Nach ersten Plänen sollen im „Wisoch“ zwischen Beffendorf und Fluorn-Winzeln fünf Windkraftanlagen von beachtlichen Ausmaßen entstehen. Foto: Badenova

Im westlichen Teil des „Wisoch“ werden wohl ohnehin Windkraftanlagen kommen. Jetzt beriet der Oberndorfer Gemeinderat in einer Sondersitzung in Beffendorf über den interkommunalen Windpark – und tat sich mit der Entscheidung nicht leicht.

Soll die Stadt das Gebiet „Wisoch“ für Windenergieanlagen öffnen? Die Frage treibt die Menschen in Oberndorf und Umgebung um. Seit Dienstagabend gibt es eine Antwort. Das Votum des Gemeinderats ist eindeutig – auch, indem es Zweifel widerspiegelt.

 

Mit 13 Ja- und sechs Neinstimmen nimmt das Gremium die Standortanalyse und Ideen der Badenova zur Kenntnis. Gut zwei Drittel der Stadträte sprechen sich mit ihrem Votum auch dafür aus, einen interkommunalen Windpark – ein Teil liegt auf Oberndorfer Gebiet , der größere Teil auf Fluorn-Winzelner Gemarkung – zu planen und zu realisieren.

Badenova ist bevorzugter Partner

Erfolgt ist damit auch die Absichtserklärung, den Stadtwald im „Wisoch“ für die Windenergieanlagen zur Verfügung zu stellen. Und schließlich ermächtigt der Rat die Verwaltung, entsprechende Verhandlungen mit der Badenova aufzunehmen. Der Gemeinderat werde zudem laufend informiert, steht im Beschluss. Es gab keine Enthaltung.

In der Beratung wurden tatsächlich ganz unterschiedliche Argumente – und vor allem auch Beweggründe für die persönliche Entscheidung – aufgeführt. Immer wieder war der jeweilige Diskurs allerdings auch dabei, eine grundsätzliche Diskussion anzustoßen.

Auch Grundsatzthemen klingen an

Notwendigkeit der Energiewende? Effizienz von Windenergie? Ist nicht am Oberndorfer Ratstisch zu entscheiden. Sozialisierung hoher Kosten für Gewinne weniger? Kann sein, kommt auf den Projektentwickler und -betreiber und die Kooperationsvereinbarungen an. Gerade bei der Badenova, dem designierten Projektentwickler, ist das eher kein Argument: Die Dividende geht an die Anteilseigner. Einer davon ist die Stadt Oberndorf.

Und so führt auch eine Argumentationslinie für die kommunale Beteiligung über diese Schiene. Mit dem kommunalen Versorger an der Seite, der auch noch in Vorleistung geht und alles bis zum Rückbau oder Repowering in drei Jahrzehnten verantwortet, lässt sich sicher arbeiten. So zumindest das mehrheitliche Meinungsbild.

Im Oberndorfer Kommunalwald könnte sich die Badenova zwei Windräder vorstellen. Die drei westlichen Standorte sind auf Fluorn-Winzelner Gemarkung.

Und noch ein Bild manifestiert sich. Am Ratstisch – dieser steht am Dienstag übrigens in der Beffendorfer Festhalle, um Information, Diskussion und Entscheidung dort vor großer Öffentlichkeit zu treffen – wo die meisten betroffen sind, sitzt kein glühender Verfechter der Windenergie im Wisoch. Betont oder verneint wird die Notwendigkeit der Nutzung von Windenergie.

Landschaft wird sich verändern

Nicht infrage gestellt wird die Beeinträchtigung des gewohnten Landschaftsbilds und des Walds auch als vielfältiger Lebensraum und Erholungsort. Unterschiede gibt es in der Beurteilung. Für die einen ist dies ein absolutes Ausschlusskriterium, andere bewerten die Möglichkeit, bei der Entwicklung mitbestimmen oder auch einfach nur Geld für den Haushalt sichern zu können, höher.

Apropos Mitbestimmung: Die kann die Stadt immer dann forcieren, wenn es um die Nutzung ihrer Flächen geht. Windkraftanlagen können zunächst überall gebaut werden, wo im Regionalplan Vorrangflächen ausgewiesen sind. Da im „Wisoch“ auf Fluorn-Winzelner Teil Privatgrund vorherrscht, könnten sich Projektentwickler auch direkt an die Eigentümer wenden, um Flächen zu pachten und zu bebauen.

Abgesehen davon: Die Gemeinde Fluorn-Winzeln hatte sich bereits für den Windpark entschieden. Dass – ob mit oder ohne Oberndorfer Beteiligung – dort Windkraftanlagen kommen, ist also mehr als wahrscheinlich.

Valide neue Informationen erst Ende 2026

Nach dem Votum des Gemeinderats wird die Badenova jetzt die natur- und artenschutzrechtlichen Untersuchungen vorbereiten, die eine komplette Vegetationsperiode, also ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen werden. Daraus und aus der detaillierten Windbeobachtung können sich noch Veränderungen bezüglich der Standorte ergeben – oder, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht darstellbar ist, eine Absage an das Projekt.