Ein Windrad auf Rottenburger Gemarkung steht in der Nähe von Ergenzingen. Foto: Baum

Ob in Rottenburg zwischen Hailfingen, Seebronn und Oberndorf ein Windpark entstehen soll und kann, darüber diskutierte am Dienstagabend der Gemeinderat.

Rottenburg - "Zugegeben: Die Dinger sind hässlich und versauen unsere Landschaft", meinte Stadtrat Jörn Heumesser in der Diskussion. Doch trügen die Windparks zur Energieversorgung mit alternativen Energien bei. Man dürfe beim Thema Energie Windkraft "nicht nur zuschauen". Die Freien Wähler und Freien Bürger unterstützten die Umsetzung der geplanten Windkraftanlagen. Er vermisse in der Diskussion noch die unter 20-Jährigen, "es muss sich eine Bürgermeinung bilden". "Und da muss das Ja ganz klar lauter sein als das Nein", so Jörn Heumesser. "Unsere Fraktion hat ein klares Ja zur Windkraft aus Klimagründen."

Transformation zum Energieerzeuger bei den Stadtwerken

Michael Bay als Mitglied des Aufsichtsrats der Stadt Rottenburg betonte, er beschäftige sich mit der Zukunft der Stadtwerke und ihrer Mitarbeiter. Es gebe derzeit eine Transformation zum Energieerzeuger bei den Stadtwerken. "Strom, Wasser und Wärme soll 365 Tage im Jahr zur Verfügung stehen", meinte Bay. Man habe sich Gedanken zum Windpark gemacht. Die CDU stelle sich der Verantwortung für die Stadt Rottenburg und befürworte den Windpark. Emanuel Peter (Linke) betonte, man befinde sich am Anfang eines längeren Diskussionsprozesses. Der Energiehunger sei auch in Rottenburg groß, aber die Linke setze sich für einen "ergebnisoffenen Dialog" ein. Schade sei, dass beim Dialogprozess bestimmte Fraktionen oder Listen ausscheiden, "nur die großen Fraktionen dürfen daran teilnehmen". Man müsse alle Möglichkeiten der alternativen Energien ausloten, etwa auch PV-Anlagen entlang von Straßen.

Grüne freuen sich über das Projekt

Joachim Herbst (Grüne) betonte, dass sich seine Fraktion über das Projekt Windpark freue. Er erinnerte daran, dass "mit dem heutigen Tag alle Ressourcen für Deutschland bereits verbraucht sind". Man könne mit dem Windpark zwar nicht die Welt retten, "aber das Sankt Floriansprinzip ist unehrlich". Es bestehe die Gefahr, dass Unternehmen in den Norden abwandern, da sie hierzulande nicht die benötigte Energiemenge bekämen. Auch der Ukraine-Krieg habe die Notwendigkeit der eigenen Energieerzeugung verstärkt. Rottenburg leiste mit dem Windpark einen "Beitrag zum Klimaschutz". Er sei ein wichtiger Schritt "auf dem Ziel von Rottenburg zur klimaneutralen Stadt".

Die Gegner des Windparks forderte Joachim Herbst auf, ihre Gegenargumente mit Respekt vorzutragen. "Wir dürfen uns aber vom Gegenwind nicht aus der Bahn werfen lassen." Die Anlagen würden saubere Energie erzeugen, "es sollte ein fairer Preis für die Bürger herausspringen". Die Fraktion der Grünen unterstütze das Windpark-Projekt.

Viele Gemeinderäte sprachen sich für den geplanten Windpark aus, doch bereits in der Bürgerfragestunde erntete das Windpark-Projekt erheblichen Gegenwind. So forderte etwa ein Bürger, dass eine entsprechende Bürgerbeteiligung im Vorfeld angebracht gewesen wäre. Bürgermeister Hendrik Bednarz verteidigte das Windpark-Projekt und auch den Zeitplan für den ergebnisoffenen Energiedialog. So sei der Windpark nicht zuletzt ein kommunaler Beitrag zum Klimaschutz. Die Windenergie sei die alternative erneuerbare Energie mit dem geringsten Flächenverbrauch. Allein mit Photovoltaikanlagen lasse sich der externe Energiebedarf in Rottenburg nicht decken. Ohne Windenergie gebe es keine CO2-Neutralität.

Bürger drücken Zweifel aus

Ein zweiter Bürger zeigte sich "erschreckt über den geplanten Windpark und die Höhe der Turbinen". Rottenburg solle nicht zugepflastert werden mit Windkraftanlagen. Eine Bürgerin meinte, dass Windkraft nicht harmlos sei – es gebe diesbezüglich gesundheitliche Bedenken, etwa durch die Gefahr des Intraschalls. Oberbürgermeister Stephan Neher verwies auf eine Bürgerversammlung, bei der diskutiert werden könne. In der Bürgerfragestunde dürften nurmehr Fragen gestellt werden.