Holzens Ortsvorsteher Willi Weiß zieht zum Jahresende nach 21 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück. Er hat das Storchendorf in dieser Zeit geprägt.
Immer ansprechbar für die Bürger, engagiert, verantwortungsvoll und verlässlich sowie eine starke Stimme gegenüber Stadtverwaltung und Gemeinderat – so hat Willi Weiß sein Ehrenamt in den 21 Jahren ausgefüllt. Wenngleich sein Entschluss, am Ende des Jubiläumsjahrs „750 Jahre Holzen“ aufzuhören, schon seit eineinhalb Jahren feststeht und er sich innerlich auf den bevorstehenden Abschied vorbereitet hat, kommt bei ihm auch Wehmut auf, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt.
Zu sehr haben dem 70-Jährigen in all den Jahren die vielfältigen Aufgaben für sein Heimatdorf, in dem er tief verwurzelt ist, Spaß gemacht. Die harmonische Zusammenarbeit mit dem Ortschaftsrat und der Stadtverwaltung Kandern sowie das sehr gute Miteinander mit den Vereinen in Holzen zählen dazu. Und vor allem ist er stolz auf die intakte Dorfgemeinschaft, die sich auch in dem Bürgerprojekt „Dorfmitte“ spiegelt.
Willi Weiß hatte ursprünglich nichts mit der Kommunalpolitik am Hut. Sein langjähriger Vorgänger und Ehrenbürger Fritz Zumkehr, der 30 Jahre das Amt inne hatte, animierte ihn zur Kandidatur. Als sich bei einer öffentlichen Versammlung niemand für das Ortsvorsteheramt zur Verfügung stellte, erklärte Weiß seine Bereitschaft und übernahm Verantwortung.
Zusage an eine Bedingung geknüpft
Allerdings knüpfte er seine Zusage an die Bedingung, dass er bei den anstehenden Kommunalwahlen auch in den Ortschaftsrat gewählt werde. „Ohne Mandat hätte ich das Amt nicht übernommen“, sagt er rückblickend. Er erhielt bei der Wahl den gewünschten Vertrauensbeweis und Rückhalt, auch fünf Jahre später bei seiner Kandidatur für den Kanderner Gemeinderat, in dem er anschließend 15 Jahre bis 2024 die Interessen Holzens vertrat. Von der ersten Minute an hatte sich Willi Weiß engagiert und als gelernter Industriekaufmann sich schnell in die Verwaltungsmaterie eingearbeitet.
Der scheidende, bürgernahe Ortsvorsteher blickt rundum zufrieden auf seine mehr als vier Legislaturperioden in dem 630 Einwohner zählenden Dorf zurück, in denen er im Zusammenwirken mit dem Ortschaftsrat einiges im Rahmen der Möglichkeiten bewegt hat und in denen es ihm gelungen ist, Ehrenamt, Kommunalpolitik und Dorfalltag souverän miteinander zu verbinden.
Bindeglied zum Kanderner Rathaus
200 Ortschaftsratssitzungen hat Weiß in den 21 Jahren geleitet, zudem war er ständiger Ansprechpartner für die kleinen und größeren Wünsche und Anliegen der Bürger sowie wichtiges Bindeglied zum Kanderner Rathaus. Neben zahlreichen kleineren Maßnahmen und viel Arbeit im Hintergrund sowie den Sitzungen und Besprechungen in Kandern in den mehr als zwei Jahrzehnten waren zuletzt die neue Wasserleitung und die Verlegung des Breitbandkabels Millionenprojekte in Holzen.
Der Vater von zwei Kindern und Opa von vier Enkeln war immer präsent, wenn es im Storchendorf etwas zu regeln gab, wenn Veranstaltungen der Vereine oder sonstige Anlässe anstanden. Die Nähe zu den Menschen ist Willi Weiß immer wichtig gewesen. In der Bilanz des Ortsvorstehers stehen auch 50 Trauungen, die er als Standesbeamter vornahm. „Das war immer etwas Besonderes.“
Ein lebendiger Ort
Holzen, das den Strukturwandel gut gemeistert hat, ist ein reines Wohndorf mit ein paar Handwerksbetrieben, aber ein lebendiger Ort, wie Weiß deutlich macht. Den Zusammenhalt im Dorf und das bürgerschaftliche Engagement bezeichnet er als „ausgezeichnet“.
Das zeigte sich nicht nur in dem zu Ende gehenden Jubiläumsjahr, sondern auch all die Jahre zuvor. Beispielhaft sind die Dorfaktionen. „Wir waren vor 20 Jahren mit die ersten, die solche freiwilligen Arbeitseinsätze geleistet haben. Bis zu 30 Bürger kamen jeweils, um mitanzupacken und zu helfen“ , betont Weiß und verweist beispielsweise auf den neuen Spielplatz, die Sanierung der Friedhofsmauer, den Neuanstrich des Rathauses oder die Verschönerung des Festplatzes und vieles mehr.
Jubiläumsjahr ist ein würdiger Abschluss
Der Ortschaftsrat veranstaltet auch alle zwei Jahre ein Storchenfest zugunsten des Storchengeheges. „Mit unseren Dorfaktionen haben wir der Stadt einen sechsstelligen Betrag gespart“, sagt der scheidende Ortsvorsteher, der stets mit Beispiel voranging, nicht ohne Stolz.
Auch wenn Willi Weiß anfänglich etwas skeptisch war wegen der Größe des Projekts, steht er längst voll hinter der „Dorfmitte“ und engagiert sich für diesen neuen Ortsmittelpunkt. „Dieses Bürgerprojekt hat nochmals einen weiteren Schub für den Zusammenhalt unserer intakten Dorfgemeinschaft gebracht“, ist der 70-Jährige überzeugt, für den das zu Ende gehende Jubiläumsjahr ein würdiger Abschluss seiner Amtszeit ist. Vor allem ist er auch seiner Frau Susi dankbar, die ihm stets den Rücken frei gehalten hat, wie er ausdrücklich betont.
Mit Vorfreude geht nun Willi Weiß „nach abwechslungsreichen und erfüllenden Jahren“ in wenigen Tagen in den kommunalpolitischen Ruhestand und kann auf 21 Jahre erfolgreiches Wirken blicken. „Langeweile wird es keine geben“, ist er sich sicher. Dafür sorgen allein schon die Enkel und der große Garten.