Man nimmt es als selbstverständlich hin, dass im Winter bei Glätte und Schneefall die Straßen geräumt und gestreut sind, sobald der Berufsverkehr beginnt und Schulbusse unterwegs sind. Dafür stehen von November bis März oder April die Mitarbeiter in den Bauhöfen der Gäugemeinden Althengstett, Gechingen, Simmozheim und Ostelsheim ganz früh auf.
Althengstett/Gechingen/Simmozheim/Ostelsheim - "So ruhig war es über Weihnachten und Neujahr schon lange nicht mehr", sagt der Simmozheimer Bauhofleiter Berndt Nothacker. Kein Wunder bei fast frühlingshaften Temperaturen über die Feiertage. Das wird sich jetzt aber ändern, sind doch niedere Temperaturen und auch Schneefall angesagt. Frühmorgens ab spätestens 4 Uhr sind die Männer dann unterwegs, um für sichere Straßen- und Wegeverhältnisse zu sorgen.
Das Wetter hält sich nicht an Einsatzpläne
Nothacker kann den Winterdienst mit seinen zwei Mitarbeitern fast gänzlich maschinell erledigen. Mit dem Unimog wird der Straßendienst gemacht und mit einem kleinen wendigen Traktor werden die Gehwege und die Bushaltestellen geräumt. "Wir müssen relativ wenig von Hand räumen", freut sich Nothacker, denn das spart einiges an Zeit und Kraft. "Das Hörnle ist der Indikator, der höchstgelegene Punkt." Dorthin führt immer die erste Einsatzfahrt bis zur Einmündung in die Straße nach Möttlingen. "Wir brauchen etwa eine Stunde, um alle Straßen im Ort zu streuen, wenn wir auch räumen müssen etwa zwei Stunden."
Das Wetter hält sich nicht an Einsatzpläne, heißt, wenn es den ganzen Tag schneit oder eine Blitzeiswarnung eingeht, müssen alle Mann auch flexibel sein. "Das wissen wir und wir sind definitiv gut gerüstet, sowohl personell wie auch maschinell", sagt der Althengstetter Bauhofchef Thomas Kömpf. Die siebenköpfige Bauhofmannschaft bestreitet den Winterdienst in den drei Ortsteilen mit zwei Unimogs für den Straßendienst und mit zwei Kleinfahrzeugen für Gehwege, Radwege und Friedhöfe. Im Räum- und Streuplan sind drei Kategorien ausgewiesen. Priorität eins haben die Buslinien und Zuwege zu Schulen und Kitas, dann kommen die Einfallstraßen und die Wohngebiete dran und zuletzt Außenbereiche wie Wege zu Aussiedlerhöfen oder zum Schützenhaus beispielsweise. Begonnen wird in Althengstett, danach geht’s in die beiden Ortsteile Neuhengstett und Ottenbronn. "Jeweils zwei Mitarbeiter sind im Handdienst eingeteilt, um Treppenabgänge, Bushaltestellen und ähnliches zu räumen und zu streuen", berichtet Kömpf, "das ist fast so zeitintensiv wie der Fahrdienst und körperlich ganz schön anstrengend".
Reserve-Salzlager im Gewerbegebiet
Zwei große Silos mit je 30 Tonnen Streusalz reichen in normalen Jahren gut aus für den Winterdienst in Althengstett. Sollte der Winter strenger sein oder mal recht lange dauern, so gibt es bei einem Industriebetrieb im Gewerbegebiet noch ein Reservelager mit Salz, das auch den drei anderen Bauhöfen im Notfall mal aushelfen kann. Die Räumung im Gewerbegebiet Unteres Ried übernimmt ein Unternehmer mit eigenem Gerät auf Stundenbasis, wie Kömpf weiter berichtet.
In Gechingen ist Bauhofleiter Jürgen Eßlinger mit jeweils zwei seiner drei Mitarbeiter im Winterdienst nach wöchentlich wechselndem Einsatzplan unterwegs. Einer fährt den Unimog, mit dem die Straßen geräumt und gestreut werden. Er hat das Kommando für die jeweilige Woche, ist verantwortlich für die ordnungsgemäßen Einsätze und macht sich als erster ein Bild der Lage. Der zweite Mitarbeiter ist mit dem Kommunalschlepper für die Gehwege zuständig und ein dritter macht die Handstrecke. "Einmal mit dem Unimog durch alle Straßen macht rund 30 Kilometer aus", so Eßlinger, "wenn wir das mehrmals am Tag machen müssen, kommen da auch mal 100 Kilometer und mehr zusammen". Das Salz kann in der Streueinheit am Fahrzeug sehr fein und je nach wechselnder Lage dosiert werden, erklärt er weiter, soll heißen, dass mit so wenig Salz wie möglich umweltschonend agiert wird. Das gilt natürlich in allen vier Gemeinden. "Wenn möglich verwenden wir kein Splitmaterial", sagt er weiter, denn Split muss nach dem Winter mühsam entfernt werden und ist dann Sondermüll. Auch in Gechingen gibt es externe Unterstützung im Winterdienst auf den Wegen zu den Aussiedler- und Pferdehöfen.
Einsätze werden schriftlich dokumentiert
In Ostelsheim hat Bauhofleiter Thomas Lehnert als Räum- und Streufahrzeug für die Straßen einen großen 150 PS-Schlepper zur Verfügung. Eine Salzladung von 1,5 Tonnen reicht für einen Durchgang im Ort, was rund 40 Kilometer Strecke bedeuten. Auf Geh- und Radwegen, Stichstraßen und Wendeplatten kommt ein kleines Fahrzeug zum Einsatz, bei dem die Streu- und Schiebebreite variabel eingestellt werden kann. Lehnert und seine zwei Mitarbeiter teilen sich den Winterdienst ebenfalls nach wöchentlich wechselndem Plan.
Dass mit dem Winterdienst auch eine nicht unerhebliche Dokumentationspflicht verbunden ist, erläutert der Althengstetter Bauhofchef Kömpf. Vom 15. November bis Ende März ist täglich ein detailliertes Streubuch zu führen, in dem die Witterungsverhältnisse, Temperaturen und was wann und wo gemacht wurde, eingetragen werden. "Das kann auch mal als Beweismittel bei einem Unfall wichtig sein", so Kömpf.