Das Ehepaar Andreas und Sabine Heim diskutiert mit Richard Ziefle (rechts) über den geplanten Bau von Windrädern bei Igelsberg. Foto: Hannes Kuhnert

In Igelsberg wächst die Sorge um die Trinkwassersicherheit: Sabine und Andreas Heim warnen vor möglichen Folgen des geplanten Windparks Trischelwald für die örtlichen Quellen.

„Strom können wir nicht trinken“, sagt Sabine Heim aus dem Freudenstädter Stadtteil Igelsberg. Mit ihrem Mann Andreas Heim fürchtet die gebürtige Igelsbergerin um die Sicherheit des Trinkwassers für ihre Familie, ihre Kinder und Kindeskinder und für den Ort, in dem sie einst Ortschaftsrätin war. Angst macht dem Ehepaar der Windpark Trischelwald, der mit vier Windrädern nahe Igelsberg gebaut werden soll. Inzwischen sind die Heims mit ihren Sorgen nicht mehr allein.

 

Bei einer Exkursion zum Trischelwald und zum Geißenbrünnle erläuterten Sabine und Andreas Heim rund 20 interessierten Bürgern ihre Bedenken, die auf gründlichen Recherchen und sorgfältig zusammengestellten Daten beruhen. „Wir wollen den Entscheidern ihre Verantwortung bewusst machen“, sagt Andreas Heim.

Sorgen um das Trinkwasser

Auslöser war letztlich eine Amtliche Bekanntmachung des Landratsamt Freudenstadt vom 16. Oktober, die über den Bauantrag der Firma „ATE Windpark Trischelwald“ mit Sitz in Kleineckertsfeld, die im Bereich Trischelwald vier Windenergie-Anlagen errichten will. Je zwei auf Gemarkung Freudenstadt-Igelsberg und Baiersbronn-Röt.

Sorgen um die Trinkwasserversorgung

Es werde nun befürchtet, dass die Windräder die Trinkwasserversorgung des Ortsteils gefährden könnten, zumal nicht weit entfernt derzeit acht Windanlagen bei Besenfeld gebaut werden und weitere zwei beim Hilpertsberg geplant sind.

Ähnliche Befürchtungen bestehen bei der Wasserversorgung Kleine Kinzig in Alpirsbach. Auch dort sorge man sich, dass bei Bau und Betrieb oder bei Schäden an den über 240 Meter hohen Windanlagen Abrieb, Öl und andere giftige Stoffe ins Grund- und Trinkwasser gelangen und damit die Wasserversorgung gefährden könnten.

Windräder nahe des Quellgebiets geplant

Igelsberg ist an keine Fernwasserversorgung angeschlossen, bekommt das Wasser für etwa 300 Einwohner, 200 Großtiere in der Landwirtschaft und etwa 8000 Gästeübernachtungen jährlich ausschließlich aus eigener Quelle, im Quellgebiet des Bernbachs. „Die Windräder sind in der Wasserschutzzone III vorgesehen, jedoch sehr nahe an der Wasserschutzzone II, wo keine Windräder erlaubt sind“, so Andreas Heim im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ein geplanter Windrad-Standort ist nur 40 Meter vom Quellgebiet Geißenbrünnle entfernt“. Darauf wurde die Familie Heim von Richard Ziefle aufmerksam gemacht – als ehemaliger Wassermeister ein Experte in Sachen Trinkwasser und als langjähriger Jäger mit dem Gebiet vertraut. Sie bemängeln, dass in den bisherigen Gutachten kleine Seen, Bachläufe und Moorgebiete gar nicht berücksichtigt seien.

Familie hat klare Forderung

Der Bauantrag der Firma „ATE Windpark Trischelwald“ ist derzeit im mehrstufigen Genehmigungsverfahren. Dazu haben die Stadtwerke Freudenstadt und die Wasserversorgung Schwarzbrunnen mit Sitz in Pfalzgrafenweiler ihre Stellungnahmen mit Hinweis auf die Quellgebiete abgegeben.

Familie Heim selbst hat beim Landratsamt Einwendungen gegen den Bauantrag eingereicht und auf zehn Seiten ihre Gründe dargelegt, untermauert von hydrologischen Aufzeichnungen. Eine Liste mit Unterstützer-Stimmen soll nachgereicht werden.

Dazu formulieren die Absender klare Forderungen: Wir fordern die Grenzen der Wasserschutzzone II bis an die Wasserscheide der Bergrücken anzupassen. Wir fordern umfangreiche Färbversuche, um den Verlauf des Quellwassers nachverfolgen zu können.