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Winterlingen Ohne Fördergelder geht es nicht

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Evelin Nolle-Rieder im leeren Zuschauerraum des K3: Die Leiterin gibt nicht auf.Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Kultureinrichtungen trifft die Coronapandemie besonders hart: Können keine Gäste empfangen werden, bleiben die Eintrittsgelder aus. Um den Kulturbetrieb in Winterlingen nicht sterben zu lassen, gibt K3-Leiterin Evelin Nolle-Rieder alles.

Winterlingen. Wo normalerweise bis zu 80 Zuschauer Platz finden, stehen nun nur noch zehn einzelne Stühle mit genügend Abstand dazwischen. "So können wir keine Aufführungen machen", sagt Evelin Nolle-Rieder. "Von Wirtschaftlichkeit wäre das weit entfernt".

Auch wenn der Theaterbetrieb derzeit nur unter unwirtschaftlichen Auflagen möglich wäre, geht das Leben im K3 weiter. Nur eben anders. "Wir müssen unter Corona vollkommen neu denken", erzählt die Vorsitzende des Vereins, der die Kleinkunstbühne trägt. Solange es keinen Impfstoff gibt, wird es wohl keine Kleinkunst auf der Bühne im doch recht beengten K3 geben, glaubt Nolle-Rieder.

Dennoch steht das K3 in Winterlingen für Kultur. Bis wieder Aufführungen möglich sein werden, hält Nolle-Rieder die Einrichtung als eine Art Kulturzentrum am Leben: "Wo Leute miteinander kreativ sein können." So werden Workshops angeboten, es werden Filmprojekte erstellt, und die Theaterkurse für Kinder werden coronakonform weitergeführt.

Auch wenn der Betrieb im K3 derzeit reduziert ist, haben Nolle-Rieder und ihr Team dennoch alle Hände voll zu tun – und vor allem weiterhin Kosten. So oder so ist das K3 auf Spenden- und Fördergelder angewiesen. Fehlen jetzt auch noch die Eintrittsgelder, ist die finanzielle Misere perfekt.

Doch Nolle-Rieder kämpft wie eine Löwin für den Erhalt des Kulturzentrums. Derzeit schlägt sie sich durch einen immensen Wald an Bürokratie für verschiedene Förderprogramme. "Das ist ein wahnsinniger Aufwand, den man so nicht sieht", so die Schauspielerin: Antrag stellen, Bewegungsgründe schreiben, Nachweise.

Die Kindergruppe kann ihr Musical "Das Traumfresserchen" noch nicht wieder aufführen. Als Ersatz steckt sie mitten in einem Kurzfilmprojekt zum Thema Rassismus. Die Kinder schreiben das Storyboard, filmen und schneiden den Film selber. Das nötige Equipment ist allerdings noch nicht vorhanden. Dafür gibt es zwar Fördergelder, doch der Eigenanteil, den die Einrichtung leisten muss, sei nicht zu unterschätzen.

So blöd die Situation ist – Nolle-Rieder versucht auch noch etwas Positives aus der ganzen Lage zu schöpfen: Da in den kommenden Monaten verstärkt der Fokus auf Workshops und Digitalem liegt, könne sie sich um ganz andere Fördermittel bemühen als für den reinen Theaterbetrieb. Denn ihr Ziel ist es, irgendwann eine Institutionsförderung des Landes zu erhalten – und das geht nur, wenn entsprechend viele Förderanträge gestellt und bewilligt werden, sodass die Verantwortlichen in Stuttgart sehen, dass das Geld hier gebraucht und gut angelegt ist.

Dennoch haben die Fördergelder auch eine zweite Seite: den Eigenanteil. Und der ist eben ohne Einnahmen durch Eintrittsgelder schwer zu erwirtschaften. "Wir müssen durch Spenden und Sponsoring schauen, wie wir den geforderten Eigenanteil zusammenbekommen", sagt Nolle-Rieder nachdenklich. Selbst wenn dieser verhältnismäßig klein ist – für einen Verein, dem derzeit aufgrund der Coronapandemie die Grundlage entzogen wurde, sind schon wenige 1000 Euro eine immense Summe, die nur schwer aufzutreiben ist.

Im kommenden Jahr feiert die Einrichtung zehnjähriges Bestehen, das Nolle-Rieder auch unter den Coronaauflagen veranstalten will: Im Sommer dann mit Straßenfest. "Aber ohne Finanzspritze wird auch das kaum machbar sein", sagt die Leiterin.

Auch die Workshops, die in den kommenden Monaten im K3 stattfinden werden, sind unter Einhaltung der Abstandsregeln im Freien oder in den K3-Räumen machbar. Nolle-Rieder hat ein spannendes Programm rund um Theater, Kunst und Kultur zusammengestellt, für Kinder ebenso wie für Erwachsene. So wird es Workshops zu Graffitikunst, Szenisches Schreiben, Tontechnik und Lichttechnik geben.

"Ich will hier ein Kulturzentrum schaffen und mich nicht von Corona dabei in die Knie zwingen lassen", sagt Nolle-Rieder fest entschlossen. Daher ist ihr jedes Mittel recht, die Kleinkunstbühne, die den Mittelpunkt der Winterlinger Kulturlandschaft bildet, am Leben zu erhalten. "Lieber so, als dass wir zumachen müssten." Daher heißt es nun weiterhin: Klinkenputzen, Ressourcen ausquetschen und vor allem nicht aufgeben auf der Suche nach Sponsoren und Fördergeld.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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