat sie in manchen Fächern jetzt schon Schwierigkeiten, weil sich wegen Training und Wettkämpfen viele Fehltage im Jahr anstauen. "Wir hoffen, dass es klappt", sagt Mutter Heike Keller. Lieber in diesem Sommer als im nächsten. Doch ist es das wert? Das Risiko, es nicht zu schaffen, ist um ein vielfaches höher als die Chance, einmal Profisportlerin zu werden. "Was, wenn sie sich verletzt?", fragt die Mutter. Soll im alpinen Skisport ja häufiger vorkommen. "Was, wenn sie aus dem Kadersystem fällt?" "Was, wenn sie die Schule nicht schafft?" Dann hat sie ihre Jugend umsonst geopfert. Das sind die Fragen, die mitschwingen, wenn es um das Thema Sportinternat geht. Der Weg, der noch kommt, ist um ein vielfaches länger als der, den die 14-Jährige bisher gegangen ist. Das weiß sie genau, aber sie hat es sich in den Kopf gesetzt, will es "auf jeden Fall versuchen".

45 Rennen, 43 Siege

Dieser Weg scheint für sie bestimmt zu sein. Mit 18 Monaten ist sie das erste Mal in die Skischuhe ihrer großen Schwester Kim, die ebenfalls eine sehr talentierte Skifahrerin ist, inzwischen aber nur noch zum Spaß fährt, gestiegen und einfach losgefahren. Mit vier Jahren hat sie dann beim Familien-Skiurlaub einen Kurs belegt. Da gab es zum Abschluss ein Rennen. "Da war ich ganz gut", erinnert sie sich. Ganz gut heißt in dem Fall, sie hat es mit großem Vorsprung gewonnen. "Daraufhin hat die Skilehrerin gesagt, dass wir mal nach dem Mädel schauen sollen", erzählt Heike Keller. Das erste offizielle Rennen fuhr sie dann mit sechs Jahren bei der Talentiade. "Da war sie schon richtig gut." Untrainiert wohlgemerkt. Wegen der Trainingsmöglichkeiten wechselten die Schwestern Kim und Leonie von der SZ Calmbach zu den Rheinbrüdern Karlsruhe. Die zweite Talentiade hatte sie dann gewonnen. Genauso wie 43 der nächsten 45 Rennen. Sie qualifizierte sich für ein Race-Camp mit Superstar Felix Neureuther, machte so die erste Bekanntschaft mit dem DSV. "Das war schon der Wahnsinn", erinnert sich Heike Keller.

Große mentale Stärke

"Manchmal habe ich die Bilder noch vor Augen", sagt sie. "Die von den schönen Momenten." Genau das ist ihre große Stärke. Für ein Mädchen ihres Alters ist Leonie Keller unglaublich fokussiert. "Wenn ich einen Lauf besichtige, gehe ich alles so lange durch, bis ich es bildlich im Kopf habe, wie ich fahren will", erklärt sie. "Bei den Kinderrennen haben die anderen oben vor dem Start gespielt und Leo war im Tunnel. Sie hat sich fokussiert und auf das Rennen vorbereitet", erzählt die Mutter. Dabei pflegt sie schon immer ein Ritual, einschließlich einem Gebet.

Es geht bei null los

Was Leonie Keller dann am meisten stört ist, "dass die meisten denken, das ist ja so einfach", sagt sie. "Kurz auf die Ski stellen und den Berg runterfahren." Dabei sieht keiner die viele Arbeit, die sie in ihren Sport investiert. Von der Technik und dem Material ganz zu schweigen. In den vielen Trainingseinheiten im Winter und im Sommer. Eine Verschnaufpause gibt es nicht. "Ich trainiere auch im Sommer ungefähr fünfmal in der Woche", sagt sie. Ausdauer und Koordination. Auch darauf hat sie eigentlich "kein Bock". Aber es muss sein. Denn die nächsten beiden Jahre werden in der sportlichen Entwicklung von Leonie Keller sehr wichtig. Da kommen Rennen auf internationaler Ebene. Dann geht es nicht mehr darum, die Beste in Deutschland zu sein, sondern weltweit. "Bei den FIS-Rennen geht es wieder bei null los", weiß die 14-Jährige.

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