Der Winterlinger Windpark wird kommen, deshalb wollen die Projektierer die Bürger informieren. Foto: dpa

Vortex Energy lässt Informationsflyer verteilen. Anwohner sollen informiert sein.

Winterlingen - 5000 Exemplare einer Infobroschüre lässt die Firma "Vortex Energy" in den nächsten Tagen verteilen. Den Projektierern des geplanten Windparks geht es darum, Fragen der Bürger zu beantworten.

Speziell zugeschnitten auf das geplante Projekt mit sieben Windkraftanlagen hat die Firma "Vortex Energy Deutschland GmbH" die "Infobroschüre Winterlingen Windpark", die in den nächsten Tagen an alle Haushalte in Winterlingen, Bitz und Neufra geht. Projektmanager Johannes Weisensee und Britta Wagemann, Abteilungsleiterin Kommunikation & Marketing, von Vortex, gehen darin auf zehn Themen – sowohl allgemein als auch speziell am Beispiel Winterlingen ein: Wasser- und Bodenschutz, Einfluss auf den öffentlichen Verkehr, Schattenwurf, Lichtimmissionen, Natur- und Artenschutz, Eisabfall, Radarverträglichkeit, Baugrund, Wirtschaftlichkeit und Infraschall. Ein Plan zeigt, wo die sieben Windräder stehen sollen. Vier maßstabsgetreue Visualisierungen sollen zeigen, wie die fast 240 Meter hohen Windräder im Landschaftsbild wirken werden.

Eingeflossen in die Antworten, welche die Broschüre gibt, sind die Fragen der Bürger, die bei Vortex eingegangen sind. Weitere Fragen haben Weisensee und Wagemann im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten beantwortet, etwa, warum sie ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht öffentlich vorlegen. Bei einer Auktion – dort geht es um die Vergabe von Subventionen für die wirtschaftlichsten Anlagen – könne Vortex Nachteile gegenüber Mitbewerbern haben, wenn diese die Zahlen kennen, so Weisensee. Und warum liegt noch kein Baugrundgutachten vor? Das sei in Auftrag gegeben und werde – das sei gängige Praxis – noch nachgereicht, betont der Projektmanager und fügt hinzu, dass die Windkraftanlagen für den geplanten Standort in der Erdbebenzone III geeignet seien.

Was sagen Wagemann und Weisensee zur Rentabilität angesichts der mageren Ausbeute in Baden-Württemberg, selbst in windreichen Jahren wie 2018? "Wir haben kein Interesse, ein Projekt zu verwirklichen, das nicht wirtschaftlich ist", betont Britta Wagemann. Angesichts der mehr als 40 "Akteure" in diesem Projekt – gemeint sind damit auch die beteiligten Behörden – könne es vorkommen, dass einzelne der sieben Anlagen nicht genehmigungsfähig seien. Wie rentabel das Projekt werde, lasse sich deshalb erst genauer ermitteln, wenn feststehe, wie viele Anlagen gebaut werden dürfen. "Für den Bau der Anlagen selbst erhalten wir keine Subventionen", betont die Pressesprecherin. "Und außerdem sind die Vergütungen so geregelt, dass Betreiber Nachteile haben, wenn sie schlecht planen." Soll heißen: Vortex habe gut gerechnet und die Firme wisse, was sie tut.

Das Argument, dass weitere Windparks folgen könnten, wenn erst einer in der Region steht, kann Weisensee nicht nachvollziehen: "Wenn dieser Windpark genehmigt wird, heißt das ja nicht, dass deshalb auch andere genehmigt werden." Generell sei der Widerstand gegen Windparks dort größer, wo es noch keine gebe, stellt Wagemann klar. Andererseits gebe es Orte, wo Bürger sich dafür engagierten, "zusammen die Energiewende zu gestalten".

Ein Versuch die Wogen zu glätten

Dass das Vortex-Projekt in und um Winterlingen für Konflikte sorge, bedauern sie und ihr Kollege und wollen mit Information dazu beitragen, die Wogen zu glätten, zumal sie im Fall einer Genehmigung des Windparks gute Chancen sehen, bei der Auktion der Bundesnetzagentur auch einen Zuschlag zu erhalten, denn zurzeit gebe es weniger Windpark-Projekte in Deutschland als noch vor Jahren. Der Grund sei die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit dem Ziel, die Subventionen zu senken, um die Stromverbraucher finanziell zu entlasten.

Für Winterlinger und Bitzer sind die Stromkosten freilich längst nicht das Hauptargument. Wie die Diskussion zeigt, haben viele Angst um ihre Gesundheit, etwa wegen der Auswirkungen von Infraschall. "So gut wie alles, was Schall sendet, sendet auch Infraschall", sagt Weisensee und verweist auf Studien des Umweltbundesamtes und Aussagen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), die ein 100 Seiten dickes Heft zu diesem Thema herausgegeben hat. Darin finden sich Messergebnisse aus der Umgebung von Windkraftanlagen, Straßen und elektrischen Geräten. "Auf die Aussagen dieser Behörden müssen wir uns verlassen können", so Weisensee. Dasselbe gelte für die Aussagen der Wasserschutzbehörden in den Landratsämtern Zollernalbkreis und Sigmaringen.

Was die mögliche Beeinträchtigung des Flugbetriebs auf dem Degerfeld angeht, so prüften die Luftfahrtbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart und die Deutsche Flugsicherung die Fakten.

"Wir halten natürlich alle gesetzlichen Vorgaben ein", fasst Britta Wagemann zusammen, und Johannes Weisensee weist darauf hin, dass nicht nur Gegner des Projekts noch bis 4. April eine Stellungnahme zum Genehmigungsantrag abgeben dürften, sondern auch Befürworter. Die Pressesprecherin gibt zudem zu bedenken, dass die Informationsbroschüre zum Winterlinger Projekt bereits jetzt auf der Internetseite von Vortex Energy bereitstehe. Außerdem könnten Interessierte beim LUBW Informationen und Broschüren zum Thema Infraschall anfordern.

Weitere Informationen: www.vortex-energy.de / www.lubw.baden-wuerttemberg.de

Die Winterlinger Bürger sind wenig begeistert vom geplanten Windpark und gingen dagegen auf die Straße: