Eine bisherige Windkraftanlage unweit der Schwedenschanze soll in doppelter Höhe neu errichtet werden, also von 100 auf 200 Meter wachsen. Ist das Auerhuhn dadurch in Gefahr?
Wie wichtig gerade die Fläche auf dem Rohrhardsberg, zum Teil auf Schonacher Gemarkung, ist, macht Heiko Haumann von der Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind – für das obere Elztal“ deutlich. Dort gebe es eine einigermaßen stabile Population von etwa sechs bis acht Auerhühnern, die für den bedrohten Auerhuhnbestand des Schwarzwalds von besonderer Bedeutung seien.
Sie verbinden laut Haumann die Populationen von Nord- und Südschwarzwald und sorgen so für einen genetischen Austausch. Sollte diese genetische Brücke wegfallen, wenn womöglich durch die neue höhere Windkraftanlage die Auerhühner vor Ort vertrieben würden, gebe es nicht mehr den Gen-Austausch, was zu Inzucht und langfristig zum Aussterben des Auerhuhns im gesamten Schwarzwald führen könne.
Die BI ist alarmiert und in diesem Zusammenhang „empört“ über die nun vom Landratsamt Emmendingen gewährte Genehmigung eines „Repowerings“ der Windkraftanlage beim Rohrhardsberg. Mit „Repowering“ wird eine Erneuerung einer bestehenden Windkraftanlage hin zu einer leistungsstärkeren Version bezeichnet. So soll die neue Anlage mit 200 Metern doppelt so hoch werden wie die bestehende, kritisiert Haumann.
Bereits im Zuge der seit 2002 bestehenden 100 Meter hohen Anlage habe sich das Auerwild zurückgezogen. Gemäß einer breit angelegten, von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt koordinierten Studie betrage die „Scheuchwirkung“ einer Windkraftlage durchschnittlich 650 Meter, könne aber auch weiter reichen, so Haumann.
BI sieht Umstände der Genehmigung kritisch
Kritisch sieht die BI auch die Umstände der Genehmigung. So habe das Landratsamt den Genehmigungsbescheid am 19. Dezember zugestellt, „als sich alle Juristen und Fachleute bereits in der Weihnachtspause befanden, aus der sie erst am 7. Januar zurückgekehrt sind“. Und Haumann weiter: „Hätte das Landratsamt mit dem Versand nicht bis zu diesem Datum warten können, um eine genaue Prüfung der 122 Seiten umfassenden Genehmigung und eine fundierte Begründung eines Eilantrags zu ermöglichen?“
Da ein Eilantrag samt Begründung innerhalb von 30 Tagen gestellt werden müsse, sei das in den verbleibenden 14 Tagen nicht zu schaffen gewesen. Es bestehe nun noch der Weg der Klage. Sie müsse zwar auch innerhalb von 30 Tagen eingereicht werden. Doch die Begründung habe dann noch zehn Wochen Zeit. „Die Bürgerinitiative ist nicht klageberechtigt, wird aber Naturschutzverbände unterstützen, wenn diese sich zu einer Klage entschließen sollten.“
Stichtag für die Abgabe einer solchen Klage war der 19. Januar. Wie Haumann bekannt ist, hätten der Nabu und die Landschafts- und Naturschutzinitiative Schwarzwald jeweils fristgerecht ihre Klage beim zuständigen Verwaltungsgerichtshof Mannheim eingereicht.
Landratsamt verlangt Ausgleichsflächen für Auerwild
Zugute hält Haumann dem Landratsamt die naturschutzrelevanten Auflagen im Zusammenhang mit der Genehmigung der Anlage. Unter anderem sollen Ausgleichsflächen für die Auerhühner für verloren gehende Lebensräume geschaffen werden. Wobei ungewiss sei, ob diese dann auch von den Tieren angenommen würden. Auerhühner seien „keine Maschinen“, die sich von A nach B dirigieren ließen.
Im Vorfeld der Genehmigung der Windkraftanlage wurden umliegende Kommunen angehört. So befasste sich auch der Gemeinderat Schonach im vergangenen Jahr mit dem Vorhaben. Wie Bürgermeister Jörg Frey gegenüber unserer Redaktion erklärt, habe der Gemeinderat sein Okay gegeben. Wobei man Probleme bei der Zufahrt gesehen habe. Für schwere Baufahrzeuge seien Wege dorthin auf Schonacher Gemarkung nicht geeignet. Das sei sicher ein Punkt, der noch im Vorfeld der Arbeiten mit dem Bauherrn geklärt werden müsse.
Welche Auswirkungen eine neue, höhere Windkraftanlage auf den Auerwildbestand haben könnte, vermag Frey nicht zu sagen. Er habe das seltene Vergnügen gehabt, einen Auerhahn auf dem Rohrhardsberg zu erleben. Das sei vor etwa fünf Jahren gewesen, also als die jetzige Anlage schon stand. Es gebe weiterhin Auerwild in diesem Bereich.
Seiner Meinung nach gelte es, die verschiedenen Interessen abzuwiegen, in diesem Fall den Ausbau regenerativer Energiequellen einerseits und dem Natur- und Landschaftsschutz andererseits.
„Geräusch wird zur Gewohnheit“
Er selbst wohne in Schonach circa 300 bis 400 Meter Luftlinie entfernt von einer Windkraftanlage. Wenn sie in Betrieb sei, könne er diese hören. „Aber ich höre sie nicht mehr. Das ist, wie wenn man neben einem Bach wohnt. Das Geräusch wird zur Gewohnheit und fällt einem nicht mehr auf.“ Einen Vorteil habe die Anlage in seiner Nähe: Wenn der morgendliche Blick auf die Anlage falle, „weiß ich gleich, woher der Wind kommt“.
Frey erinnert sich an die damalige Befürwortung der Anlage durch den Schonacher Gemeinderat. Das Gremium sei der Meinung gewesen, Windkraft solle möglichst effektiv genutzt werden. Und von einer neuen Anlage sei genau das zu erwarten.
Auf Schonacher Gemarkung gibt es laut Frey fünf Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils circa 70 bis 80 Metern. Die Anlagen seien rund 20 Jahre alt. Ein „Repowering“, also ein Ersetzen durch neue, im Regelfall höhere Anlagen, komme nicht in Betracht. Denn zusammen mit Triberg sei im Flächennutzungsplan ein Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen worden. Das befinde sich nicht auf Schonacher Gemarkung sondern im Bereich zwischen Nußbach und Sommerau. Allerdings, so der bisherige Kenntnisstand Freys, gebe es Vorbehalte des dortigen Grundstückseigentümers für den Bau von Windkraftanlagen auf seinen Flächen.
Im oberen Bregtal hingegen konkretisieren sich Vorhaben für zwei Windparks. So gibt es Planungen für drei Windkraftanlagen auf der Linacher Höhe und fünf weitere auf dem Rappeneck. Die Anlagen sollen Gesamthöhen (mit Rotor) von 250 bis 260 Metern haben. Eine dort beheimatete Bürgerinitiative „Gegenwind Oberes Bregtal 2.0“ sieht die Pläne kritisch und führt neben Beeinträchtigungen für Landschaft und Natur auch Nachteile für die menschliche Gesundheit und ein Wertverlust von Immobilien ins Feld.