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Winterlingen Wendet der Windatlas das Blatt?

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Die grüne und weiße Markierung heißt, dass der Wind dort eher mäßig – mit einer Winddichte von unter 190 Metern pro Sekunde. Quelle: Energieatlas BW Foto: Schwarzwälder Bote

Wendet sich mit dem Erscheinen des Windatlasses des Landes Baden-Württemberg das Blatt in Sachen Windpark Winterlingen? Die Daten im Atlas belegen, dass das Errichten von Windrädern am geplanten Standort unwirtschaftlich ist.

Winterlingen/Bitz. "Das Landratsamt hätte die Teilgenehmigung nie erteilen dürfen", sagt Jochen Lottermoser, Sprecher der Bitzer und Winterlinger Bürgerinitiative. "Fehlende Wirtschaftlichkeit aber ist ein Versagensgrund."

Bisher hat die Bürgerinitiative die Unwirtschaftlichkeit des Standortes nur vermutet, mit dem neuen Windatlas, der Ende Mai erschienen ist, erhalten die Windkraftgegner nun die Bestätigung – und das stärker als zunächst angenommen.

Watt pro Quadratmeter ist der neue Maßstab

Im Vergleich zum ersten Windatlas von 2011 hat sich aufgrund veränderter Messtechnik einiges getan: Bisher wurde die sogenannte Windhöffigkeit in Meter pro Sekunde gemessen, der neue Windatlas basiert auf Messungen der Windleistungsdichte in Watt pro Quadratmeter. Diese gelten – so Lottermosser – als genauer, weil neben der Windgeschwindigkeit auch die unterschiedlichen Höhen und die mittlere Luftdichte berücksichtigt werden. Laut den Messungen des Landes beträgt die Windleistungsdichte am geplanten Standort zwischen Winterlingen und Bitz eine zwischen 105 und 190 Watt pro Quadratmeter – als wirtschaftlich gelten Werte ab 250 Watt pro Quadratmeter. "Die Standortgüte tendiert gegen Null", meint Lottermoser, "unter so unwirtschaftlichen Voraussetzungen lässt sich dort einfach keine Windkraft erzeugen."

Für Willi Merkel ist es eine klare Sache: "Wir haben mit dem Windatlas eine neue Lage, die sich für den Antragsteller verschlechtert hat – die Genehmigungsvoraussetzungen sind nicht mehr gegeben." Für die BI sind die Erkenntnisse aus dem Windatlas Grund genug dafür, dass das Landratsamt die 2016 erteilte Baugenehmigung für vier Windräder zurückzieht­ – dies sei binnen eines Jahres nach Bekanntwerden von Versagensgründen, also bis Mai 2020, möglich. Darüber hinaus fordert die Bürgerinitiative, dass auf dieser Grundlage die Baugenehmigung für weitere sieben geplanter Windräder versagt wird.

Für Balingen kommt es auf den Einzelfall an

Die Verantwortlichen im Landratsamt Zollernalbkreis finden allerdings, dass für so eindeutige Aussagen, wie die Mitglieder der Bürgerinitiative sie machen, die Voraussetzungen fehlen. Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten war von der Pressestelle des Landratsamts erfahren, dass die Daten dort als Orientierungswerte gesehen würden. "Um die Eignung des Standortes zu beurteilen, müssen alle Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden." Der Antragsteller habe die Möglichkeit, durch die Vorlage eines speziellen Wind- und Ertragsgutachtens nachzuweisen, dass das erforderliche Ertragsniveau am geplanten Standort der Windenergieanlagen eingehalten wird. Für die vier bereits genehmigten Windkraftanlagen habe ein solches Gutachten, das die erforderlichen Referenzenergieertragswerte belegte, vorgelegen, und auch der aktuelle Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung von sieben Anlagen enthalte ein solches Gutachten.

Derzeit prüft das Landratsamt Zollernalbkreis alle 3767 Einwendungen gegen das Windkraftvorhaben. Bis zum Erörterungstermin am 23. Juli, 10 Uhr, in der Turnhalle Winterlingen sollen alle Argumente auf dem Tisch liegen. Die Bürgerinitiative möchte zwar eine Verschiebung des Termines auf den Herbst bemühen, damit die neuen Erkenntnisse aus dem Windatlas ausgewertet können und weil sie den Termin kurz vor Beginn der Sommerferien ungünstig findet. Allerdings geht sie davon aus, dass sie damit nicht erfolgreich sein wird.

Wegen der vielen Einwendungen rechnet die Bürgerinitiative mit großer Resonanz. So groß, dass sie darum bittet, dass sich die Teilnehmer vorab – notfalls anonym – anmelden, damit gegebenenfalls auf eine größere Lokalität ausgewichen werden kann.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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