Der Winterdienst ist – auch – in Bad Wildbad ein hartes Geschäft. Für Baubetriebshofleiter Samuel Mostroph und seine Mitarbeiter fängt dabei jeder Tag sehr früh an.
Der Winter kommt. Das dürfte spätestens nach dem vergangenen Wochenende klar sein. Der erste zarte Schneehauch war da, zudem drohten Blitzeis und Eisregen. Wichtig ist da, dass der Winterdienst gut funktioniert. In Bad Wildbad ist man für den diesjährigen Winter gerüstet.
„Die topographische Lage ist für uns eine Herausforderung“, erzählt Samuel Mostroph, der Leiter des Bad Wildbader Baubetriebshofs, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fügt aber auch an: „Wir wissen aber mittlerweile damit umzugehen.“ Schließlich mache man das schon seit Jahren.
Nicht nur die Topographie mit den Höhenlagen auf dem Sommerberg und in den Höhenorten ist dabei ein Problem, sondern auch das große Gebiet, das der Bad Wildbader Winterdienst abdecken muss. Denn das reicht vom Ortseingang Calmbach bis zur Rehmühle – und das nicht auf dem direkten Weg über die B 294 sondern durch das Stadtgebiet und über Aichelberg.
83 Kilometer Räum- und Streustrecke
Allein diese Strecke zwischen den beiden am weitesten entfernten Punkten ist 17 Kilometer lang. Insgesamt beträgt die Räum- und Streustrecke 83 Kilometer. Für dieses große Gebiet sind 20 Mitarbeiter mit Räumfahrzeugen im Einsatz, vier davon sind in Calmbach unterwegs, so Mostroph weiter. Zusätzlich sind noch acht Personen als Handtrupps zu Fuß im Einsatz, die sich um Treppen, Gehwege, Schultreppen, Bahngleise und Bushaltestellen kümmern.
In zwei Wochen soll der neue Unimog geliefert werden. Da der alte zunächst weiter im Dienst bleiben soll, hat der Baubetriebshof erst einmal drei Unimogs im Einsatz. Das zusätzliche Fahrzeug ist auch nötig. Denn bislang war der Winterdienst in den Höhenorten an eine Fremdfirma vergeben. Doch diese Leistung wurde jetzt vom Gemeinderat neu ausgeschrieben und bis das wieder vergeben ist, „machen wir das selber“, so Mostroph.
Bad Wildbader Salzlager ist voll
Mostroph und seine Mitarbeiter sind für die Wintersaison gerüstet. Dafür sorgt auch ein prall gefülltes Salzlager mit 220 Tonnen loser Ware plus 50 bis 60 Tonnen Sackware für das Handpersonal. „Wir kaufen immer im Sommer Salz ein“, erläutert Mostroph. Da sei es „deutlich günstiger als jetzt“. Im Sommer koste eine Tonne etwa 60 Euro, „jetzt circa 80 Euro“.
Während viele Kommunen mittlerweile auf eine Sole, also ein flüssiges Salz-Wasser-Gemisch, setzen, bleibt es in Bad Wildbad beim Streusalz. „Die Sole hat bei unserer topographischen Lage mit vielen Steillagen keinen Wert“, sagt Mostroph. Denn die laufe an den steilen Hängen zu schnell weg, „das Salz bleibt liegen“.
„Für uns ist Salz einfach effektiver“ und seiner Meinung nach sei auch die Wirkung besser. Diese Wirkung entfacht das Streusalz durch die Bewegung dann übrigens am besten, wenn Verkehr herrscht. „Je mehr gefahren wird, desto besser wirkt es“. so der Baubetriebshofleiter.
Meteorologe liefert präzise Wettervorhersage
Die Stadt investiere zudem „viel Geld pro Saison“ in die Wettervorhersage. Ein Meteorologe schickt jeden Morgen die aktuelle Prognose für die kommenden vier Tage mit einer stündlichen Vorhersage für 450 und 700 Höhenmeter. Geliefert werden dabei auch Luft- und Straßentemperaturen, Taupunkt und die Menge und Art der Niederschläge. „Das kostet viel Geld, aber es amortisiert sich, weil ich die Rufbereitschaft viel präziser anordnen kann“, ist Mostroph überzeugt.
