Nicht bremsen, sondern vorantreiben soll man den Ausbau von Windkraft in Baden-Württemberg, meint unser Leser Alexander Rustler aus Zimmern o. R.
Die Diskussion um den Ausbau der Windkraft sollte sich an Fakten orientieren. 2025 deckten erneuerbare Energien rund 56 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland. Die Windenergie war dabei mit etwa 132 Terawattstunden die wichtigste Stromquelle – noch vor Kohle und Gas. Photovoltaik lieferte rund 87 Terawattstunden. Insgesamt erzeugten erneuerbare Energien etwa 278 Terawattstunden Strom.
Diese Zahlen zeigen zweierlei: Erstens tragen Wind und Sonne bereits maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei. Zweitens reicht die derzeitige Erzeugung noch nicht aus, um den steigenden Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Industrie vollständig klimaneutral zu decken.
Besonders Baden-Württemberg hat hier Nachholbedarf. Wie im Schwarzwälder Boten zu lesen, sind bisher nur 803 Windräder in Betrieb.
Als industriestarkes Bundesland mit hohem Stromverbrauch verfügt es bislang über vergleichsweise wenige Windkraftanlagen. Gleichzeitig sieht die bundesweite Zielsetzung bis 2030 mindestens 115 Gigawatt (GW) Windenergie an Land vor – von diesem Ziel sind wir noch deutlich entfernt.
Falsche Feststellungen
Es stimmt auch nicht, dass in Deutschland nur bis 55 GW Wind- und Sonnenstrom genutzt werden können, wie in einem Leserbrief suggeriert: Am Montag, 23. Februar, um 13 Uhr, produzierten laut Agorameter Sonne- und Windkraftanlagen 64,65 GW bei einem Stromverbrauch von 76,26 GW in Deutschland.
Gerade im Winter ist Windkraft unverzichtbar, weil Photovoltaik dann deutlich weniger Ertrag bringt. Die Wiederbelebung von Dinosauriertechnologie wie neuen Kernkraftwerken ist hingegen keine realistische Vision für die vom Bundesverfassungsgericht eingeforderte Klimaneutralität.
Ausbau vorantreiben
Die wäre teuer, langwierig und würde den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien nur verzögern.
Wer Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise und wirksamen Klimaschutz ernst nimmt, muss deshalb den Ausbau der Windkraft – insbesondere im Süden Deutschlands – entschlossen vorantreiben.
Alexander Rustler, Zimmern o.R.Schreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.