Ein Passant hat in der Neckarstraße in Horb einen Fuchs an ihm vorbeilaufen sehen – und sofort die Kamera aus der Tasche gezückt. Foto: Dreher

Ein ungewohnter Anblick: Ein Fuchs läuft am helllichten Tag durch die Neckarstraße in Horb. Ein Passant macht einen Schnappschuss vom Tier und lässt das Foto unserer Redaktion zukommen.

Horb/Waldachtal - Da stellt sich die Frage: Dringt der Fuchs immer mehr in den menschlichen Lebensraum ein, oder handelt es sich bei dem in der Neckarstraße gesichteten Fuchs lediglich um einen Einzelfall? Eine Umfrage unserer Redaktion ergab, dass vor allem Menschen, die in Waldrandnähe wohnen, häufiger mal Begegnungen mit dem Fuchs haben.

 

Wer in Waldrandnähe lebt, kommt am Fuchs nicht vorbei

Eine Einwohnerin aus Waldachtal, die in Waldrandnähe lebt, erzählt, dass Füchse bei ihr nachts "bis ans Haus" kommen und auch viel herumschreien. "Und wenn eine Wiese abgemäht wird, kommen sie auch am helllichten Tag raus, weil es da dann viel zu fressen gibt", erzählt die Waldachtalerin. Sie sei "auch mal mit Taschenlampe mit Stechschritt auf einen Fuchs zu, weil ich nur leuchtende Augen sah und gedacht habe, das wäre eine Katze, die meine Katze verprügelt. Da hat er sich einfach nur ins Gras geduckt und mich angeknurrt. Seither weiß ich, dass Füchse rote Augen haben, wenn man sie anleuchtet."

Ein Horber, der ebenfalls "ziemlich nahe am Wald" wohnt, erzählt, dass in seiner Straße "öfters mal Füchse unterwegs" sind. "Und manche laufen auch auf der Straße herum", berichtet der Horber. Aber auch wenn er nachts mit dem Auto unterwegs sei, sehe er in Horb und Umland "öfter mal Füchse – leider auch immer mal wieder tote auf der Straße."

Der Fuchs ist im Landkreis Freudenstadt weit verbreitet

Sind Füchse also ständig unter uns? "Ja", sagt der Wildtierbeauftragte des Landkreises Freudenstadt, Peter Daiker. "Der Fuchs und der Marder leben am meisten unter uns, ohne dass wir es wirklich merken. Beim Marder merken wir es noch eher, weil er an Autos knabbert und einen Kothaufen hinterlässt", sagt Daiker. Der Fuchs gehöre jedenfalls zu den Tierarten, die im Landkreis Freudenstadt am weitesten verbreitet seien. "Vielleicht gibt es noch mehr Rehe als Füchse", grübelt Daiker. "Jedenfalls ist der Fuchs einer der häufigsten Tierarten, die es hier bei uns gibt."

Daiker weiter: "Draußen im offenen Land gibt es flächendeckend überall Füchse im ganzen Landkreis Freudenstadt." In der Regel leben Füchse im Wald und in Feldern. "Aber es gibt sie zunehmend auch in Dörfern und Städten. Es nimmt immer mehr zu, dass sich Füchse ins Dorf trauen. Wir bekommen da auch recht viele Meldungen", verrät der Wildtierbeauftragte des Landkreises Freudenstadt.

Woran liegt das? Daiker: "Das liegt unter anderem daran, dass wir Menschen zunehmend in Fuchsgebieten bauen. Deshalb werden Füchse auch immer häufiger etwa in Bau- und Industriegebieten gesichtet."

Füchse zu füttern ist keine gute Idee

Füchse fühlen sich als Allesfresser in menschlichen Siedlungen schließlich sehr wohl, erklärt Daiker. "Denn Füchse erfahren in Wohngebieten keinen Jagddruck." Außerdem gibt es in Dörfern und Städten viele Unterschlupfmöglichkeiten, Haustiere wie Hühner und Kaninchen, offene Komposthaufen mit Essensresten sowie Hunde- und Katzenfutter. "Katzenfutter zu jagen ist für den Fuchs eben einfacher und bequemer als eine Maus zu jagen", sagt Daiker scherzhaft-ernst. Wenn Füchse keine schlechten Erfahrungen mit Menschen machen, werden sie häufig sehr neugierig und vertraut, warnt Daiker.

