Die Stadtwerke Stuttgart und die Uhl Windkraft Projektierung GmbH Co. KG aus Ellwangen haben die Pläne zum möglichen Bau eines Windparks vorgestellt. Dazu gab es zahlreiche Rückfragen – das sind die Antworten.
Die Planungen zum Bau von Windkraftanlagen in Rangendingen und Grosselfingen werden konkreter. Das ist in der Sitzung des Gemeinderats vom Montag deutlich geworden – eine Zusammenfassung:
Stimmung
Die Stimmung unter den Windkraftgegnern war angespannt: Ein Raunen ging durch die Besucherreihen, als der Vertreter der Stadtwerke Stuttgart Grafiken an die Leinwand warf. Zu sehen sind Bilder mit Blickrichtung Windkraft vom Sportplatz aus. Windräder dominieren den Horizont. Leises Reden bei den Zuschauern. Wortfetzen wie „Katastrophe“ und „auswandern“ klingen durch. Endgültig beschlossen ist der Bau der Anlagen noch nicht. Der Regionalverband Neckar-Alb muss den Teilregionalplan zur Rechtskraft führen und die künftigen Betreiber müssen Prüfungen zur Wirtschaftlichkeit noch abschließen. Dennoch herrscht bei manch einem im Publikum Fassungslosigkeit. „Ihr zerstört unsere Heimat und unsere Gesundheit“ – ist auf einem Pappschild zu lesen.
Antrag
Die Sitzung des Rangendinger Gemeinderats vom Montag hat die Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ erneut genutzt, um ihre Position zu verdeutlichen. Ursprünglich war in der Sitzung keine Bürgerfragestunde vorgesehen, auf Antrag von Gemeinderat Reinhold Dieringer durfte jedoch ein Vertreter der Bürgerinitiative stellvertretend das Wort ergreifen. Das tat deren Vorsitzender Wolfgang Vötsch, der die Argumente der Windkraftgegner abschließend verdeutlichte. Er monierte unter anderem, dass die Windräder höher werden sollen als der Testturm in Rottweil. Vötsch befürchtet, dass der Windpark in Zukunft auf weitere Flächen ausgedehnt wird.
Subventionen
Bernd Pflumm meinte im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit die Subventionen für Windkraftanlagen: „Sie werden gebaut, hinterher abgeschaltet, was macht das für einen Sinn, außer, dass wir eine Riesenanlage vor die Nase geknallt kriegen?“ Matthias Pavel von Uhl Windkraft dazu: „Die Genehmigungsbehörde interessiert sich für Wirtschaftlichkeit nicht.“ Er verdeutlichte: „Mit Windkraft verdient man nur, wenn man einspeist. Für stehende Anlagen kriegen wir nichts.“
Abschaltungen
Wie Tobias Jäger berichtete, gebe es durchaus Gründe, die Windkraftanlagen abzustellen. So sind diese mit Sensoren ausgestattet, die Eiswurf verhindern. Die Rotoren bleiben demnach automatisch so lange stehen, bis das Eis abgeschmolzen ist.
Die Abschaltung erfolgt auch, wenn der Schattenwurf Grenzwerte überschreitet sprechen in diesem Zusammenhang von zehn Stunden pro Jahr oder 30 Minuten pro Tag, also: Wenn ein Einfamilienhaus 30 Minuten pro Tag Schatten aufgrund der Rotorenbewegung hat, können diese zu bestimmten Zeiten zum Stillstand gebracht werden. Abschaltungen finden erfahrungsgemäß jedoch in äußerst geringem Umfang statt.
Schall
Darüber hinaus finden Schallmessungen regelmäßig statt. Das Landratsamt sei frei, auf Wunsch der Bürger Messungen anzustellen. Werden diese überschritten, könne die Leistung gedrosselt, Lärm reduziert und so Grenzwerte wieder eingehalten werden.
Zuwegung
Reinhold Dieringer hat auf Probleme im Hinblick auf die Zuwegung aufmerksam gemacht. Wie Gerald Acker-Widmaier für die Stadtwerke Stuttgart berichtet, werde der Weg auf vier bis viereinhalb Meter Breite ertüchtigt. Siegfried Kuhn erklärte, dass der bestehende Weg sehr steil sei. Tobias Jäger von den Stadtwerken: „Es ist nicht einfach hoch zu fahren, aber es ist möglich.“ So recht glauben wollten die Gemeinderäte, die sich vor Ort sehr gut auskennen, dies nicht.
