Eine Organspende bedeutet für die Empfänger oft auch eine enorme Verbesserung ihrer Lebensqualität. Doch zuvor müssen sie meist jahrelang Warten. So auch Willi Gugel aus Calw, dem vor 29 Jahren eine Niere transplantiert wurde.
Die Bereitschaft der Deutschen, nach dem Tod Organe zu spenden, stagniert europaweit betrachtet auf einem niedrigem Niveau. Die Gründe, warum sich Menschen dagegen entscheiden sind vielfältig und reichen von religiösen Bedenken bis hin zu der – ausreichend widerlegten und unbegründeten – Annahme, dass Mediziner Menschen töten würden, um an deren Organe zu kommen.
Darüber mag man denken, wie man will. Unumstritten ist aber, dass es Gründe gibt, warum Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Und dass für diese Menschen eine Organtransplantation die einzige Chance ist, einigermaßen normal weiterleben zu können.
Einer dieser Menschen ist Willi Gugel aus Wildberg-Effringen. Der 86-Jährige, der heute in einem Pflegeheim in Calw wohnt, lebt seit 29 Jahren mit (und dank) einer Spenderniere.
Seine Krankheit hat er geerbt
Er leidet unter einer genetisch bedingten Nierenkrankheit. Das Thema sei in seiner Familie zwar bekannt gewesen, doch man habe nie darüber geredet, wie er leicht verärgert erzählt. Und so habe der gebürtige Reutlinger, als er in den 1970er-Jahren nach Effringen zog und eine Familie gründete, zwar gewusst, dass mit ihm „etwas nicht stimmte“, aber nicht was und wie schwer die Erkrankung war.
„Mein alter Arzt in Reutlingen hat nur gesagt, da kann man nix machen“, denkt er zurück. Doch mit den Jahren seien die Symptome immer heftiger geworden – und seine Nieren immer schwächer. „Eines Tages bin ich dann zum Arzt und dann hieß es sofort ‚ab zur Dialyse‘“, erzählt er.
Das war im Sommer 1992. Und es veränderte sein Leben radikal, denn plötzlich war er lebensbedrohlich krank. Nicht nur, dass er regelmäßig zur Dialyse musste, was eine Herausforderung für ihn und seine Familie bedeutete. Auch seiner Arbeit als Mitarbeiter in der Montage bei Daimler konnte er nicht mehr nachgehen, sondern war durchgehend zuhause. Und über allem schwebte die Frage, ob er die Erkrankung an seine drei Kinder weitergegeben hat.
Dreieinhalb Jahre musste er warten
Es war klar, dass die einzige Hoffnung auf ein wenig mehr Lebensqualität in einer Spenderniere besteht. Und so habe er ständig auf den erlösenden Anruf gewartet. Dieser kam nach dreieinhalb Jahren.
„Das war am 13. Januar 1996, ein Samstag, als kurz nach 14 Uhr das Telefon geklingelt hat. Ich war oben und mein Sohn ging ran“, erinnert er sich. „Papa, Papa, komm runter, da ist ein Arzt aus Tübingen“, habe dieser aufgeregt gerufen.
Er fuhr selbst zum Krankenhaus
Dieser habe ihm mitgeteilt, dass man eine Spenderniere für ihn habe und dann sei alles ganz schnell gegangen. „Ich bin selbst gefahren“, erzählt er, „um 14.30 Uhr sind wir los und um 16 Uhr war schon die OP.“ Die habe er gut überstanden und auch die Nachsorge sei ohne Komplikationen verlaufen. Und nun lebt er seit 29 Jahren mit dem Spenderorgan.
Dem anonymen Spender ist er unendlich dankbar. Denn dank der Spenderniere sei eine gewisse Rückkehr zu einem normalen Leben möglich gewesen. Sogar arbeiten gehen – wenn auch nicht mehr so schwer – sei danach wieder möglich gewesen.
Auch sein Sohn hat eine Spenderniere
Ins Pflegeheim, betont er, sei er auch nicht wegen seiner Niere gekommen. Dafür sei ein Schlaganfall vor zweieinhalb Jahren verantwortlich gewesen. „Da war klar, es geht ohne Hilfe nicht mehr.“
Und was ist mit seinen Kindern? „Zwei von ihnen haben meine Krankheit geerbt“, sagt er. Bei seiner Tochter sei die Erkrankung einigermaßen unter Kontrolle. Bei einem seiner Söhne habe sich die Krankheit aber früh und stark geäußert, so dass klar war, dass er eine Spenderniere benötigt. „Acht Jahre stand er auf der Warteliste.“
Dann habe auch dieser mit Anfang 50 den erlösenden Anruf erhalten und eine neue Niere bekommen.
Zum Thema Organspende
Information
Wer sich mit dem Thema Organspende beschäftigen, einen Ausweis bestellen oder auf andere Art festlegen möchte, wie nach seinem Tod mit seinen Organen verfahren werden soll, findet auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.organspende-info.de zahlreiche Informationen.
Diskussion
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