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Winterlingen Corona-Krise: Intensivpfleger gibt Einblick in seinen Alltag

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Nur mit entsprechnder Schutzkleidung kann Joel Maier derzeit zum Dienst kommen. Foto: Schwarzwälder Bote

Winterlingen - Seit vier Jahren ist Joel Maier Fachkrankenpfleger für Intensiv und Anästhesie im SRH Krankenhaus in Sigmaringen. Mit Krisen und Notfällen kennt sich der Winterlinger aus: Er ist ganz nah an den Patienten, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Wie er seinen Alltag beschreibt und wie er die Corona-Krise erlebt, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

"Du bist in Notfällen der erste, der am Patienten ist", erklärt Joel Maier. Der 31-Jährige ist Gesundheitspfleger auf der Intensivstation. Die Weiterbildung dazu hat er vor einigen Jahren gemacht. Seine Motivation: "Leuten zu helfen, mit ihnen ins Gespräch kommen, Therapieentscheidungen mittragen und einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft zu leisten."

Dank "cooler Kollegen", fällt dem Intensivpfleger sein Dienst leichter, auch wenn die Zeiten einmal hart sind wie in den vergangenen Wochen, seit viele Covid-19-Patienten auf die Intensivstation kommen.

Corona-Krise auch psychisch anstrengend

"Ich denke, wir stehen aktuell vor einer großen Ungewissheit und überblicken noch gar nicht, was uns der Erreger langfristig antut und inwieweit geheilte Patienten eine dauerhafte Immunität entwickelt haben", sagt Maier zur Corona-Epidemie. "Es kommen täglich neue Fakten auf den Tisch und wir lernen in dieser großen Herausforderung ständig dazu. Jeder Patient ist individuell. Vieles war schwer zu planen, da wir kaum Erfahrungswerte hatten." In solch einer Zeit herrsche selbst bei routinierten Kräften eine gewisse Anspannung, wie der Winterlinger schildert. Zudem habe man anfangs nicht einschätzen können, wie viele Patienten kommen würden. "Es war schon anstrengend, auch psychisch."

Wie empfand Maier die Situation im Privatleben? "Uns ging es wie allen anderen Familien auch", stellt der Vater zweier Kinder klar. "Wir waren am Anfang etwas geschockt, dass es zu solchen Maßnahmen kommt und hielten sie zunächst für übertrieben. Schritt für Schritt merkten wir aber, dass es eine ernste Geschichte ist."

Mit Kindern sei so eine Zeit besonders herausfordernd, wenn der Kindergarten wegfällt und die Spielplätze geschlossen werden. Der Familienvater kann der Krise aber auch positive Aspekte abgewinnen: "Für uns ist es eine Chance gewesen, als Familie noch enger zusammenzuwachsen. Unsere Kinder sind mit der Situation gut umgegangen."

Besuchsverbot hat Folgen

Bewegt hat Maier, welche Folgen das Besuchsverbot für viele seiner Patienten hatte. Beispielsweise habe eine Dame ihren Mann mehr als zehn Wochen lang nicht gesehen. "Das ist ein Einschnitt in das Leben der Patienten und der Gesundheitspfleger ist der Einzige, der in der Situation für sie da sein kann."

Zwar haben die Berufe im Gesundheitswesen in den vergangenen Wochen große Wertschätzung erhalten, doch wünscht sich der Intensivpfleger mehr Unterstützung von Seiten der Politik – "für die Arbeitsbedingungen der Menschen, die das Krankenhaus am Laufen halten". Dazu, so hebt Maier hervor, gehörten nicht zuletzt auch häufig kaum beachtete Gruppen wie Reinigungskräfte, die in erster Linie für eine hohe Hygiene im Krankenhaus sorgen. "Man hat uns als Helden gefeiert. Das war zwar schön gemeint, aber die Unterstützung und Wertschätzung sollte auch im Alltag da sein, nicht nur jetzt gerade." Der Staat muss seiner Meinung nach darauf achten, dass Gesundheit kein Profitgeschäft ist und sich mehr den Menschen zuwendet.

Zudem sollte der Beruf des Gesundheitspflegers attraktiver gestaltet werden. Und: "Der Betreuungsschlüssel muss sich verändern, staatliche Subventionen müssen stärker werden, damit man rentabel arbeiten kann und Verantwortung auch wertgeschätzt wird."

Wertschätzung für Pflegeberufe gefragt

Maier betont, dass trotz der Gefahr an Covid-19 zu erkranken, andere Krankheitsbilder nicht vernachlässigt werden dürfen – denn das sei nicht die einzige und schlimmste Krankheit. Auch in Sigmaringen gebe es seit Ausbruch der Epidemie deutlich weniger Notfälle. "Viele haben Angst vor dem Krankenhaus." –­doch das sei unberechtigt. Maier appelliert: "Wer das Gefühl hat, ernsthaft erkrankt zu sein, sollte die Möglichkeit des Krankenhauses nutzen. Wir sind nicht limitiert und gut ausgestattet."

Die Auslastung der Intensivstation schwanke stets. Die Corona-Fälle hätten aber in den vergangenen Wochen deutlich abgenommen. Damit dies nach Möglichkeit auch so bleibt, mahnt Maier zum Schluss: "Es ist wichtig, dass alle weiter vorsichtig sind und sich an die Vorgaben halten. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass er andere gefährden oder schützen kann, je nachdem wie er handelt."

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