Einen Tag nach dem Brandanschlag in der Nacht vom 9. auf den 10. April 2011 besichtigen einige der Opfer den tatort nahe Engelberg bei Winterbach im Remstal. Foto: Dirk Hermann

Nach dem Brandanschlag auf Türken bei Winterbach sitzen noch drei Verdächtige in Haft.

Waiblingen - Gut zwei Monate nach dem Brandanschlag von Winterbach auf türkischstämmige Jugendliche hat die Ermittlungsgruppe Gartenhütte ein vorläufiges Zwischenergebnis präsentiert. Drei Verdächtige sitzen in Haft, die Anklage wird vorbereitet - ob's zur Verurteilung reicht, da sind manche Fahnder eher skeptisch.

Die Aufklärung der "feigen Tat", versprach der Leiter der Waiblinger Polizeidirektion, Ralf Michelfelder, bereits wenige Stunden nach dem brutalen Überfall, "genießt bei uns höchste Priorität". Seit dem frühen Morgen des 10. April 2011 arbeiten die 32 Beamten der Ermittlungsgruppe ununterbrochen an der Aufhellung der Vorkommnisse in jener Nacht.

"Damit sind wir an einem personellen Limit angelangt", so Michelfelder. 8800 Arbeitsstunden wurden angehäuft, darunter 2500 Überstunden. Insgesamt 150 Ordner an Ermittlungsakten stehen aufgereiht im Konferenzzimmer der Polizeidirektion.

46 Wohnungen wurden durchsucht

"Wir ermitteln nach wie vor gegen 43 Beschuldigte, 41 Männer und zwei Frauen, aus dem rechten Spektrum", erläutert Thomas Schöllhammer, Leiter der Kriminalpolizei im Rems-Murr-Kreis. Dabei geht es vor allem um den Verdacht des versuchten Mords und der besonders schweren Brandstiftung.

Vier Männer kamen in Untersuchungshaft - ein 20-Jähriger aus dem Kreis Ludwigsburg, ein 21-Jähriger aus Berglen im Rems-Murr-Kreis sowie zwei 21- und 23-Jährige aus dem Kreis Calw. Nach Angaben der mit dem Fall betrauten Staatsanwältin Irmhild Weiß wurde der jüngere Mann aus dem Kreis Calw am Dienstag wieder aus der Haft entlassen, weil der Verdacht nicht mehr ganz so dringend sei.

Auf jenes Quartett sind die Beamten infolge ihrer umfangreichen Nachforschungen gestoßen. 46 Wohnungen wurden durchsucht, 139 Kleidungsstücke beschlagnahmt und auf Brandspuren untersucht. Durch die 46 Computer und 39 Handys, die konfisziert wurden, gelangten die Beamten an Bilder von der Party, erhoben die Verbindungsdaten der zur Tatzeit geführten Telefonate und konnten den Ablauf rekonstruieren.

Wer Tat begangen hat, lässt sich nicht beantworten

Wer Tat begangen hat, lässt sich nicht beantworten

Seinen Ausgang nahm das Ganze demnach unterhalb der Waldorfschule Engelberg, auf einem Feldweg zwischen den beiden Festen - jener Grillparty mit türkisch- und italienischstämmigen Migranten auf der einen und der Geburtstagsfete der rechten Gruppe auf der anderen Seite. Ein Autofahrer der Geburtstagsparty fuhr mit hohem Tempo auf einige Migranten zu, diese sprangen zur Seite, einer der jungen Männer trat gegen den Kotflügel des Autos und beschädigte es.

Später informierte ein Insasse dieses Honda per Handy die anderen Geburtstagsgäste. Eine größere Gruppe stürmte später in Richtung Grillparty, traktierte ein Opfer mit Faustschlägen und Fußtritten, so dass dieses wegen der Verletzungen später vier Tage stationär behandelt werden musste.

Fünf Jugendliche flüchteten in die Hütte, die kurz danach "Feuer fing", wie der Leiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Siegfried Mahler, es umschreibt. Erst in letzter Sekunde und durch Zureden eines Notrufbeamten, den die verängstigten jungen Türken angerufen hatten, gelang dem Quintett die Flucht. Sie erlitten nach Mahlers Angaben "leichte Verletzungen".

Staatsanwalt: "Es gibt Taten, die man nicht aufklären kann"

Doch wer hat die Tat begangen? Für Mahler ist dies "die Kernfrage". Doch genau die "lässt sich nach derzeitigem Stand nicht beantworten". Denn Gäste der rechten Geburtstagsparty schweigen großteils. Die Opfer wiederum konnten in der Dunkelheit nur wenig erkennen. "Geständnisse liegen nicht vor", sagt Irmhild Weiß.

Sie gehe davon aus, dass das Trio bis in etwa zwei Monaten angeklagt wird, "ob es zu einem Urteil kommt, kann ich nicht voraussehen". Mahler gibt sich jedenfalls überraschend zurückhaltend: "Im Rechtsstaat müssen Sie sichere Nachweise führen. Es reicht am Ende nicht, wenn die Spuren nicht genügen und man die Brandsetzung nicht bestimmten Personen nachweisen kann."

Fazit: "Es gibt Taten, die man nicht aufklären kann." Ob der Brandanschlag von Winterbach dazugehört, wird wohl erst die anstehende Gerichtsverhandlung ans Licht bringen.