Ludwig Maag ist zufrieden: Das Kinderbetreuungsportal der kinder- und jugendfreundli­chen Kommune Winterlingen hat seinen Dienst aufgenommen. Foto: Holbein

Gemeinde listet in einem Internet-Portal die Zahl der freien Plätze in den Kindergärten auf. Projekt bisher einzigartig im Zollernalbkreis. 

Winterlingen - Informationen über die freien Plätze in den Kindergärten und die verschiedenen Betreuungsangebote sowie Anmeldeformulare, das gibt es in Winterlingen ab sofort per Internet über ein spezielles Portal auf der Seite der Kommune.

 

"Die Betreuungsangebote in den Kindergärten werden immer komplexer und reichen von der Kleinkindbetreuung über verlängerte Öffnungszeiten bis zur Ganztagesbetreuung", erläutert Winterlingens Hauptamtsleiter, Ludwig Maag, den Grund, diese Daten in einem Kinderbetreuungsportal ins Internet zu stellen. Erste Überlegungen dazu gab es Anfang 2012. Das Verfahren "NH-Kita" läuft in Baden-Württemberg über die Schiene Rechenzentrum, das das System anbietet, vertreibt und unterstützt.

Winterlingen leistet dabei Pionierarbeit: Nach Kenntnisstand des Maags hat das Programm noch keine andere Kommune im Zollernalbkreis. Jeder Kindergarten der Kommune hat einen Online-Zugang zum Verfahren, um so zentral den Bedarf der Eltern zu erfassen. Bislang war das schwierig: Viele Eltern meldeten vorsorglich ihre Kinder bei mehreren Einrichtungen an, damit ihr Sprössling sicher einen Platz erhält. "Der Abgleich zwischen den Kindergärten war immer mit viel Aufwand und Schwierigkeiten verbunden", sagt Maag. Das hat jetzt ein Ende.

Die Verantwortlichen sehen mit einem Blick in den Computer, ob das Kind bereits irgendwo anders angemeldet ist, und vermeiden damit solche Doppelanmeldungen. Das verhindert auch falsche Bedarfszahlen und hat "Charme für die Eltern, weil es ein transparentes und nachvollziehbares Verfahren ist, das die Suche nach einem Betreuungsplatz so einfach wie möglich macht". Der Besucher des Portals ruft unter jeder Einrichtung tagesaktuell ab, wie viele freie Plätze und welche Betreuungsangebote es dort gibt. Er kann im Internet auch nach bestimmten Betreuungsarten recherchieren, seinen Wunsch dazu eingeben und gleich ein Anmeldeformular ausdrucken. Sich online anzumelden, ist allerdings derzeit noch nicht möglich, da muss der Gesetzgeber noch rechtliche Hürden aus dem Weg räumen. Dennoch unterstützt das Verfahren die Kindergarten-Leitungen in ihrer täglichen Arbeit und sorgt für eine einfachere Verwaltung, etwa mit einer übersichtlichen Adressverwaltung und der Möglichkeit, Warte- und Wunschlisten übergreifend für alle Einrichtungen zu erstellen.

Die Gruppenlisten sind aktuell, für die Kinder sind Notfallzettel hinterlegt, die beispielsweise darüber informieren, wer zum Abholen berechtigt ist, jeder Sprössling ist mit seinen Daten einheitlich für alle Kindergärten in der Gemeinde eingepflegt. Seit September ist zudem das Internetmodul geschaltet.

Für Installation und Einführungsschulung investierte die Kommune rund 1000 Euro. Betrieb und Verfahrenspflege kosten jährlich circa 1200 Euro: "Das ist es uns wert, sagt Maag. Zumal es auch eine Schnittstelle mit dem Finanzwesen gibt, was die Arbeit in der Kämmerei erleichtert, weil sich aufgrund der erfassten Angaben auch die Beitragsbescheide für die Eltern bequem erstellen lassen. Ludwig Maag ist deshalb "glücklich" mit dem System, aber nicht wunschlos. So ist der Hersteller dran, dass nicht nur die freien Plätze insgesamt abzurufen sind, sondern bezogen auf die einzelnen Betreuungsangebote. Die Kindergarten-Leitungen sind zufrieden, Maag hat positive Rückmeldungen erhalten.

Derweil ist die Nachfrage nach einer Ganztagesbetreuung in Winterlingen "sehr stark". Die Kommune hat aus diesem Grund aktuell eine zweite Ganztagesgruppe mit 20 Plätzen eröffnet, die auch schon fast wieder voll ist. Nahezu ausgelastet sind auch die Krippenplätze.

Die Belegungsquote bei den Kindern, die jünger als drei Jahre sind, liegt mit 60 Plätzen bei 37,6 Prozent.