Sandy Großmann versorgt bei sich nicht nur Vögel, Siebenschläfer und Waschbären. Sie leitet seit elf Jahren die Wildtierstation Kreis Calw – und gibt Einblick in ihre Arbeit.
Mit knapp 22 Jahren wagt die Wildbergerin Sandy Großmann einen bedeutenden Schritt: Sie übernimmt den Verein der Wildtierstation Kreis Calw – damals noch bekannt als Igelhilfe Bad Teinach. Eine Entscheidung, die von Beginn an mit großer Verantwortung verbunden ist.
Elf Jahre später hat sich in der Station vieles verändert. Quarantäneboxen, Volieren und vor allem Inkubatoren ermöglichen es Sandy Großmann und ihrer Mutter Sabine, sich optimal um die Pflege von Wildtieren zu kümmern.
Verletzte Tiere von Karlsruhe bis an den Bodensee
In der Hochsaison von März bis August krabbelt, zirpt und fiept es bei Sandy Großmann zu Hause in nahezu allen Ecken. Von Karlsruhe über Baden-Baden bis nach Konstanz erreichen die Station täglich bis zu 30 Anrufe. Zusätzlich hält die gelernte Erzieherin selbst Laufenten, Wachteln, Hühner sowie Amazonen. „Federvieh ist schon immer so meins gewesen“, witzelt die heute 33-Jährige.
Von Greifvögeln über Siebenschläfer bis hin zu Waschbären finden die unterschiedlichsten Wildtiere zu Großmann. Den größten Anteil machen dabei Vögel aus: Zum Beispiel Blaumeisen, Eulen und auch Turmfalken. „Von letzteren sogar fast 40 jährlich“, berichtet Großmann.
Der Verein zählt insgesamt 95 Mitglieder, bestehend aus passiven Unterstützern sowie einem Netzwerk aus Wildtierinstitutionen. Die Tiere werden anschließend auf verschiedene Einrichtungen verteilt – etwa die Eichhörnchenhilfe Stuttgart, die Wildtierhilfe Pforzheim oder eben die Wildtierhilfe Kreis Calw.
Bis zu 60 Siebenschläfer jährlich
Anschließend kümmert sich die Tierliebhaberin um die individuelle Versorgung ihrer tierischen Patienten. Die Ursachen für Verletzungen sind vielfältig, häufig handelt es sich um Flugtraumata, die zu Hirnblutungen oder Flügelbrüchen führen. „Manchmal müssen die Vögel sich auch nur ein paar Tage erholen – dann heißt es: dunkel und reizarm unterbringen“, erklärt die Wildbergerin.
Vor den Wintermonaten werden zudem häufig Siebenschläfer abgegeben. „Etwa 20 bis 60 Tiere, die es nicht in den Winterschlaf schaffen, weil sie zu leicht sind“, so Großmann. Gefunden werden sie oft in alten Häusern, Forstständen oder auf Baustellen. In isolierten Häuschen überwintern sie in der Station bis in den Mai – also eher eine Winterruhe als ein klassischer Winterschlaf.
In der Wintersaison geht es in der Wildtierhilfe deutlich ruhiger zu. „Dann haben wir vielleicht 30 bis 40 verletzte Vögel“, erklärt Großmann.
Doch trotz ihrer großen Tierliebe ist die Arbeit nicht immer einfach. „Es ist nicht nur kuschel kuschel kuschel – sondern wirklich viel Arbeit: Gehege instand halten, reinigen und natürlich füttern“, betont sie.
Hinzu kommen finanzielle Herausforderungen: Tierarztkosten, technische Geräte und vor allem Futter sind kostspielig. Für eine Bestellung von Mäusen und Küken zahlt sie rund 2000 Euro. „Der Staat zahlt keine Förderungen, wir müssen fast alles privat finanzieren und sind deshalb auf Spenden angewiesen“, sagt Großmann. Gleichzeitig spüre sie, dass sich immer weniger junge Menschen für ehrenamtliche Tierhilfe begeistern lassen. „Generell gibt es viel zu wenige Wildtierhilfen“, bedauert die 33-Jährige. „Auch Tierheime kommen auf uns zu, wenn sie Tiere finden oder Wildtiere bei ihnen abgegeben werden– doch auch wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen.“
Dennoch blickt Sandy Großmann nach vorne und hat klare Ziele für die Zukunft: „Wir möchten eine Flugvoliere für Greifvögel und Eulen bauen und noch bessere Möglichkeiten schaffen, um Tiere artgerecht auszuwildern“, plant die 33-Jährige künftig für die Station.
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Wildtierhilfe Kreis Calw
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