Eine Zeugin durfte beim Prozess nicht aussagen – sie war erkältet und ohne Corona-Test. Foto: Müller

Zunächst war es nur ein Streit zwischen einem 21-Jährigen und der Mutter seiner damaligen Freundin. Am Ende saß er gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester auf der Anklagebank am Amtsgericht Albstadt.

Winterlingen - Die Gründe, warum die Mutter seiner früheren Partnerin ihn nicht mochte, konnte sich der 21-jährige Albstädter, der vor dem Amtsgericht Albstadt angeklagt war, die Frau geschlagen und beleidigt zu haben, nicht erklären. Die Beziehung zu ihrer Tochter habe sie nie gutgeheißen und dem damals 19-Jähringen verboten, sie im Haus in Winterlingen, in dem sie mit ihren Eltern lebte, zu besuchen. Er habe dies soweit auch befolgt, bis seine damalige Freundin ihn im März 2019 eingeladen hat, bei ihr zu übernachten; die Mutter sei nicht daheim.

Am nächsten Morgen sei die Mutter wie eine Furie in das Schlafzimmer der Tochter gestürmt, habe ihm die Decke weggezogen und ihn rausgeschmissen. Laut Anklageschrift soll der junge Mann daraufhin die Hausherrin beleidigt und ihr sogar eine Ohrfeige verpasst haben; auch 500 Euro soll er ihr aus dem Geldbeutel geklaut haben.

Mutter der Freundin darf nicht aussagen

Der 21-Jährige bestritt das vor Gericht. Er sei der Bitte der Mutter nachgekommen und wollte gehen; während er sich angezogen hat, habe er die wütende Frau mit Händen von sich fern gehalten. Direkt beleidigt oder gar geschlagen habe er sie nicht.

Nun wäre auch die Version der Mutter der Ex-Freundin nicht uninteressant gewesen. Doch als diese mit ihrer Aussage beginnen wollte, klang ihre Stimme alles andere als gesund. Sie sei erkältet, sei auch deswegen beim Arzt gewesen. Da jedoch kein Coronatest vorlag und es derzeit aus Gründen des Infektionsschutzes untersagt ist, mit Erkältungssymptomen das Gerichtsgebäude zu betreten, schickte die Richterin sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Im Nachgang zu dem Vorfall in Winterlingen hat sich der zweite Anklagepunkt ereignet: Am Folgetag hat die Mutter mit einem Freund im Schlepptau ihren damaligen Schwiegersohn in spe an dessen Albstädter Wohnhaus aufgesucht. Sie wollte aber nicht mit ihm, sondern mit seinem Vater sprechen. Als dieser zu ihr herunterkam, um im Hof mit ihr zu reden, folgte ihm seine ganze Familie. Laut Vater, der neben seinem Sohn, seiner Tochter und seiner Frau angeklagt war, habe er zunächst ganz normal mit der Mutter der Freundin seines Sohnes geredet.

Neuen Freund hochgenommen und auf den Boden gelegt

Das Gespräch sei aus seiner Sicht zunächst ruhig verlaufen, ein Dorn im Auge sei ihm nur der Begleiter gewesen. Da der 47-jährige Angeklagte der Meinung war, dieser habe mit der Angelegenheit nichts zu tun, bat er ihn, sein Grundstück zu verlassen. Der 31-jährige Begleiter kam dieser Bitte nicht nach und verharrte an der Seite seiner Freundin.

Die Situation habe sich laut Vater dann so hochgeschaukelt, dass er den Begleiter hochgenommen und auf den Boden gelegt habe, wo er ihn dann mit seinem Knie fixierte und um Abstand gebeten habe. Dann wurde die Polizei gerufen.

Die Punkte in der Anklage, dass die jugendliche Tochter und die Ehefrau der Familie, die geschlossen auf der Anklagebank saß, die Mutter gewürgt und geschlagen haben sollen, bestritten sie. Die Frauen seien lediglich zum Schlichten in den Hof gekommen, mehr als die streitenden Herren zurückzuhalten hätten sie nicht gemacht. Der 31-jährige Mann, der vom Vater der angeklagten Familie auf dem Boden festgehalten wurde, gab vor Gericht über seinen Dolmetscher zu verstehen, dass er am Boden liegend getreten worden sei. Er war es letztendlich auch, der Anzeige erstattet hat. Ursprünglich sei das so nicht geplant gewesen: Im Nachgang zu der Streiterei hätten beide Parteien telefoniert und sich darauf verständigt, die Angelegenheit außergerichtlich zu klären. Schließlich hat der 31-jährige doch Anzeige erstattet – einfach nur, weil er von seinem Recht Gebrauch machen wollte, sagte er.

Nachdem sich die Geschichte immer wieder im Kreis drehte, machte der Staatsanwalt einen Vorschlag: Entweder man steigt nun richtig in die Geschichte ein, lädt weitere Zeugen, setzt einen Fortsetzungstermin an und ist dann möglicherweise auch nicht schlauer als zuvor, oder man stellt das Verfahren wegen Geringfügigkeit ohne Auflagen ein. Letzterem Vorschlag folgte das Gericht – zumal die vier Angeklagten zuvor nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen seien.

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