Es dreht sich was: Die fünf Windräder auf dem Hohfleck in Sonnenbühl sind in Betrieb gegangen. Jetzt folgt die Renaturierung der Flächen. Am Samstag kann man die Anlagen besichtigen.
Bei klarer Sicht kann man die Windräder im Windpark Hohfleck in Sonnenbühl tatsächlich von Tübingen aus sehen. Und erst recht etwa vom Salmendinger Kornbühl aus. Von dort wirkt es auf den ersten Blick, als habe sich der 30 Jahre alte Bestand von drei Rotoren auf dem Melchinger Himmelberg vermehrt. Aber nein, der Zuwachs gehört nach Sonnenbühl hinüber. Weil die neu errichteten Masten sich 125 Meter in den Himmel strecken (hinzukommen die Rotoren mit 150 Meter Durchmesser), wirkt es trotz der Entfernung, als befänden sie sich auf einer Ebene mit den weitaus kleineren in Melchingen.
Seit einigen Tagen ist der Sonnenbühler Windparks in Betrieb. Begonnen hatte der Bau im September 2023 mit dem Spatenstich bei Undingen. Vorausgegangen waren indes jahrelange Planungen und das Genehmigungsverfahren. Projektiert wurde der Bau von der Sowitec, die auch den Melchinger Windpark realisierte. Betreiber sind die Stadtwerke Tübingen (swt).
Immer wieder Verzögerungen
Kurzzeitige Verzögerungen gab es immer wieder aufgrund starker Winde, durch die der Einsatz der speziellen Großkräne unterbrochen werden musste – „eine Herausforderung in der Bauphase, aber ein gutes Zeichen für viel Windertrag auf der Schwäbischen Alb“, heißt es vonseiten der Stadtwerke. Im Februar 2026 wurde nun das fünfte und damit letzte Windrad fertiggestellt.
Damit der Strom ins Netz eingespeist werden kann, erfolgten zwischen Herbst 2025 und diesem Frühjahr die letzten Schritte mit der Netzanbindung: Über eine rund sieben Kilometer lange Leitungstrasse fließt die erzeugte Erzeugte Energie in ein dafür eingerichtetes Umspannwerk.
Julian Klett, Abteilungsleiter für „Erneuerbare Energien“ bei den Tübinger Stadtwerken und zuständiger Projektleiter des Windparks, erklärte bei einem Termin gegenüber unserer Zeitung: „Man kann sich das hier vorstellen wie eine Einspeisesteckdose.“ Genauer gesagt verbänden Umspannwerke die verschiedenen Spannungsebenen im Stromnetz miteinander und fungierten somit als sogenannte Knotenpunkte im Stromnetz. „Ihre Hauptaufgabe ist es, die Spannung des Stroms umzuwandeln, damit er über verschiedene Netzebenen transportiert werden kann.“ Gebaut wurde das Umspannwerk für den Windpark Hohfleck, doch künftig könnte auch der Windpark Trochtelfingen angeschlossen werden.
Ein paar Meter machen einen Unterschied
Anders als erwartet ist es unter den Anlagen an diesem Tag absolut windstill. Auch sonst könne es vorkommen, so erklären Klett und der Sowitec-Projektleiter Steffen Mauser, dass Besucher nicht viel vom Wind mitbekommen, die Windräder sich aber trotzdem drehen. „Die obere Blattspitze erreicht 1073 Meter“, sagt Klett. Ein paar Meter machten durchaus einen Unterschied, betont Mauser. Er erinnert sich an eine Baustellenbesichtigung vergangenen November: Unten war es windstill. Der Kran konnte wegen des Windes trotzdem nicht arbeiten.
Auch der Innenausbau ist abgeschlossen. Zur ovalen Eingangstür, die der eines Flugzeugs gleicht, führt eine kleine Treppe mit 14 Stufen. Im Inneren ragt eine „Notleiter“ in die Höhe. „Wenn der Lift mal nicht geht.“ In fünf bis zehn Minuten bringt der Aufzug Bauarbeiter zur Spitze. Befördern kann er nur eine Person samt Material.
Fünf Hektar Wald gerodet
Ein Hektar Wald wurde pro Windrad gerodet. Jetzt ist der Rückbau an der Reihe. Das Gelände des Windparks ist nachher für jedermann frei zugänglich. „Die Montagefläche wird zurückgebaut“, erläutert Mauser. Die Rüstfläche dagegen nicht, sie bleibe bestehen, falls etwa ein Kran anfahren müsse für Reparaturarbeiten. Begrünt wird sie dennoch. Dabei erfolgt die Renaturierung in Abstimmung mit der Forstbehörde. Klimaresistente Bäume sollen angepflanzt werden: Laub- und Mischwald sowie Sträucher für die Haselmaus. „Und es entstehen Lichtungen – auch fürs Wild“, fügt Klett hinzu.
Burladingen in den Startlöchern
Beim benachbarten Himmelberg handelt es sich um den ersten und ältesten Windpark Baden-Württembergs. Sein Ertrag ist mit heutigen Anlagen nicht zu vergleichen. Trotzdem sollen sich die Rotoren weiterdrehen – zumindest bis eine Reparatur anfällt, die nicht mehr im Verhältnis zu Kosten und Nutzen steht. Ein Teil der Bevölkerung sieht die Anlage weiterhin kritisch, ein anderer hat sie regelrecht liebgewonnen. Die Windräder sind zum Wahrzeichen Melchingens geworden.
In Burladingen plant der Energieversorger EnBW drei weitere Windparkstandorte mit insgesamt zehn Anlagen. Die Stadt unterzeichnete den Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen im Jahr 2020. Planung und Genehmigung ziehen sich seither hin. Nach der letzten Aussage des Unternehmens werden dieser Tage die letzten, zusätzlich geforderten Unterlagen – eingereicht. Man hofft auf die Genehmigung vonseiten des Landratsamtes. Bei einer Zusage könnte die Erschließung 2027 beginnen, die zehn Windräder Vestas V162 im darauffolgenden Frühjahr erstellt werden.
Weitere Infos zum Windpark Hohfleck
Februar 2022:
Die SWT beteiligen sich über ihre Tochtergesellschaft Ecowerk mit 50 Prozent am Projekt. Februar 2023:
Der Projektierer Sowitec rodet die benötigten Flächen. Juni 2023:
Ecowerk übernimmt 100 Prozent der Anteile. Die SWT wird zum alleinigen Besitzer des Windparks. September 2023:
Offizieller Spatenstich
Der prognostizierte Jahresertrag
des Windparks liegt laut SWT bei rund 41 Millionen Kilowattstunden – genug, um rechnerisch den Bedarf von Sonnenbühl zu decken und auch die Nachbargemeinde Engstingen zu versorgen.
Tag des offenen Windparks
Am Samstag, 9. Mai,
von 13 bis 17 Uhr wird auf dem Hohfleck gefeiert. Besucherinnen und Besucher können die Türme zweier Windkraftanlagen besichtigen und mit VR-Brillen virtuell in die Gondel einer baugleichen Vestas-Windkraftanlage aufsteigen. Dazu gibt es Infostände, Mitmachangebote und Bewirtung.
Die direkte Anfahrt
zum Veranstaltungsgelände ist nicht möglich. Es gibt kostenlose Shuttlebusse vom Traumland/Bärenhöhle, Erpfingen und Genkingen – Undingen – Willmandingen.