Bei der ersten Windkraftanlage müssen noch die Turmteile montiert werden. Foto: Thomas Fritsch

Lange war es still um den Windpark am Kälbling, jetzt soll es jedoch ganz schnell gehen: Alle wichtigen Teile sind geliefert. Am Zeitplan ändert auch eine leichte Verzögerung aufgrund der Wetterverhältnisse nichts.

Es ist nass, kalt und windig, einer der beiden Türme der Windparkanlage auf dem Kälbling in dichtem Nebel verhüllt. Keine guten Voraussetzungen für das Team von Vesta. Der Regen an sich sei kein großes Problem, erklärt Baustellenleiterin Laura Huber. Der Wind stelle ein größeres Problem dar. „Bei einer Windgeschwindigkeit von mehr als neun Metern pro Sekunde fangen die Turmteile an zu schwanken.“ Eine zu große Gefahr für die Techniker, die in luftigen Höhen mit dem Zusammenschrauben des Turms beschäftigt sind.

 

Seit Anfang April sind die Spezialisten von Vesta vor Ort, um die Windkraftanlagen im Auftrag der EnBW fertigzustellen. Das dänische Unternehmen kümmert sich auch um den Transport der Einzelteile, wie etwa bei den spektakulären „Selbstfahrten“ der Rotorblätter durch Calmbach und Höfen. Die EnBW legt die Waldflächen frei und baut die Betontürme. Einzig das Wetter muss noch mitspielen. Trotz erster Verzögerungen bleibt Huber aber positiv gestimmt. „Die Anlagen gehen Anfang Juni ans Netz.“

Die Rotorblätter sind als Letztes dran

Eine der Anlagen ist schon fast zusammengeschraubt. Oben muss nur noch die Nabe angebracht werden, also das Verbindungsstück zwischen der Maschine und den Rotorblättern. Die Blätter werden danach einzeln mit einem Kran befestigt und nicht etwa schon auf dem Boden montiert. Bei einer Länge von knapp 80 Metern und einem Gewicht von 20 Tonnen auch kaum umsetzbar. So groß, dass sie in den Hohlräumen ein mächtiges Echo zurückwerfen. „Schon ein bisschen unheimlich“, scherzt Huber.

Die Rotorblätter werden später einzeln mit der Nabe verbunden. Foto: Thomas Fritsch

Die andere Anlage liegt im Zeitplan etwas zurück. Hier müssen noch die drei Turmteile aus Stahl an die Betonkonstruktion angebracht werden. Mit dem Großkran werden die Teile angehoben, während drei Mitarbeiter in den Innenräumen des bestehenden Turms klettern, um die Konstruktion zusammenzuschrauben.

Die Nabe ist das Verbindungsstück zwischen Maschinenraum und den Rotorblättern. Foto: Thomas Fritsch

Ganze 166 Meter – das entspricht der Nabenhöhe der Anlage – müssen die Mitarbeiter dabei insgesamt in die Höhe steigen. „Die Arbeit schafft nicht jeder“, erzählt Huber beeindruckt. Der Servicelift wird erst installiert, sobald die gesamte Konstruktion steht.

Verlorene Waldfläche ist das kleinere Übel

In dieser Größe kommen die Windräder von Vesta auf eine jährliche Nennleistung von 5,6 Megawatt. Genug, um ein paar Tausend Haushalte mit Strom zu versorgen, bekräftigt Huber. Wie oft sie stillstehen würden? Das kann sie nicht genau beantworten. Sie mache sich aber keine großen Sorgen, vor allem, wenn sie sich die anderen Anlagen in der Region anschaue. „Die drehen sich fleißig.“

Der Kritik, für Windräder müsse zu viel Waldfläche gerodet werden, ist sie sich bewusst. Die zwei Anlagen auf dem Kälbling nehmen etwa drei Hektar Fläche ein. „Wovon 1,5 Hektar wieder aufgeforstet werden“, erklärt sie. Neben den weiteren Ausgleichsflächen, die anderorts stillgelegt würden.

Außerdem sei der Flächenverbrauch im Vergleich zu anderen Erzeugungsanlagen, wie etwa Kohlekraftwerken, deutlich geringer. „Windkraft hat einen sehr guten Ertrag pro Fläche.“ Dass für die Tierwelt eine neue Gefahrenquelle entstehe, sei ihr auch klar. Durch erneuerbare Energien werde der Klimawandel verlangsamt. „Und die Klimaerwärmung ist noch viel schädlicher für die Tiere.“

Das dänische Unternehmen ist weltweit aktiv und gilt als einer der größten Hersteller für Windräder. Das deutsche Hauptquartier befindet sich in Hamburg. Mitarbeiter kümmern sich auch nach Abschluss der Arbeiten in regelmäßigen Abständen um die Inspektion und Wartung der Rotorblätter oder der Verschraubung. Die Windkraftanlagen sind auf eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren ausgelegt.