Alabastas Maharaja alias Mika (links) ist auf dem Weg zum Titel des Bundesrennsiegers 2021. Foto: © Rainer Scholz

Es war die faustdicke Überraschung beim Bundessiegerrennen der Windhunde, das in Freiburg ausgetragen wurde. Der Siegerhund heißt Mika (offiziell Alabastas Maharaja) und gehört Stefan Alber vom Lindenhof.

Oberndorf - In den Bergarbeiterregionen Englands, wo Mikas Rasse der Whippets herkommt, wird diese als "Rennpferd des kleinen Mannes" bezeichnet. "Bei Windhunden gibt es verschiedene Rassen, die ursprünglich für die Hetzjagd gezüchtet wurden", erklärt Stefan Alber. Wettbegeisterte Bergarbeiter hatten etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts diese kleinen Rennhunde für die Kaninchenjagd und Windhunderennen gehalten.

Alber stieß durch Zufall auf diese Rasse. "Wir haben einen Hund gesucht, der anhänglich und pflegeleicht ist und mit dem man Sport treiben kann. Wenn man einen Windhund besitzt, geht man automatisch auch mal auf eine Hunderennbahn. Die nächste in unserer Region ist in Bermatingen am Bodensee. Eine weitere Anlage ist in Freiburg-Waltershofen."

Albers erster Whippet wurde im Rennen immer letzter. Als dieser starb, sollte der nächste Hund einer sein, mit dem man auch mal gewinnen kann. "So sind wir auf den Zwinger Alabastas in Essen aufmerksam geworden. Hier wurde der M-Wurf mit dem aktuellen Rennweltmeister als Vater geplant. Und tatsächlich erhielten wir den Zuschlag", erzählt der Oberndorfer.

Im Alter von acht Wochen wurde Mika abgeholt und gleich in der Welpengruppe der Oberndorfer Hundeschule angemeldet. "Sie wissen hoffentlich, was sie sich mit solch einem Hund antun", habe es damals geheißen. Die Vorurteile gegen Windhunde seien aber schnell ausgeräumt gewesen. Der Whippet fügte sich problemlos in die Welpengruppe ein.

"Natürlich haben Windhunde eine ausgeprägte Hetzleidenschaft. Aber wenn sich der Halter darauf einstellt und kritische Situationen vermeidet, dann muss der Hund kein Leben an der Leine fristen", sagt Stefan Alber.

Im Alter von neun Monaten begann die Ausbildung auf der Windhunderennbahn in Bermatingen am Bodensee. Mika musste lernen, in einen Startkasten gesteckt zu werden und wie ein geölter Blitz herauszuschießen. Von den anderen Hunden durfte sich Mika nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch wenn er überholt wird, darf er den künstlichen Hasen nicht aus den Augen lassen.

Seine vier Prüfungsläufe absolvierte Mika mit Bravour und erhielt damit vom Windhundeverband eine Rennlizenz. "Als er dann auch noch offiziell vermessen und in eine Größenklasse eingeteilt war, stand seinem ersten Rennen nichts mehr im Wege", so Alber.

Mikas erstes Rennen war der Black-Forest-Cup in Freiburg, den er mit seinen anderthalb Jahren gleich für sich entscheiden konnte. Dann kam erst mal Corona und legte die weitere Rennkarriere auf Eis. "Für das Bundessiegerrennen 2021 wollten wir uns unbedingt qualifizieren", erzählt Stefan Alber. Doch die Qualifikation dafür sei schwierig gewesen, da coronabedingt keine Rennen stattfinden durften.

Ein fulminanter Start

Kurzfristig wurde deshalb beim Freiburger Windhundeverein ein Qualifikationsrennen, zwei Wochen vor den Meisterschaften, eingeschoben. "Es hätte jetzt alles gut werden können, doch dann rollte, pünktlich zur Meisterschaft, eine Hitzewelle mit bis zu 37 Grad auf uns zu." Die Vorläufe wurden auf den frühen Morgen gelegt. Jeder Hund erhielt nur eine Chance. Mika nutzte sie. Er erreichte mit der fünftbesten Zeit das Finale.

"Die Zeiten der Besten schienen unerreichbar", sagt Stefan Alber. Dann wurde der Start im Finallauf freigegeben, der künstliche Hase in Bewegung gesetzt, und das Rennen für die sechs schnellsten Hunde war eröffnet.

Gleich nach dem Start sei der Favorit von zwei anderen Hunden in die Zange genommen worden, so Alber. Kurz darauf geschah ein Sturz. Ein Hund verlor das Gleichgewicht und überschlug sich auf der Bahn. Mika habe von alledem nichts mitbekommen, berichtet sein Herrchen.

"Er hatte auf der sicheren Außenbahn einen fulminanten Start und lief unbedrängt in die erste Kurve. Als das Feld aus der letzten Kurve in die Zielgerade einbog, hatte der Vorlaufschnellste wieder knapp die Führung übernommen."

Doch vielleicht hatte dieser durch die Turbulenzen nach dem Start zu viel Kraft verloren. Mika konnte ihn auf der Zielgeraden niederringen und völlig überraschend den Titel des Bundessiegers gewinnen.

Seine Siegerzeit über die Rennstrecke von 350 Meter betrug 23,19 Sekunden. "Mika hatte keiner auf dem Zettel, aber so ist der Sport", sagt Stefan Alber freudig.

Hinter dem Erfolg stecke harte Arbeit. Auf dem Dollau-Sportgelände mit mehr als 200 Metern Rasen habe man Sprints zwei Mal die Woche trainiert. Am Wochenende ging es auf die Rennbahn, auf der Mika bis zu drei Mal 350 Meter lief.

An seinen besten Tagen läuft Mika schneller als 60 Stundenkilometer. "Damit würde er innerorts von jeder Radarfalle geblitzt werden", sagt sein Besitzer lachend.