Patrick Djuga arbeitet als Projektierer für erneuerbare Energien. Er weiß, wie die Branche tickt und was das für Horb bedeutet. Foto: Lück

Patrick Djuga ist in Horb bekannt. Der Mitgründer des Mini-Rock Festivals arbeitet für Windkraftprojektierer und berichtet, wie das Geschäft läuft. Was der Experte für Erneuerbare Energien zum Großen Hau sagt.

Am Dienstag, 23. April, wird der Gemeinderat seine Stellungnahme zu den möglichen Windkraftgebieten abgeben. Umstritten: Der mögliche Standort „Großer Hau“ bei Rexingen. Peter Seiffert, Vize-Verbandsdirektor des Regionalverbands Neckar-Alb, hatte schon im Gemeinderat Starzach gesagt: „Die Projektentwickler für Windparks sind jetzt schon unterwegs auf den Flächen, wo wir Entwürfe haben.“ Auch auf dem Großen Hau?

 

Im Café Reinhardt, dem „Stammlokal“ der Grünen, treffe ich Patrick Djuga. Der Mitbegründer des Mini-Rock Festivals in Horb, der bei der Kommunalwahl für die OGL kandidiert, hatte seit 2010 für den Wiesbadener Windkraftprojektierer Abo Energy in Wiesbaden gearbeitet.

Ist es vorstellbar, dass die Planer schon im Großen Hau unterwegs sind und im Rathaus angeklopft haben, weil die Flächen der Stadt gehören?

Das ist durchaus denkbar. Der Markt für die Windkraftprojektierer ist umkämpft. Es gibt einmal viele kleinere Firmen, die das seit 20 bis 30 Jahren machen. Und die großen Player wie EnBW oder Vattenfall, die erst seit einigen Jahren unterwegs sind. Es gibt nur begrenzt Flächen für Windkraft. Wer sich die gesichert hat, der macht das Geschäft. Ich habe selber mitbekommen: Egal, welchen Grundstückseigentümer du anrufst, du bist schon der Zehnte. Der Run auf die Flächen ist groß, weil der Markt so klein ist.

Das sind die Potenzialflächen für Windkraft auf Horber Gemarkung, die der Regionalverband Nordschwarzwald vorschlägt. Die WF 14 ist der besonders umstrittene Große Hau. Foto: Nabu Horb

Wann startet so ein Run?

Sobald sich ein neues Potenzial durch politische Vorgaben oder von Teilregionalpläne Windenergie andiskutiert werden, dreht sich das Rad in der Akquise der Windkraftprojektierer. Dann machst Du das Geo-Informationssystem auf, legst die Naturschutzgebiete drüber und dann werden die Eigentümer angerufen. Es gibt teilweise sogar – ähnlich wie Makler – Menschen, die nichts anderes tun, als solche Grundstücke zu vermitteln.

Ist die Branche seriös?

Das hört sich teilweise schon ein bisschen nach Glücksrittertum an. Aber: Das Geschäft ist sehr langwierig. Es reicht nicht, die Grundstücke zu haben. Sondern man muss auch den langwierigen Genehmigungsprozess seriös abwickeln – das ist das Aufwendigste an dem Ganzen. Da passiert viel über persönliche Netzwerke. Wenn man als Windkraftprojektierer verbrannte Erde hinterlässt, spricht sich das blitzschnell herum. Das längste Windparkprojekt bei Abo hat elf Jahre gedauert. Dann wurde es beerdigt. Das Geld wird erst gemacht, wenn der schlüsselfertige Windpark an den Betreiber verkauft wird. Die Marge kommt hinten raus mit dem Verkauf. So lange muss der Projektierer alles vorfinanzieren und am Laufen halten.

Die Windkraftfläche 11 ist oberhalb des Industriegebiets Heiligenfeld. Foto: Lück

Wald oder Acker – gibt es da aus Sicht der Projektierer einen Unterschied?

