Füchse sind vermehrt auch in der Nähe von Wohngebieten zu sehen. Foto: © rtaylorimages – stock.adobe.com

Füchse, Marder und Co. zieht es immer öfter in die Städte. Selbst am Tag und mitten in Calw sei das mittlerweile keine Seltenheit mehr, berichtet der Wildtierbeauftragte im Landkreis, Mario Fürstenberg. Wir geben einen Überblick zu möglichen Maßnahmen, Verhaltensregeln und außergewöhnlichen Vorfällen.

Calw - Ein verregneter Tag Anfang Januar, ein Autofahrer auf der Stuttgarter Straße, unterwegs in Richtung Calw. Es ist kurz vor zehn Uhr morgens, als der Mann plötzlich, kurz vor der Krankenhaus-Kurve, eine Bewegung wahrnimmt. Ein Tier mit rotbraunem Fell huscht die Treppe hinauf zu den hangseits gelegenen Gärten. Ein Fuchs? Eine Spurensuche nach wildem Leben in der Stadt.

 

Dass Füchse Siedlungen aufsuchen, ist kein Geheimnis – aber auch mitten am Tag, direkt an der Hauptverkehrsstraße?

Mario Fürstenberg, Wildtierbeauftragter im Landkreis, hält das zumindest für möglich. "Füchse in der Kernstadt Calw sind auch am Tag keine Seltenheit", berichtet er auf Anfrage unserer Redaktion. Doch warum? "Probleme ergeben sich oft durch die Dauerfütterung von Katzen und Igeln im häuslichen Umfeld", ergänzt der Experte. Stehe Tag und Nacht im Garten Futter zur Verfügung, sei dies auch für Wildtiere erreichbar – und kann sie entsprechend anlocken.

Generell stellten Wildtiere im Siedlungsbereich "ein immer größeres Problem dar". Seit 2017 gehöre der Umgang damit zu seinem Tagesgeschäft als Wildtierbeauftragter, "Tendenz deutlich zunehmend". Denn "Füchse, Rehe, Wildschweine, Marder, Siebenschläfer, Dachs und erstmalig auch Waschbären erobern immer mehr den bewohnten/bebauten Siedlungsraum", erklärt Fürstenberg. Den Schwerpunkt würden dabei Füchse und Marder (in Carports oder häufig auf Dachböden) bilden.

Warum treibt es Wildtiere überhaupt in die Städte?

Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Nahrung, Schutz und Wärme. "Menschliche Siedlungen sind reich an Strukturen, bieten ganzjährig ein vielfältiges Nahrungsangebot und haben ein milderes Klima als natürliche Lebensräume", heißt es dazu auf dem Wildtierportal des baden-württembergischen Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Landes im Internet. Gebäude könnten zudem "als Ruheplätze, für die Jungenaufzucht und zur Überwinterung" genutzt werden; Menschen wiederum seien hier in der Regel keine Gefahr, da in Siedlungen in aller Regel nicht gejagt werden dürfe.

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Wer hilft, wenn es Probleme gibt?

Bei Schwierigkeiten mit Wildtieren weiß unter anderem der Wildtierbeauftragte Rat. Er kann sich vor Ort umsehen, Hinweise geben und versuchen, die Tiere zu vertreiben, beispielsweise durch bestimmte Geräusche oder auch Gerüche. "Als letzte Lösung", erklärt Fürstenberg, "bringe ich verschiedenste Lebendfallen zum Einsatz. Ich bin selbst Jäger und habe die Fallenstellerlizenz an der Landesjagdschule Dornsberg erworben." Theoretisch, so heißt es in einer Broschüre des Calwer Landratsamtes zum Thema "Füchse in Siedlungsgebieten", kann zur "Gefahrenabwehr oder Tierseuchenbekämpfung" auch eine Genehmigung zur Jagd im Siedlungsgebiet erteilt werden. Dies sei jedoch ein Ausnahmefall.

Welche Verhaltenstipps hat das Landratsamt?

Um Wildtiere im Garten zu vermeiden, sollte einiges beachtet werden, rät das Calwer Landratsamt. In der Broschüre "Füchse in Siedlungsgebieten" heißt es beispielsweise, es gelte Hunde-, Katzen- oder Vogelfutter zu entfernen. Mülltonnen sollten unzugänglich und sauber sein, Abfallsäcke erst am Tag der Abholung nach draußen gestellt, Kompostbehälter nur geschlossen aufgestellt werden. Ferner empfiehlt die Behörde, auch Unterschlupfmöglichkeiten unzugänglich zu machen (nachdem sichergestellt wurde, dass sich kein Tier mehr darin befindet), Fallobst im Garten möglichst zu vermeiden und Gartenbeete mit Netzen abzudecken.

Welche außergewöhnlichen Fälle gab es in der Vergangenheit in Calw und Umgebung?

Geht es um "kuriose oder besser tragische Fälle" im Zusammenhang mit Wildtieren, fallen dem Wildtierbeauftragten im Landkreis einige ein. Erst vor Kurzem, so Fürstenberg, sei ein Fuchs "von einer Böschung in Bad Liebenzell abgerutscht und in eine halb gefüllte Regentonne gefallen. Dort schwamm er wohl stundenlang um sein Leben, letztlich vergebens". Ein weiteres Ereignis, das dem Wildtierbeauftragten in Erinnerung geblieben ist, ereignete sich im Spätherbst 2020 in Hirsau, wo ein Fuchs in einen noch leicht befüllten Swimmingpool geraten war. "Er kam mit seinen Läufen nicht auf den Boden, dabei sind Füchse gute Schwimmer. Letztlich wurde er tot aus dem Becken geborgen", erzählt Fürstenberg. Besonders tragisch sei aber ein Fall im November 2021 in Calw gewesen. "Dort waren zwei Jungfüchse durch ein zerschlagenes Kellerfenster gesprungen, doch der Keller war leer und verschlossen. Letztlich sind in diesem Keller beide Jungfüchse an Hunger verstorben", berichtet der Wildtierbeauftragte.

Nicht alle denkwürdigen Wildtiergeschichten endeten indes so dramatisch. Das beweist ein Blick ins Archiv unserer Redaktion. So hielt beispielsweise im Juni 2014 ein wild gewordenes Wildschwein die Polizei in Pforzheim in Atem. Das Tier war nach einem Zusammenstoß mit einem Auto durch die Stadt geflüchtet, hatte eine Passantin gestreift und sich in einer Garage verschanzt. Verfolgt von drei Streifenwagen hatte es dort dann ein Fenster durchbrochen und war schließlich im Wald nahe des dortigen Wildparks verschwunden.

Und im Sommer 2018 war ein Reh in einem Garten zwischen der viel befahrenen Stuttgarter Straße und der Langen Steige in Calw aufgetaucht. Zunächst störte das die Bewohner nicht; als sich das Tier allerdings bis an den Gartentisch heranwagte und sich über die Blumentöpfe hermachte, wurde es dann doch zu bunt – und das Reh in Richtung Wiesen hinausgetrieben.