„In den Verträgen haben wir einen Bürgerstrombonus für die Bürger verhandelt, aber auch die Möglichkeit, dass sich die Stadt oder die Bürgerschaft an einer Windenergieanlage beteiligt“, stellt Bürgermeister Michael Bächle fest. Foto: Stadt Bräunlingen

Der Windpark in Bräunlingen nimmt eine weitere Etappe: Die Verträge mit Kooperationspartnern sind geschlossen.

Die Windkraft kommt nach Bräunlingen. Und zwar nicht nur aus der Steckdose, sondern konkret in Form von ganzen Windkraft-Anlagen, die bei Waldhausen Strom produzieren sollen.

 

„Die Windkraft kommt voran. Wir konnten unsere Forderungen verankern, das Projekt forcieren und auch die Bürgerschaft wird direkt profitieren“, erklärte Bürgermeister Micha Bächle. Im Zuge der Planungen sollen nach aktuellem Stand des Projektes vier Anlagen entstehen. Ursprünglich war man von fünf Anlagen ausgegangen, jedoch ist ein Standort nach Auswertung der Turbulenzberechnungen nicht umsetzbar.

Eine Anlage wird zwischen der Stadt und dem Fürstenhaus Fürstenberg aufgeteilt. Die Pachtkonditionen konnten zudem gegenüber dem Angebot von Oktober 2022 verbessert werden, sodass nun auch die Höhe der Marktpreise für Strom wie auch die Anlagenzahl Berücksichtigung finden.

Bürgerstrombonus für die Bürger verhandelt

Weiter sagte Bächle: „Wir haben Anfang 2024 die Verträge mit dem Konsortium unterschrieben und hoffen, dass das Projekt zügig vorankommt. In den Verträgen haben wir einen Bürgerstrombonus für die Bürger verhandelt, aber auch die Möglichkeit geschaffen, dass sich die Stadt oder die Bürgerschaft an einer Windenergieanlage beteiligen können.“

Ob und wie die Beteiligung erfolgen werde, müsse noch diskutiert werden, es gebe aber bereits erste Ansätze. Wichtig sei jetzt, dass das Genehmigungsverfahren zügig eingeleitet werde, sobald die Gutachten da sind. „Die Anbindung an das geplante Umspannwerk auf dem Bittelbrunn, den dortigen Batteriespeicher und die Freiflächen-Photovoltaik-Anlage machen das Projekt Windpark zu einem besonderen Beitrag zur Energiewende“, führte Bächle weiter aus.

"In Anbetracht der langen Zeit, seit dem Bürgerentscheid, hoffen wir sehr, dass die neuen Investoren in naher Zukunft die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren einreichen." Hendric Schneider, Sprecher der Gruppe Pro Windkraft Foto: Hendric Schneider

Zum aktuellen Stand des Projektes gab Christian Böhm vom Projektentwickler Laoco GmbH folgende Informationen: „Nach aktuellem Stand sind vier Windenergieanlagen (WEA) in der Vorrangfläche vorgesehen. Geplant sind aktuell Anlagen des Herstellers Enercon mit einem Rotordurchmesser von 175 Metern und einer Nabenhöhe von 162 Metern.

Artenschutzrechtliche Untersuchungen abgeschlossen

Im Jahr 2023 wurden die artenschutzrechtlichen Untersuchungen begonnen, die 2024 abgeschlossen werden konnten.“ Zu den Untersuchungen könne er im Detail keine Auskunft geben. Allerdings habe man in der Fläche keine kritischen Arten vorgefunden, „sodass wir im Rahmen des Genehmigungsverfahrens auch keine größeren Hürden durch den Naturschutz erwarten“.

„Da die Preise der geplanten Anlage jüngst eine deutliche Erhöhung erfahren haben, sind wir derzeit nochmals damit befasst, die Wirtschaftlichkeit des Projektes unter Einsatz von WEA anderer Hersteller nochmals zu überprüfen, um dann final den Anlagentyp für das Genehmigungsverfahren festzulegen.“ Sobald diese Festlegung erfolgt sei, könnten die erforderlichen Gutachten in Auftrag gegeben werden, die für den Genehmigungsantrag erforderlich sind.

Bearbeitungszeit von bis zu vier Monaten für Gutachten

Aufgrund der hohen Auslastung der Gutachter erwartet Laoco eine Bearbeitungszeit von derzeit bis zu vier Monaten für einzelne Gutachten. Sobald diese vollständig vorliegen, kann der Genehmigungsantrag beim zuständigen Landratsamt eingereicht und das Genehmigungsverfahren gestartet werden. „Dies wäre dann Ende erstes Quartal, Anfang zweites Quartal 2025 der Fall“, erklärte Böhm.

Und weiter: „Zur Wirtschaftlichkeit möchte ich nur so viel sagen, als dass eine Erhöhung des Anlagenpreises sich nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt. Daher prüfen wir nun, ob durch den Einsatz einer anderen WEA die Wirtschaftlichkeit verbessert werden kann. Andererseits wirkt sich das sich derzeit aufhellende Zinsumfeld wiederum positiv aus.“

Gute Projekt-Partnerschaft mit der Gemeinde

Diese Aussagen wurden auch von Susanne Tauke vom Kooperationspartner Energiequelle GmbH bestätigt. Jens Borchers, Geschäftsführer und Leiter des Projektpartners Forstbetriebe Fürst zu Fürstenberg, erklärte, er gehe davon aus, dass „nicht zuletzt aufgrund der guten Projekt-Partnerschaft zur Gemeinde Bräunlingen das Projekt realisiert werden wird.“

Hendric Schneider, Sprecher der Gruppe „Pro Windkraft“, die sich beim Bürgerentscheid stark für den Bau der Anlagen engagiert hatte, meinte in seinem Kommentar: „Wir verfolgen die Entwicklung nach wie vor mit großem Interesse. In Anbetracht der langen Zeit, seit dem Bürgerentscheid, hoffen wir sehr, dass die neuen Investoren in naher Zukunft die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren einreichen. Wichtig ist uns dabei, dass im Zuge dessen auch die Möglichkeit im Auge behalten wird, eine Beteiligung der Stadt und der Bevölkerung an den Windkrafterträgen zu ermöglichen.“

Kernpunkte

Bonus
Jeder Haushalt in Bräunlingen erhält einen Bürgerstrombonus pro Windkraftanlage. Ziel ist, dass jeder Privathaushalt pro Jahr und Windenergieanlage 10 Euro erhält (aktuelle Planung 40 Euro pro Haushalt) und dies auf eine Laufzeit von circa zehn Jahren.

Andere Investoren
Die Stadt hat die Möglichkeit, auch anderen privaten Investoren aus dem Stadtgebiet, insbesondere einer Bürgerenergiegenossenschaft, eine Beteiligung in einer von ihr gewünschten Höhe ermöglichen.