Das sind nicht die einzigen wichtigen Standortfaktoren. Der Arten- und Naturschutz ist ganz wichtig. Projektierer bevorzugen möglichst konfliktfreie Standorte, damit man den Vorlauf mit den Genehmigungsverfahren so kurz wie möglich halten kann. Zu Waldstandorten kann generell sagen: Projektierer suchen möglichst Flächen für Windkraft, wo vielleicht vorher ein Sturm über die Bäume gegangen ist. Und wo vorhandene Wege verbreitert werden können. Jeder Baum, der ausgeglichen werden muss, schmälert die Wirtschaftlichkeit. Das heißt: Allein aus geschäftlichen Gründen sucht man Flächen für Wind oder Solar, die so umweltfreundlich wie möglich sind. Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Wann bekommt der Grundstückseigentümer sein Geld? Wird das Windrad auf jeden Fall zurückgebaut?

Die Verträge laufen in der Regel zwischen 20 und 30 Jahre. Die erste Pacht fließt, wenn der Betreiber übernommen hat. Für jedes Windrad wird ein Rückbau-Bürgschaft – so wie eine Mietkaution – auf ein Sperrkonto einbezahlt.

Horbs Nabu-Vorstand Lambert Straub argumentiert im Großen Hau, warum das Waldjuwel nicht für Windkraft fallen darf. OGL-Fraktionschef Wolf Hoffmann und Gemeinderätin Kristina Sauter hören zu. Foto: Lück

Was sagt Djuga als Fachmann zum Windkraft-Konflikt in Horb? Großer Hau und/oder Acker?

Windkraft im Wald ist nicht so ein heißes Eisen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, den Großen Hau als Windkraftfläche herauszunehmen. Weil das Thema emotional so aufgeladen ist. Und weil Horb den Luxus hat, genügend alternative Flächen für Windkraft zu haben. Die Fläche am Industriegebiet ist viel attraktiver. Weil sie viel geringere Eingriffe benötigt. Und die Bewohner in Altheim sind in der Senke dahinter. Die werden die Windräder wohl kaum sehen.

So kam Patrick Djuga vom Mini-Rock-Festival zu den Erneuerbaren

Mini Rock.
 Patrick Djuga war der erste Vorsitzende des Mini-Rock-Vereins. Er sorgte als Ehrenamtlicher für das Stage-Management der Hauptbühne. Hier traten Stars wie Cro, K.I.Z., Fettes Brot, Kraftklub, Die Orsons oder Moop Mama auf.

Erneuerbare Energie.
 Djuga: „Ich habe in Mainz studiert. Mein Ziel war: Betriebswirtschaft, um ins Veranstaltungsmanagement zu kommen. Im Jahr 2010 habe ich einen Studi-Job in den Erneuerbaren Energien bekommen. So bin ich in der Branche geblieben.“

Was hat er bei Abo Energy gemacht?
Djuga: „Ich habe die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Kurz gesagt: Ich habe mich in Hallen bei Bürgerversammlungen hauptberuflich beschimpfen lassen.“

Versteht er die Windkraft-Ängste?
Djuga: „Man muss sich vorstellen: Die Bürger eines Ortes hören das. Heizen sich gegenseitig auf. Und dann kommt einer in der Person von mir. Auf dem wird die Emotion dann abgeladen. Mir war klar, dass diese Bürger in mir einen Vertreter dieser Firma sahen. Und nicht die Person Patrick Djuga.“

Was war das schönste Erlebnis?
Djuga: „Wir hatten ein Projekt im Taunus. Dort haben wir eine Lehrpfad angelegt. Die FAZ hatte das damals als Tourismus-Highlight bezeichnet. Bei der Einweihung kam eine ältere Frau aus dem Ort auf mich zu und sagte mir: „Den ganzen Menschen im Dort, die gegen Windkraft waren, ist es jetzt peinlich.“

Wird er vielleicht sogar den Windpark in Horb machen?
Djuga: „Die letzten drei Jahre habe ich Solar- und Biogas-Anlagen in Brandenburg entwickelt. Im Juli fange ich wieder als Windkraftprojektierer an. Mal sehen.“