Die Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb hat den Ausbau der Windkraft beschlossen und verbindlich die Plangebiete festgelegt.
Die Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb hat am Dienstag den Teilregionalplan Windenergie mit großer Mehrheit beschlossen.
32 Vorranggebiete
Der Teilregionalplan weist insgesamt 32 Vorranggebiete für Windenergie mit einer Gesamtfläche von 7035 Hektar aus. Dies entspricht rund 2,78 Prozent der Regionsfläche - das gesetzlich vorgegebene Ziel liegt bei 1,8 Prozent. Davon entfallen 4037 Hektar auf den Landkreis Reutlingen, 1334 Hektar auf den Landkreis Tübingen und 1664 Hektar auf den Zollernalbkreis.
OB Tralmer dagegen
Die überwältigende Mehrheit der Verbandsversammlung hat dem Entwurf zwar zugestimmt, allerdings wurden während der Diskussion auch kritische Stimmen laut. So bekräftigte Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer, dass er nicht zustimmen wird.
Keine Albstädter Flächen
Beide potenziellen Windkraftgebiete auf Gemarkung der Stadt Albstadt sind gestrichen worden. Betont werde zwar, dass der Ausbau der Windkraft „von unten nach oben“ organisiert worden sei, doch es sei seine Stadt, die „ein Veto von oben“ erhielt.
Radar und Hubschrauber
Grund für die Streichung beider Flächen ist militärisch genutzte Radaranlage in Meßstetten und eine Hubschraubertiefflugstrecke, ebenfalls für die Bundeswehr. Tralmer spöttisch: Seit Jahrzehnten beobachte er den Himmel und was dort fliegt, aber „seit 40 Jahren ist es meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass Hubschrauber tief fliegen“.
Juristische Schritte?
Bedrohungen des Landes ließen sich nicht mit Tieffliegern über die Burg Hohenzollern bekämpfen. Tralmer: „Ich bin auf dem Weg, mit dem Verteidigungsministerium eine Lösung zu finden.“ Auch juristische Schritte ziehe er nach wie vor in Betracht.
Noch Änderungen
Wenn sich die Voraussetzungen änderten, könnten auch nachträglich Änderungen am Regionalplan vorgenommen werden, berichtete Verbandsvorsitzender Eugen Höschele. Das letzte Wort für das Windkraftgebiet bei Onstmettingen muss also noch nicht gesprochen sein.
OB Abel dafür
Tralmers Fraktionskollege, Balingens Oberbürgermeister Dirk Abel, betonte indes, dass er persönlich und „große Teile der CDU-Fraktion“ der Teilfortschreibung des Regionalplans zustimmen wollten. Weitere Mitglieder der CDU stimmten neben Tralmer dagegen, nämlich Hermann Erich (Wannweil) und Gerd Gaiser (Reutlingen).
„Heftiges Nein“
Vollständig gegen den Ausbau der Windkraft positionierte sich die Fraktion der AfD. Erik Wille aus Rosenfeld wendet sich mit Blick auf steigende Energiekosten emotionsgeladen an die Spitze des Regionalverbands: „Sie zerstören die Wirtschaft mit diesem Programm.“ Er und die AfD-Fraktionsmitglieder wollten demnach mit einem „heftigen Nein stimmen“. Den Antrag der AfD gegen den Ausbau der Windenergie hat die überwältigende Mehrheit des Gremiums letztlich doch abgelehnt.
„Harte Sicherheitspolitik“
Cindy Holmberg, Landtagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen, begrüßte das Windkraftprojekt. Für sie gehe es um „dezentrale Energieversorgung“ und „knallharte Sicherheitspolitik“.
Zusätzliche Einnahmen
Darüber hinaus bringe die Windkraft den Kommunen zusätzliche Einnahmen - durch Steuern und gegebenenfalls Pacht. Holmberg plakativ: „Wir machen aus Wind Gold und können das Bad im Ort erhalten.“ Die Grünen-Abgeordnete, ganz auf Linie ihrer Partei: „Windkraft schafft ganz viele Arbeitsplätze.“ Die Windkraftanlagen seien eine „echte Wertschöpfung für die Region und für das Land.“
Protest vor der Halle
Auch die Gegner der Windkraft machten in der Kulturhalle Dußlingen einmal mehr von den Zuschauerreihen auf ihre Position aufmerksam. Etwa Walter Müller aus Vaihingen/Enz, Vorsitzender der „Bürgerinitiative gegen Windkraft in Natur- und Kulturlandschaften“. Darin organisiert ist auch die „Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern“, die sich am Tag der Entscheidung mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet hat.
Schriftlicher Protest
Darin heißt es: „Der heutige Beschluss der Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb zur Windindustrieplanung in unserer Region markiert einen schwarzen Tag für die Menschen, die Tiere und die Natur in der ganzen Region Neckar-Alb. Er wird das Gesicht unserer Heimat stark zum Negativen verändern.“
„Kein Effekt für Klima“
Er werde „keinen Effekt auf das Klima unseres Planeten haben, dafür sind wir viel zu klein. Wir sind enttäuscht, dass der Regionalverband diese ideologische Entscheidung getroffen hat. Die Bürger sorgen sich um den Schutz ihrer Natur und ihrer Heimat, ihrer Gesundheit, und der Tierwelt in den Wäldern und Landschaften der Region.“
Sorge um Trinkwasser
Sorgen machten sich die Bürger demnach auch um den Schutz des Trinkwassers, „lärmende Rotoren“, „Infraschall und Schattenwurf“ sowie um „ihren Wohlstand“ und „horrende Strompreise“. In den vergangenen Jahren hatte sich insbesondere in den Bereichen Haigerloch, Grosselfingen und Rangendingen eine starke Protestbewegung herauskristallisiert.
Projekte beschleunigen
Wolfgang Epp, Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen, kommentiert den Teilregionalplan Windenergie: „Die Region hat nun Klarheit darüber, wo Windräder künftig möglich sind und wo nicht. Wenn Baden-Württemberg klimaneutral werden und zugleich wettbewerbsfähig bleiben will, braucht es einen deutlich beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien“.
Stromnetz als Nadelöhr
Dabei dürfe der Netzausbau nicht aus dem Blick geraten: „Die Stromnetze sind das zentrale Nadelöhr der Energiewende. Ohne leistungsfähige Übertragungs- und Verteilernetze entfalten auch zusätzliche Erzeugungskapazitäten kaum Wirkung. Entscheidend ist jetzt, dass wir zügig in die Umsetzung kommen und Planungs- und Genehmigungsverfahren nicht durch Massen- und Serieneinwendungen ausgebremst werden. Öffentlichkeitsbeteiligung ist wichtig, darf aber nicht zur systematischen Verhinderung zentraler Infrastrukturprojekte führen.“