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Winterlingen "Wir alle müssen den Preis zahlen"

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Der Bundestagsabgeordnete Chris Kühn informierte sich in Winterlingen über den geplanten Windpark. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Winterlingen und Windkraft – eine Geschichte, die seit der Jahrtausendwende fortgeschrieben wird. "Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen", sagt Gemeinderat Roland Heck. Nun hat der grüne Bundestagsabgeordnete Chris Kühn der Gemeinde einen Besuch abgestattet.

Winterlingen. Chris Kühn ist zwar Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Tübingen, war aber dennoch bereitwillig Hecks Einladung gefolgt, sich ein Bild von dem geplanten Windkraftprojekt in Winterlingen machen und zu hören, wo der Schuh drückt – zumal er selbst ein Befürworter der Windkraft ist. Bei der Informationsveranstaltung im Winterlinger Rathaus saßen neben Bürgermeister Michael Maier und neun Gemeinderäten auch Vertreter von Vortex Energy, der Bauherrin und künftigen Betreiberfirma der geplanten sieben Windkrafträder, mit am Tisch. Kein Wunder, dass in der Informations- und Diskussionsrunde vornehmlich die Vorteile der Windkraft zur Sprache kamen.

Bürgermeister Maier zeichnete eingangs die Geschichte des Winterlinger Windkraftprojekts nach, die bis ins Jahr 1999 zurückgeht. In den vergangenen Jahren hat die Diskussion an Fahrt aufgenommen. Mit Vortex Energy gibt es nun eine ernsthafte Interessentin, die als Bauherrin und Betreiberin in spe auftritt, ein Standort ist gefunden, Gutachten wurden veranlasst, Baugenehmigungen erteilt. Andererseits regt sich der Protest vieler Bürger: Derzeit werden am Landratsamt Balingen mehr als 3000 Einwendungen zum Windpark geprüft, ein Erörterungstermin wird voraussichtlich Anfang 2021 stattfinden. 2021 – in diesem Jahr sollen laut Johannes Weisensee, der im Auftrag von Vortex das Winterlinger Projekt betreut, in Sachen Windpark Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Chris Kühn bekannte sich ohne Wenn und Aber zur Windkraft. "Wir brauchen die Anlagen, um von Kohle- und Atomkraft wegzukommen" – und zwar müsse ganz Deutschland diese Aufgabe stemmen und nicht nur der flache und windige Norden. "Es spricht eigentlich nichts gegen das Projekt", stellte Kühn fest: Er sehe hier eine Gemeinde, die sich mit dem Projekt auf den Weg mache, einen Baustein zur regenerativen Energiegewinnung beizusteuern, und dafür Unterstützung verdiene.

Unterstützer, so Kühn weiter, habe die Windkraft freilich viele – aber nur so lange die unschönen Windräder nicht vor der eigenen Haustür gebaut würden. Genau diese Haltung findet er unsolidarisch – er sieht jedes Bundesland in der Pflicht, seinen Teil zur Energiewende beizutragen: "Wir alle zahlen am Ende den Preis für den Klimaschutz." Wolle man die Wirtschaftskraft des Landes erhalten, müsse man in die Windenergie investieren.

Aber wie ist es eigentlich um die Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen bestellt? Wird sie nicht immer wieder von Bürgern kritisch kommentiert und angezweifelt? "Das Projekt ist nach wie vor wirtschaftlich – wir würden es sonst nicht verfolgen", erklärte Johannes Weisensee. Ständig würden Gutachten und Untersuchungen in Auftrag gegeben und veraltete Werte plausibilisiert. Auch wenn der Windatlas eine andere Sprache spreche – Vortex stütze sich auf eigene Erhebungen zur Windhöffigkeit, und die belegten die Wirtschaftlichkeit des Standorts. "Natürlich, Winterlingen ist nicht Schleswig-Holstein, aber die Zahlen belegen, dass sich Windkraft hier lohnt." Allerdings behält Vortex diese Zahlen für sich – Betriebsgeheimnis, begründet Weisensee, man wolle keine Konkurrenz auf den Plan rufen. Ferner würden derzeit einige Gutachten neu erstellt, welche neueste Erkenntnisse berücksichtigten. Mathias Leistenschneider, Geschäftsführer von Vortex Energy – das seit Oktober zum Essener Energieversorgungskonzern RWE gehört – versicherte, dass in Sachen Windpark sorgfältig gearbeitet werde, schon um der Rechtssicherheit willen. Schließlich müssten Gutachten und Zahlen der Überprüfung standhalten, wenn es zum Prozess kommen sollte.

Nach reger Diskussion gab Chris Kühn seinen Gastgebern den Ratschlag, beharrlich die Diskussion zu suchen, die Gegenseite dabei anzuhören, aber der eigenen Linie treu zu bleiben. Dem pflichtete auch Bürgermeister Michael Maier bei: "In diesen Fragen spielt für mich Parteipolitik keine Rolle."

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