Gerda Raidt hat sich mit den Harthauser Grundschülern über das Thema Mülle unterhalten Foto: Kuster Foto: Schwarzwälder Bote

Lesung: Gerda Raidt eröffnet Harthauser Kindern mit ihrem Buch einen einfachen Zugang zum komplizierten Thema Müll

Winterlingen-Harthausen. Wer von euch hat heute Morgen schon Müll produziert?", fragt Gerda Raidt, Illustratorin und Buchautorin, in die Runde. Im Rahmen ihrer Autorenreise besucht sie auch die Grundschule in Harthausen und stellt den Grundschülern ihr Buch "Müll – die lästigste Sache der Welt" vor.

"Lästig ist er deswegen, weil niemand ihn haben möchte, aber trotzdem jeder produziert." Die Grundschülern, die nach und nach Antworten auf die Frage der Autorin geben, machen da keine Ausnahme: dem einen fällt eine Bäckertüte ein, anderen ein paar Taschentücher oder ein leerer Tetrapack Milch. Auch Gerda Raidt gibt zu, am diesem Morgen schon Müll produziert zu haben: ein Papier, in dem Butter eingewickelt war.

Mit dem Problemthema Müll setzt sie sich seit Jahren auseinander. Lange gehörte sie einem Umweltverband an, in dem eine Gruppe auf das Thema aufmerksam machte, als das Problem noch gar nicht als solches galt. "Ich wollte auch gerne etwas beitragen. Und dann fiel mir auf, dass es zu dem Thema noch gar kein Kinderbuch gibt. Da hab ich beschlossen, eines zu machen."

Die größte Herausforderung sei dabei das Thema Müll selbst gewesen: Welche Aspekte werden ausgewählt? Und wie können sie so einfach dargestellt werden, dass Kinder sie problemlos verstehen? Am Ende beschloss sie, sich an die Themen mit Alltagsbezug zu halten, die für Kinder relevant sind und mit denen sie etwas anfangen können. So wurde nun die Frage diskutiert, welchen Müll man am liebsten weg bringt – und welchen nicht und warum. Die Antwort: Papier und Glas bringen die Kinder gerne weg, weil man Papier buchstäblich in die Tonne treten kann und Glas so schön geräuschvoll zersplittert. Vom Biomüll dagegen lassen sie lieber die Finger: Der müffelt und wird oft von Fliegen umschwärmt.

Die Grundschüler berichten, animiert von den Bildern und Erzählungen, munter von ihren eigenen Erfahrungen: "Bei uns in der Hecke hängt ganz oft Müll, dann geh ich hin, sammel ihn ein und werf ihn weg." – "Verwandte von uns haben einen Bauernhof, die sammeln immer ihren Biomüll und heben den dann für die Hühner auf." – "Meine Eltern kaufen Joghurt nur noch im Glas."

Auch kompliziertere Themen werden angesprochen, beispielsweise die Entsorgung und Verschiffung von Abfällen, Elektroschrott und auch Atommüll in andere Länder. Angesichts eines Bildes, das eine Mülldeponie irgendwo in Afrika zeigt, fragt ein Schüler, wieso der Müll brennt. "Weil die Arbeiter das Plastik verbrennen, um an das Kupfer ran zu kommen", erklärt Raidt.

Schnell wird klar, dass das Buch auch Probleme anspricht, für die es bislang keine ideale Lösung gibt: Atommüll ist extrem gefährlich und tausend Jahre später immer noch da. Plastik zersetzt sich erst nach zirka 40 Jahren, und selbst dann verschwindet es nicht einfach. Es wird nur immer kleiner und landet im Essen oder im Ozean, wo es gefährlich für Tiere werden kann. Auch die Reste aus den Müllverbrennungsanlagen sind hochgiftig und müssen sicher weggesperrt werden.

Raidt bleibt dennoch optimistisch: An all diesen Problemen werde gearbeitet.  "Wer weiß, vielleicht findet ja eines Tages einer von euch eine Lösung für eines davon", sagt sie. Ihr Buch enthält auch einige Lösungsansätze, aber Gerda Raidt und die Grundschüler unterhalten sich so angeregt, dass sie am Ende gar nicht mehr dazukommt, sie vorzustellen. Halb so schlimm, auch da erzählen die Grundschüler von sich aus, was sie schon alles mit dem Müll zu Hause gebastelt haben: eine Handyhalterung aus einer Pringles-Dose, Häuschen für Schleichtiere aus Schuhkartons und einen Roboter mit Musikbox.

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