Rückbau
Matthias Pavel berichtet auf Nachfrage von Reinhold Dieringer: Die Fundamente seien 70 Zentimeter tief und ragen etwa 2,5 Meter über die Erde. Pavel: „Warum sollen wir das nicht zurückgebaut kriegen?“ Tobias Jäger von den Stadtwerken ergänzt: Erst wenn die Stadtwerke eine Bürgschaft von 300 000 Euro haben, gibt es die Baufreigabe.
Dieses Geld wird für den Rückbau zurückgelegt. Erik Wendt zu dieser Summe: „300 000 Euro reichen im Falle einer Insolvenz nicht.“ Pavel: Deshalb gebe es ja die Bürgschaft einer Bank, die im schlimmsten Fall einspringt. Die Kosten des Rückbaus müssen demnach alle fünf Jahre von einem Sachverständigen neu beziffert. Pavel merkte an, dass in den Fundamenten hochwertige Baustoffe enthalten sind, deren Wiederverwertung die Kosten des Rückbaus teils finanzieren.
Technisches
Die drei Windkraftanlagen der Stadtwerke Stuttgart haben eine Nabenhöhe von 175 Metern, ein Rotorendurchmesser von 172 Metern und eine Gesamthöhe von 261 Metern sowie eine Nennleistung von 7,2 Megawatt. Die Anlagen von Uhl Windkraft kommt auf eine Nabenhöhe von 179 Metern, ein Rotorendurchmesser von 175 Metern und eine Gesamthöhe von 266 Metern sowie eine Nennleistung von 6,8 Megawatt. Die Windräder haben einen Abstand zu Wohngebieten von mehr als 950 Metern (Richtung Rangendingen) und von mehr als 1370 Metern (Richtung Grosselfingen). Dauerhaft gerodet werden nach Angaben der Stadtwerke 0,5 Hektar für Fundament und Kranstellfläche, davon sind 0,2 Hektar versiegelt. Nach 25 Jahren werden die Rodungsflächen eins zu eins aufgeforstet.
Zeitplan
Falls die Anlagen genehmigt werden, finden die Bauvorbereitungen bereits Mitte 2026 statt. Ab 2027 könnte die Bauphase beginnen und Ende 2027 wäre die Inbetriebnahme vorgesehen. Ein Info-Abend ist vorgesehen in Grosselfingen am Dienstag, 29. April. Informiert wird dann nochmal über sämtliche Aspekte, auch über solche, die am Montag unklar waren (darunter Windmessungen und Schattenwurf). Am Rande haben die Stadtwerke auch von der finanziellen Beteiligung der Bürger gesprochen.
Stellungnahme des Gemeinderats vom 18. März 2024
Positionspapier
Vor fast genau einem Jahr – in der Sitzung vom 18. März 2024 – hat der Gemeinderat Rangendingen ein Positionspapier beschlossen, um dieses dem Regionalverband zu übergeben.
Kritik
Darin heißt es unter anderem, dass der Gemeinderat Ungereimtheiten im Hinblick auf Abstände zur Wohnbebauung sieht. Außerdem werde Rangendingen (sinngemäß) umzingelt sein von Windrädern, so die Befürchtung. Damit nicht genug: In dem Positionspapier werden unter anderem großflächige Abholzungen angesprochen, befürchtet werden die Gefährdung des Grundwasserbestands, der landwirtschaftlich genutzten Böden, der Rückzugsräume für Tiere.
Prozess
Die Entscheidung, dass Windkraft im Südwesten ausgebaut wird, hat der Landtag getroffen. Daraufhin haben die Regionalverbände als Bindeglied zwischen Landes- und Kommunalpolitik begonnen, Flächen für Windkraftanlagen zu definieren. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Dass solche Flächen ausgewiesen werden müssen, ist Gesetz. Wenn überhaupt, kann man diese Flächen nur noch anpassen – aber dafür gibt es keine Garantie.