Die Deutsche Tatjana Maria wird in Wimbledon erst im Halbfinale von Ons Jabeur gestoppt. Die Tunesierin ist ganz begeistert von der Leistung ihrer Freundin aus Bad Saulgau – hat aber als erste Afrikanerin im Finale eines Major-Turniers auch etwas ganz Besonderes geschafft.
Was für eine große Geste! Ons Jabeur nahm zum üblichen Applaus für die Siegerin die unterlegene Gegnerin Tatjana Maria mit auf den Platz, zeigte auf sie – und das Publikum in Wimbledon verneigte sich noch einmal vor der 34 Jahre alten Deutschen, die sich als Nummer 103 der Weltrangliste in die Herzen der Zuschauer gespielt hatte. Der unglaubliche Turnierauftritt von Tatjana Maria ist zu Ende gegangen, doch bleibt er trotzdem einfach nur eines: märchenhaft. Erst im Halbfinale wurde die zweifache Mutter bei ihrem sensationellen Comeback von ihrer Freundin Ons Jabeur mit 2:6, 6:3, 1:6 gestoppt. Und die ist ihrerseits die erste Afrikanerin, die das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreicht hat. Also hörten die beiden Freundinnen nach dem Matchball gar nicht mehr damit auf, sich am Netz zu umarmen.
Als Tatjana Maria mit ihrer Sporttasche den Centre-Court verließ, gab es noch einmal Applaus. Ons Jabeur wollte zunächst gar nicht über ihren Erfolg sprechen, sondern nur über die Gegnerin. „Sie ist eine Inspiration für mich und viele andere Spielerinnen“, meinte die 27 Jahre alte Tunesierin. „Dieses Comeback nach zwei Kindern – also ich kann immer noch nicht glauben, dass sie das geschafft hat“, sagte die Finalistin über die Tennisspielerin aus Bad Saulgau, mit der sie sehr gut befreundet ist und für deren Kinder sie fast schon so etwas wie eine Tante ist. Ob es schwierig war, die Freundschaft im Match auszublenden? „Es war schwierig, ihren Bällen hinterherzurennen“, antwortete Jabeur, „sie muss für mich grillen, um all mein Gerenne auf dem Platz wiedergutzumachen.“
Unglaublich fit
Tatjana Maria wirkte in Wimbledon unglaublich fit und austrainiert. „Körperlich ist sie ein Monster – du denkst, sie wird irgendwann müde, aber das wird sie nicht“, sagte Jabeur voller Bewunderung. Ohnehin konnte man in diesen Tagen den Eindruck gewinnen, Maria spiele das Tennis ihres Lebens: lauffreudig, aggressiv und variantenreich. „Wenn man ein Match verliert, dann ist man trotzdem zuerst enttäuscht und denkt darüber nach, was man hätte besser machen können. Aber ich kann trotzdem stolz darauf sein, was ich in zwei Wochen Wimbledon geleistet habe“, zog Maria Bilanz.
Womöglich wäre der Einzug ins Finale von Wimbledon des Guten ein bisschen zu viel gewesen. Die Chance dazu war im Halbfinale gegen die Nummer zwei der Welt aber durchaus da. Im ersten Satz hatte Maria noch Anlaufschwierigkeiten, im zweiten wurde sie sicherer und kämpfte sich beherzt zurück. Doch im dritten Durchgang geriet sie schnell ins Hintertreffen und glaubte wohl selbst nicht mehr an das nächste kleine Tenniswunder. In diesem Satz spielte Jabeur erstmals richtig ihre Stärke aus und zeigte ihr kraftvolles, entschlossenes Tennis.
Stolze Tunesierin
Bereits im Oktober 2021 gelang Ons Jabeur Historisches, als sie in Indian Wells im Viertelfinale die Estin Anett Kontaveit besiegt hatte und dadurch als erster arabischer Tennisprofi in den Top 10 der Weltrangliste stand. Anfang Mai 2022 konnte sie sich im Finale der Madrid Open gegen Jessica Pegula durchsetzen und gewann somit als erster arabischer Tennisprofi ein Turnier der Kategorie WTA 1000. Nun ist sie die erste Afrikanerin im Finale eines Major-Turniers. „Ich bin eine stolze Tunesierin, und ich weiß, dass in meinem Land jetzt alle durchdrehen“, sagte Ons Jabeur, die als große Sportsfrau die Tennisszene bereichert und sich nun auf das Finale gegen die Kasachin Jelena Rybakina freut.
Nicht auszudenken, was in dem nordafrikanischen Land los ist, sollte sie gewinnen. Tatjana Maria jedenfalls drückt ihr die Daumen – und übernimmt dann auch ganz sicher den Job am Grill.