Er erklärt, dass die Mitarbeiter normalerweise bis 16 Uhr im Einsatz sind. Die gesetzliche Räum- und Streupflicht dauere aber bis 21 Uhr. Das wird über eine Rufbereitschaft geregelt. Ohne diese Prognose müsste er die Arbeiter „ins Blaue hinein“ in Rufbereitschaft versetzen, die dann im Zweifel „abflugbereit“ warten und nicht benötigt werden. Diese Rufbereitschaft sei „sehr teuer“. Das Programm sei hingegen sehr präzise, Mostroph nennt eine Genauigkeit von 98 Prozent.
Regelmäßige Kontrollfahrt durch Bad Wildbad
Doch nur auf das Programm kann und will sich Mostroph dann doch nicht verlassen. Deshalb wechseln sein Stellvertreter Timo Seeger und er sich ab und machen „abends eine kleine Kontrollfahrt und checken die Lage“, wenn sich ein ungutes Gefühl einschleicht. Das machen sie hauptsächlich auf dem Sommerberg und in den Höhenorten, „denn die können wir nicht einsehen“.
Um 3.30 Uhr fährt dann ein Frühdienst mit dem Dienstwagen von zu Hause los und kontrolliert die Straßenverhältnisse. Das, so erklärt Mostroph, seien alles erfahrene Leute und „je nach Einschätzung der Lage ruft er mich an“. Oder eben auch nicht. „Wenn was ist, klingelt zwischen 3.45 und 4 Uhr mein Telefon“, sagt er und fügt an: „Über den ganzen Winter. Das ist kein Zuckerschlecken.“
Überstunden lassen sich nicht immer vermeiden
Wenn so viel Schnee liegt oder es so glatt ist, dass der Frühdienst es mit seinem Fahrzeug nicht schafft, ruft Mostroph die Leute an, die er in Rufbereitschaft versetzt hat und sagt ihnen, was zu machen ist. In der Regel seien die dann eine halbe Stunde später da und gegen 4.30 Uhr „geht es dann tatsächlich los“. Wenn es irgendwie geht, schaut er, „dass die Leute nach acht Stunden heim können“. Überstunden ließen sich aber nicht immer vermeiden.
Der Baubetriebshofleiter macht dabei keinen Hehl daraus, wie stolz er auf seine Mannschaft ist: „Das ist für die eine Selbstverständlichkeit, dass sie da sind. Jeder ist zuverlässig, es ist eine richtig gute Truppe. Ich kann auf jeden Einzelnen zählen, dafür bin ich echt dankbar.“
Manchmal liegen auch die Nerven blank
Er weiß auch, dass sie ein „großes Opfer“ bringen und es auch für deren Frauen und Kinder schwierig sei, die oftmals ebenfalls wach würden, wenn das Telefon klingt. Über die Wintermonate würden sie auch freiwillig auf Urlaub verzichten. Mostroph ist deshalb dankbar: „Die Mannschaft steht hinter mir, das funktioniert Bombe.“ Auch, wenn sie mal von morgens 4 bis abends 21 Uhr, vielleicht mit ein, zwei Stunden Pause, da seien. Diese Ausnahme gebe das Arbeitsschutzgesetz zum Glück her.
Aber natürlich sei der monatelange Einsatz hart. „Im Februar liegen bei manchen auch mal die Nerven blank“, erzählt er. Auch an ihm selbst gehe es nicht spurlos vorbei, wenn er von November bis April „jede Nacht spätestens ab 3.30 Uhr wach“ sei. Auch deshalb sei er dankbar für seinen sehr guten Stellvertreter, „der mir viel abnimmt“.
Deutlich geändert habe sich übrigens die Schneemenge in den vergangenen 15 Jahren. Es gebe bei weitem nicht mehr so viel Schnee wie früher. In den vergangenen zwei Jahren etwa habe sich der Schnee in Grenzen gehalten, „aber das Glatteis war sehr extrem“. Auch wenn es also weniger Schnee hat, die Arbeit macht das nicht einfacher. Glatteis sie vor allem für die Handtrupps ein sehr hohes Risiko und deutlich gefährlicher als Schnee wegräumen. Und es sorgt wohl auch nicht dafür, dass Mostroph in den Wintermonaten künftig länger schlafen kann.