Unser Leser Matthias Schneider meint, es wird absehbar genügend Windräder um seinen Heimatort Beffendorf geben. Deshalb soll nicht auch noch der Wald im „Wisoch“ dafür herhalten.
Ein „Ja“ im Bürgerentscheid zum Erhalt des Wisoch-Waldes bedeutet nicht grundsätzlich eine Ablehnung der Windenergie. Es bringt vielmehr zum Ausdruck, dass der Erhalt dieses Naherholungsgebiets und des Waldes für viele Bürgerinnen und Bürger einen hohen Stellenwert besitzt. Auch wenn es sich laut Bürgermeister Winter nicht um einen „High-end-Wald“ handelt (oder vielleicht gerade deshalb?), wird der Wisoch von zahlreichen regelmäßigen Spaziergängern und Erholungssuchenden als ruhiger und landschaftlich attraktiver Ort sehr geschätzt.
Selbst bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid – das heißt bei Verhinderung der Verpachtung kommunaler Flächen – sollen laut Aussage von Sebastian Schüßler von der „Badenova“ drei Windenergieanlagen errichtet werden – und zwar auf privaten Flächen. Diese drei Anlagen würden bilanziell rechnerisch den Strombedarf von etwa 24 000 Personen decken und damit deutlich mehr als die Einwohnerzahl der beiden beteiligten Gemeinden Oberndorf und Fluorn-Winzeln zusammen.
Hoher Verbrauch bei Flaute
Zu beachten ist jedoch, dass Windenergieanlagen bei Windstille keinerlei Strom erzeugen; im Gegenteil verbrauchen sie bei Stillstand etwa 20 bis 40 kW pro Anlage, das entspricht bei fünf Anlagen etwa dem Strombedarf von 1000 Personen. Das bedeutet: Wenn im Wisoch kein Wind weht oder die Anlagen vom Netz gehen, benötigen diese fünf Windräder für ihren Stand-by-Betrieb die gleiche Menge Strom, die ausreichen würde, um alle Haushalte in Beffendorf zu versorgen.
Wer sich dennoch eine noch stärkere Ausbauintensität der Windenergie wünscht, dem sei Folgendes mitgeteilt: Die bereits bestehenden vier Windenergieanlagen im Bereich Hummelbühl/Bühlenwald (Richtung Waldmössingen) sollen durch vier moderne Neuanlagen mit einer Gesamthöhe von ebenfalls bis zu 270 Metern ersetzt werden.
In Richtung Bösingen sind in den Vorranggebieten „Globen“ und „Harzwald“ bis zu zehn weitere Windenergieanlagen in Planung.
20 Anlagen um den Ort
Nach Realisierung all dieser Vorhaben wäre der Ort Beffendorf im Umkreis von etwa zwei Kilometern nahezu vollständig von circa 20 Windenergieanlagen umzingelt – eine der höchsten Konzentrationen in Baden-Württemberg.
Vor diesem Hintergrund bleibt es unverständlich, wie man einerseits eine „Umzingelung“ des Ortes vermeiden möchte, andererseits dennoch dem Bau weiterer Anlagen zustimmt. Es sei auch die Frage erlaubt, wie viele Windenergieanlagen die Befürworter dieser Anlagen denn gerne um Beffendorf realisiert haben möchten? Reichen 20, oder müssten es noch besser eher 30 oder vielleicht sogar 50 Anlagen sein?
Matthias Schneider, Oberndorf-BeffendorfSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.