Einige leere Kabeltrommeln sind unweit des Donaueschinger Senders aufgereiht. Solarcomplex hat mit den Vorbereitungen für den Bau der Windanlagen auf der Länge begonnen. Foto: Ann-Kathrin Moritz

Sechs Windräder sollen auf der Länge entstehen. Das Gericht muss aber noch über die Klage entscheiden. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, ist unklar.

Im Windpark auf der Länge tut sich etwas. „Bauvorbereitende Maßnahmen“ nennt Vorstand Bene Müller die Arbeiten, die Solarcomplex derzeit auf dem Höhenzug Länge zwischen Donaueschingen und Hüfingen ausführen lässt. Das Singener Unternehmen plant dort bereits seit dem Jahr 2015 den Bau von sechs Windrädern. Bis Ende des Jahres will Solarcomplex nun die Kabel zwischen den künftigen Anlagen verlegen und die Wege für den Bau vorbereiten. Nach dem Winter soll dann der Kabelanschluss bis nach Blumberg erfolgen.

 

Das Unternehmen wird etwa acht Kilometer Kabel verlegen, sagt Lothar Tiburski, der als Bauleiter vor Ort für das Projekt verantwortlich ist. Dabei gehe man „möglichst umweltschonend“ vor, sagt er und beschreibt den Mechanismus: Mit einem Schwert, das 1,20 Meter tief in den Boden reicht, werden drei große Kabel sowie ein Lehrrohr in den Boden eingezogen. Hinzu kommt Sand, der die Kabel künftig im felsigen Boden vor Schäden schützen soll. Wie der Bauleiter betont, werde auf diese Weise der Boden nicht komplett aufgegraben.

Wege werde verbreitert

Auch die Wege werden für den Bau vorbereitet. Jene Strecken, die künftig für Bau- und Lastfahrzeuge als Einfahrt in das Windpark-Gebiet dienen, müsse Solarcomplex von 3,50 Meter Breite auf 4,50 Meter erweitern, erklärt der Bauleiter. Dafür mussten laut Bene Müller am Standort eines der geplanten Windräder „einzelne Bäume entnommen werden“, da sich zum Teil der Kurvenradius leicht verändert habe. Diese habe man im August „nach Absprache mit der Forst- und Naturschutzbehörde und der Umweltbaumbegleitung“ gefällt. Im Zuge der aktuellen Maßnahmen ab September seien keine weiteren Fällungen notwendig. Wie Bauleiter Tiburski erklärt, müssen die Wege zusätzlich verdichtet und geschottert werden. Letzteres gelte auch für die Wege, die künftig als Ausfahrt dienen sollen. Eine Verbreiterung sei hier jedoch nicht notwendig.

Baufahrzeuge warten auf einer Wiese in der Nähe des Senders Donaueschingen auf ihren Einsatz bei den vorbereitenden Maßnahmen des Windparks Länge. Foto: Ann-Kathrin Moritz

Angelika Sitte aus Blumberg kritisiert das Vorgehen des Unternehmens Solarcomplex. Schließlich habe der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim noch nicht über die Klage entschieden, die der Verband Naturschutz-Initiative gegen die Baugenehmigung des Windparks eingelegt hat. Sitte ist als Regionalsprecherin des Verbandes aktiv. Sie wisse zwar, dass die Klage keine „aufschiebende Wirkung“ habe, sagt Sitte – die Baugenehmigung des Windparks bleibt solange bestehen, bis der Klage stattgegeben werden sollte. „Aber es wurde ja schon eingegriffen, indem man die Wege verbreitert. Angenommen die Klage geht durch, muss man die Dinge ja auch wieder rückgängig machen“, sagt Sitte. Auch sind aus ihrer Sicht im August „mehr als einzelne Bäume“ auf dem Gelände gefällt worden. „Das Singener Unternehmen hätte das Urteil abwarten sollen“, kritisiert sie.

„Das Singener Unternehmen hätte das Urteil abwarten sollen“, sagt Angelika Sitte, Regionalsprecherin des Verbandes Naturschutz-Initiative. Foto: Bernhard Lutz

Bene Müller betont dagegen, dass sich die Gesellschafter auf Grundlage der bestehenden Baugenehmigung für die Vorbereitungen entschieden hätten, um nach einem potenziellen Erfolg vor Gericht möglichst schnell mit der Errichtung der Anlagen beginnen zu können. Wann es soweit sein könnte, ist laut Müller weiterhin unklar. Die Baugenehmigung liegt zwar seit Februar vor und die notwendigen Flächen sind bereits gerodet. Doch wartet das Unternehmen mit dem eigentlichen Bau auf die Entscheidung des Mannheimer Gerichts. In einer Pressemitteilung im März hatte der Verband Naturschutz-Initiative seine Entscheidung für die Klage mit dem Schutz von Fledermäusen und verschiedenen Vogelarten, insbesondere des Rotmilans, begründet. Auch weise die Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung „erhebliche Mängel auf, die im Einzelnen mit der Klagebegründung vorgetragen werden“, schrieb der Verband.

Nichts vom Gericht gehört

Im März zeigte sich Solarcomplex-Vorstand Müller noch optimistisch, dass das Urteil noch im Laufe dieses Jahres erfolgen könnte. Das hat sich inzwischen geändert: Bislang habe sein Unternehmen nichts vom Gericht in Mannheim gehört, sagt Müller nun. Eine Entscheidung bis Jahresende halte er deshalb für unwahrscheinlich. So auch einen Baubeginn im Frühjahr 2024, den er im März als Wunsch geäußert hatte. Der Bau des Windparks ist laut Müller noch nicht beauftragt: „Da warten wir ab, wie das Gericht entscheidet.“ Grundsätzlich in Gefahr sieht er das Projekt aber nicht – selbst wenn das Gericht etwas an der Baugenehmigung auszusetzen hätte.

Bene Müller, Vorstand und Sprecher von Solarcomplex, rechnet nicht länger mit einer Urteilsverkündung im laufenden Jahr. Foto: Solarcomplex

„Wenn wir davon ausgehen würden, hätten wir mit den Bauarbeiten nicht begonnen“, sagt der Vorstand. „Wir werden ja in diesem Bundesland definitiv weitere Windkraftanlagen benötigen und insofern gehe ich davon aus: Irgendwann werden die gebaut.“

Das plant Solarcomplex

Das Singener Unternehmen
plant auf der Länge bei Hüfingen den Bau von sechs Windrädern mit einer Leistung von je 5,7 Megawatt. 60 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr sollen die Anlagen künftig erzeugen. Rein rechnerisch könnte damit laut Vorstand Bene Müller etwa der gesamte private Stromverbrauch der Menschen in Donaueschingen, Hüfingen und Blumberg gedeckt werden. Ob der Bau losgehen kann, muss allerdings ein Gericht entscheiden.