Zahlreiche Besucher kamen zum Pro-Wind-Vortrag der „Weltuntergang fällt aus“. Foto: Steinmetz

Referet Jan Hegenberg sieht die Klimaziele in Reichweite. Der Weg dorthin führt über erneuerbare Energien und ein klimaneutrales System.

Die Energiewende ist auf einem guten Weg. Das sagte der Bestsellerautor Jan Hegenberg. Die 3-Täler-Bürgerenergie Sulz, die Initiative Pro Wind sowie das Netzwerk Streuobst und nachhaltiges Sulz hatte ihn zu einem Vortrag eingeladen.

 

Jan Hegenberg schreibt Bücher über die Energiewende. Dass man über das Thema humorvoll reden kann, bewies er bei seinem sehr gut besuchten Vortrag „Weltuntergang fällt aus“ am Freitagabend in der Aula des Albeck-Gymnasiums. Aus seiner Sicht besteht Hoffnung, die Klimaziele zu erreichen, und dies mit erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik.

System muss klimaneutral werden

Dazu braucht es nicht einmal große Verzichtleistungen. Ein bisschen müsse das Leben verändert werden, meinte er, beispielsweise nicht zu viel Fleisch essen. Er selbst versucht, seinen eigenen CO2-Ausstoß zu mindern, aber irgendwann sei Schluss damit. Nur mit Verzicht werde das Klimaproblem nicht gelöst. Man müsse vielmehr das System möglichst klimaneutral umbauen. „Das Schöne ist, wir bauen schon um“, fügte er hinzu.

Energieverbrauch kann bis 2045 halbiert werden

Hegenberg zeigte auf, wie ineffektiv fossile Brennstoffe sind. Bei Kohle würden 40 Prozent in Energie umgewandelt. Bei einem Liter Diesel werde gerade mal ein Viertel der Energie in Bewegung umgesetzt, bei einem Elektromotor seien es dagegen 85 Prozent. Er geht davon aus, dass durch den Umbau des „Maschinenparks“ und der erneuerbaren Stromproduktion der derzeitige Energieverbrauch bis 2045 um mehr als die Hälfte reduziert wird.

Derzeit gebe es 30 000 Windkraftanlagen in Deutschland. Würden sie repowert, also ertüchtigt, käme man mit 40 000 bis 50 000 Anlagen aus. Er widersprach damit Angaben, dass zur Deckung des Strombedarfs alle sechs Kilometer Windparks gebaut werden müssten. Dafür, dass man sich mit Strom unabhängig machen könne, sei der Flächenverbrauch von zwei Prozent eine kleine Sache.

Deutschland wird in wenigen Jahren überholt

Er verglich dies unter anderem mit Golfplätzen. Hegenberg betonte auch, dass Deutschland das Klima nicht allen zu retten brauche. Windkraft- und Solaranlagen tragen, wie er sagte, zu hohen Kostensenkungen bei und erfreuten sich weltweit größer Beliebtheit. Wer hier gut aufgestellt sei, bediene einen weltweiten Markt. Hegenberg: „Die ganze Welt hat gemerkt, dass mit erneuerbaren Energien Geld zu verdienen ist.“ So ist er überzeugt, dass auch in China die Emissionen bald sinken werden. Andere Länder würden Deutschland in zwei bis drei Jahren überholen. Nicht einmal Donald Trump werde den Ausbau erneuerbarer Energien aufhalten können.

Speichermöglichkeiten werden benötigt

Was zur Energiewende auch benötigt wird, sind Speichermöglichkeiten, um Schwankungen bei Wind und Sonne auszugleichen. Hegenberg ist optimistisch, dass auch dieses Problem behoben wird. Das könne sogar schnell gehen, Batterien seinen billiger geworden. Die Zahl der Genehmigungsanträge für Batteriespeicher habe stark zugenommen.

Diskussion als Abschluss

Eine Diskussion schloss sich dem Vortrag an. Ein Dürrenmettstetter beklagte sich, dass in seinem Ort fünf weitere Windkraftanlagen gebaut werden sollen, allerdings auf privaten Flächen.

Eine Kreislaufgesellschaft muss entstehen

Gudrun Wössner, eine bekennende Windkraftbefürworterin, würde sich wünschen, dass die Stadt Sulz durch Verpachtung eigener Flächen die Einnahmen hätte. Angesprochen wurde auch das Recyclingproblem der Rotorblätter. Das, räumte der Referent ein, sei noch ein wunder Punkt, sei in der Branche aber auch ein großes Thema. „Wir müssen uns“, so Hegenberg, „in eine Kreislaufgesellschaft verwandeln.“