Der Wildtierbeauftragte des Landkreises Freudenstadt erzählt, dass es auch einige Menschen gibt, die den Fuchs putzig finden und ihn füttern. "Das ist aber keine gute Idee", meint Daiker. Denn: "Dann kommt der Fuchs wieder und wieder und findet leichte Beute, wenn er zum Beispiel ungeschützte Hühner, Hasen oder Meerschweinchen entdeckt."

Wildtiere sollen Wildtiere bleiben

Um Wohngebiete für Füchse unattraktiv zu machen, dürfe man Füchse nie anlocken, mit ihnen spielen oder gar füttern. Vielmehr müsse man sie erschrecken oder verjagen, ihnen das Leben also möglichst unsicher und unangenehm machen. Füchse seien schließlich Wildtiere "und das sollen sie auch bleiben", betont Daiker.

Er rät davon ab, Essensreste wie Fleisch, Knochen, Käse oder Obst auf dem Kompost zu entsorgen – was ganz nebenbei auch einen Mäuse- und Rattenbefall verhindere, und damit wiederum den Fuchs, der sich hauptsächlich von Mäusen und kleinen Säugetieren ernährt, fernhalte.

Der Kompost könne mit Drahtgitter abgedeckt werden. Alternativ könne ein geschlossener Komposter verwendet werden. Im Sommer wird gerne gegrillt. Daiker rät dazu, den Gartengrill stets gut zu reinigen und Reste von Grillgut zu entsorgen.

Müllsäcke erst morgens zur Abfuhr bereitstellen

"Kein Hunde- oder Katzenfutter draußen herumstehen lassen", lautet ein weiterer Appell von Daiker zur Fernhaltung von Füchsen in Wohngebieten. Gelbe Säcke und sonstige Abfallsäcke solle man außerdem erst morgens zur Abfuhr bereitstellen.

Den Auslauf von Haustieren solle man durch einen festen Drahtzaun – mindestens 2 Meter hoch mit 50 Zentimeter Untergrabeschutz – schützen. Alternativ durch ein geschlossenes Gehege oder mit einem Elektrozaun. Nachts solle man Haustiere "im geschlossenen Stall" halten.

Außerdem rät Daiker zu, Unterschlupfmöglichkeiten wie Hohlräume unter Gartenhäusern zu verschließen oder dichte, bodendeckende Hecken zu beseitigen. Denn Füchse könnten durch Spalten von nur circa zehn Zentimeter schlüpfen.

Schuh und Wasserschlauch können helfen

Stellt sich noch die Frage, wie man sich verhalten sollte, wenn ein Fuchs vor der eigenen Haustüre herumlungert. Daiker: "Man kann einen Gegenstand, zum Beispiel einen Schuh oder etwas anderes, knapp neben den Fuchs werfen und ihm damit klarmachen: ›Du bist hier unerwünscht!‹". Man könne aber auch mit einem Wasserschlauch nach dem Fuchs spritzen und ihm so signalisieren: "Du hast hier nix verloren!" Wenn der Fuchs Unsicherheit verspüre, dann meide er das Wohngebiet beziehungsweise das Dorf künftig auch.

Dass ein Fuchs einem Menschen gegenüber mal aggressiv werden könnte, sei zwar nicht völlig ausgeschlossen, "das ist aber so gut wie unmöglich", sagt Daiker. Denn: "Der Fuchs hat Respekt vor uns Menschen. Wir sind ja auch von unserer Statur her deutlich größer als der Fuchs ist. Ja, der Fuchs kann sich zwar auch wehren, aber in den allermeisten Fällen rennt er uns Menschen davon."

Wann muss man einen Fuchs melden?

Und wie hat man sich als Bürger zu verhalten, wenn man gerade die Neckarstraße entlang läuft und einen Fuchs durch die Straße laufen sieht? Muss man den Fuchs melden? "Dass ein Fuchs sich in die Stadt verirrt, ist mehr oder weniger normal", sagt Daiker und fügt hinzu: "Man muss nicht jeden Fuchs melden, den man sieht. Nur wenn er sich daneben benimmt, eine Katze bedroht, penetrant wird, und sich nicht verscheuchen lässt, dann kann ein Anruf durchaus helfen." Bei solchen und ähnlichen Fällen ist Peter Daiker der richtige Ansprechpartner. In "wirklich akuten Fällen" könne man aber auch die Polizei anrufen, stellt Daiker klar.