Foto: Fotos: Müller

Die Kamera läuft heiß: Die Winterlinger Kleinkunstbühne dreht derzeit Szenen im gesamten Ortsgebiet für ein interaktives Projekt. Bis November entsteht eine App, das Rassismus im Alltag sichtbar machen soll.

Winterlingen - "Es ist eine Mischung aus Erlebnisparcours, Spiel, Film und Geocaching" erklärt Evelin Nolle-Rieder, Leiterin des K3. Das Projekt wird gefördert von "dive in", einem Programm für digitale Interaktionen.

Die App namens "Dailyracism", die vom Startup Pixxie in der Technologiewerkstatt in Tailfingen entwickelt wird, führt auf eine interaktive Schnitzeljagd durch Winterlingen. An verschiedenen Stellen springen die Videos an, die aktuell von Profi- und Laiendarstellern gedreht werden. Sie zeigen, wo Rassismus im Alltag vorkommt. Dem Nutzer werden Fragen eingeblendet, und er wird zum Mitmachen aufgefordert.

Geschnitten wird wenig

Geschnitten wird wenig – schließlich soll der Appnutzer das Gefühl haben, dass er gerade Teil der Szene ist. Der Lernparcours endet mit einer Szene, in der die meisten der Figuren aus der App einen sogenannten "Privilege-Walk" beschreiten.

Die Akteure stehen auf dem Hof vor der Kleinkunstbühne in einer Reihe. Sie bekommen Fragen gestellt, die sich auf ihre Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag beziehen. Wer diese Erfahrung schon einmal gemacht hat, beispielsweise das Gefühl hatte, aufgrund von Herkunft oder Geschlecht einen Job nicht bekommen zu haben, muss stehen bleiben; alle anderen dürfen einen Schritt nach vorne. Am Ende zeigt sich, wer im Alltag immer wieder Formen von Diskriminierung erlebt: Ganz hinten stehen Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe, im Mittelfeld sind vor allem Frauen und ganz vorne stehen weiße Männer. "Es gibt eine unsichtbare Grenze, die kaum überwindbar ist", resümiert Nolle-Rieder.

Für die perfekten Aufnahmen wurde das professionelle Filmteam von der Freiwilligen Feuerwehr Winterlingen unterstützt, die für Ausnahmen aus der Vogelperspektive die Drehleiter zur Verfügung stellte.

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